Ned LeDoux - Next in Line

CD Cover: Ned LeDoux - Next in Line

Ned LeDoux, Sohn von Chris LeDoux, veröffentlicht mit "Next in Line" sein zweites Studio-Album.

Kinder von Stars haben es nicht leicht. Zu groß ist meist der Schatten, den Star-Papa oder Star-Mama auf den Nachwuchs werfen. Außerdem werden die Sprösslinge, reüssieren sie dazu in der gleichen Disziplin wie Mama oder Papa, meist von Publikum und Kritik mit besonderer Sorgfalt beäugt. Wir wollen das im Falle von Ned LeDoux anders machen: Geben wir dem Mann aus Wyoming eine faire Chance. Was zählt, ist nur die Musik. Die 13, größtenteils selbstgeschriebenen Tracks seines neuen Albums "Next In Line".

Wobei: Ein Umstand könnte bei der Bewertung doch noch mit einfließen. Denn erst vor kurzem veröffentlichte der 42-Jährige über Facebook die Nachricht, dass seine kleine, zweijährige Tochter infolge eines tragischen Unfalls gestorben sei. Was Schlimmeres kann man sich kaum vorstellen. Da ist es fast schon makaber, dass sein zweites Album gerade jetzt erscheint.

Ned LeDoux ist "Next in Line"

Doch was will man machen? So ist das Leben. Auch für einen Sunnyboy wie Ned LeDoux aus Kaycee, aus dem Bilderbuch-Wildwest-Staat Wyoming. Dass Ned in die Fußstapfen seines Vaters, dem Grammy-nominierten Country-Star und Ex-Rodeo-Profi, Chris LeDoux treten würde, war bald beschlossene Sache. Die Musik war sein Ding. Zunächst spielte er einige Jahre in Daddys Tourband ("Western Underground") Schlagzeug, 2015 begann er mit den Aufnahmen von selbstgeschriebenen Songs. Die EP "Forever a Cowboy" setzte 2016 eine erste Duftmarke, "Sagebrush" landete als erstes komplettes Album immerhin auf Platz 38 der US Country-Charts. Nicht schlecht, für einen Rookie. Aber auch nicht so richtig toll.

Nun also das optimistische und zuversichtliche "Next In Line" - "jetzt bin ich dran". Keine Frage, man würde es ihm wünschen und schlecht stehen seine Chancen tatsächlich nicht. Immerhin steht dem optisch gewinnenden Sänger und Songwriter mit Mac McAnally ein echtes Country-Urgestein als Multiinstrumentalist, Co-Autor und Produzent zur Seite (der Mann ist zehnmaliger CMA-Award-Gewinner!). Man kann sich vorstellen, wie die beiden über das Soundkonzept von "Next In Line" diskutiert haben. Wo soll es hingehen? Wer sind unserer Hörer? Machen wir bei der dem Rock- und Pop-Country-Trend mit oder bleiben wir näher an den Wurzeln? Die Frage beantwortet Ned LeDoux gleich mal mit dem Opener "Old Fashioned". In der LeDoux/McAnally-Komposition beschwört der Westmann die Traditionen, die Roots, die alten Hüte und ausgelatschten Stiefel. Trends? Hypes? Nicht mit mir!

"Next in Line" präsentiert authentische Country-Storys

Die Ode an das Bewährte verpacken die beiden in strammen, richtig druckvollen Country-Rock. Leider - und da sind wir schon beim Kernproblem des Künstlers - kann Ned LeDoux diesem Druck der Backingband nicht standhalten. Er ist kein Shouter. Er ist auch kein Frontman, dem man die Rolle des charismatischen Band-Vorstehers abkauft. Da seine Stimmbänder nicht mit Roots-Größen wie Alan Jackson oder George Strait mithalten können, flüchtet er sich im Verlauf der 13 Titel immer wieder in eine Art Sprechgesang. Das mag als Effekt ab und an reizvoll sein. Zu häufig als Stilmittel eingesetzt, verschleißt sich die Wirkung nicht nur – es lässt auch an eine Notlösung für eine stattliche Gesangs-Performance denken.

Diese doch leider eher magere Stimme schmälert den Gesamteindruck der insgesamt musikalisch ordentlichen CD. Das ist schade. Zumal er in seinen Songs kompetent und selbstredend höchst authentisch klassische Country-Themen behandelt, wie: die beiden Country-Rocker "Dance With The Spurs On", "Great Plains", das mit Walking-Bass versehene, an den frühen Johnny Cash erinnernde "A Cowboy is All" oder das schmucke Liebeslied an die Highway "Travel Alone".

Einen größeren Wurf könnte der Newcomer mit "Just A Little Bit Better" landen. Immerhin schrieben diesen etwas moderner klingenden, mit hittauglichem Refrain versehene Track Mac McAnally und Chris Stapleton. Gegen Ende der CD gibt es Wiederhören mit Neds 2005 verstorbenen Vater Chris LeDoux. Zu einer gemütlichen Westerngitarre berichtet er eine gute Minute davon, dass es für einen waschechten Countryman einfach nichts schöneres gibt, als ein "Homegrown Western Saturday Night" - den Faden nimmt Sohnemann Ned im letzten Track auf. Es ist der traditionellste und auch einer der stärksten Songs der CD.

Fazit: Auf seinem zweiten Album "Next In Line" präsentiert Ned LeDoux gefälligen, roots-orientierten Country-Rock. Musikalisch gut - stimmlich ist für den Newcomer noch Luft nach oben.

Label: Powder River / Thirty Tigers (Membran) VÖ: 8. November 2019
01 Old Fashioned
02 Worth It
03 Dance with Your Spurs On
04 Next in Line
05 A Cowboy is All
06 Where You Belong
07 Travel Alone
08 Path of Broken Dreams
09 Just a Little Bit Better
10 Almost Saturday Night
11 Great Plains
12 Chris Ledoux Intro
13 Homegrown Western Saturday Night

Anmelden