CD Cover: Colter Wall - Colter Wall

Der 21-jährige Colter Wall weckt mit seinem von Dave Cobb produzierte Debüt-Album die Geister aus der Vergangenheit.

Er wurde schon als Honkytonk-Troubadour, Country-Haudegen und als alte Seele bezeichnet. Dabei ist Colter Wall gerade einmal 21 Jahre alt - und veröffentlicht dieser Tage sein Debüt-Album. Dennoch steckt Wahrheit in diesen Kosenamen. Die elf Stücke auf der selbstbetitelten Platte passen so gar nicht zu der Biografie eines jungen Mannes am Anfang seiner 20er. Das fängt schon bei der Stimme an: Wall singt nicht nur tief, in seinem Gesang schwingt auch die Erfahrung eines gelebten Lebens mit. So werden seine Songs mehr Vortrag als Gesang und bekommen eine besonders tiefe Eindringlichkeit.

Von Randfiguren und Außenseitern

Auch das Songwriting offenbart Weisheit und Gelassenheit. Colter Walls Storytelling ist klassisch und orientiert sich am Stil seiner Vorbilder Steve Earle, Dylan LeBlanc und Parker Milsap sowie am Delta Blues-Stil der Marke Robert Johnson und Blind Willie Johnson.

Geboren ist Colter Wall in Saskatchewan, einer kanadischen Prärieprovinz. Inzwischen wohnt der in Kentucky. Sein Zuhause aber ist das Amerika der Gesetzlosen und Ungezähmten. Diese raue Welt wird Wirklichkeit in den Songs von Colter Wall.

In seinen Liedern singt der passionierte Hutträger und Kettenraucher von Außenseitern und Randfiguren, von verlorenen Pfaden und zerrütteten Träumen, von Tagen im Zweifel und Nächten im Knast.

Colter Wall fokussiert auf das Wesentliche

Dazu zupft Wall zupft seine Gitarre, die meist pur und unverstärkt aufgenommen wurde. Ab und an gibt es Footstomps, Handclaps und in manchen Songs auch eine Slide-Gitarre. Minimalistisch ist das, und konzentriert auf das Wesentliche.

Dazu trägt auch die staubtrockene Produktion von Grammy-Preisträger Dave Cobb bei.

Das Album "Colter Wall" startet gemächlich mit "Thirteen Silver Dollars". Doch der erste Eindruck täuscht. Colter Wall ist zwar kein lärmender Lautsprecher, die Gemächlichkeit des Openers aber führt auf die falsche Fährte. Die besten Songs dieser insgesamt starken Platte sind "Codeine Dream", das die Relaxtheit eines Frontporch-Sonnenuntergangs in sich trägt, und die tiefschwarze Western-Ballade von "Kate McCannon". Colter Wall beschreibt darin einen Mord aus Eifersucht, kühl und sachlich wie einst Johnny Cash.

Weiteres Highlight sind der überschwängliche "Transcedent Ramblin' Railroad Blues".

Neun der elf Stücke sind Eigenkompositionen. Dazu gesellen sich mit "Snake Mountain Blues" von Townes Van Zandt und dem traditionellen Folk-Song "Fraulein" zwei Cover-Versionen, denen Colter Wall mühelos eine eigene Note verleiht.

Fazit: Das Debüt-Album von Colter Wall ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Seine Songs sind ungeschliffen und roh und gerade dadurch so intensiv und romantisch. Es ist der starke Erstling des interessantesten unter den vielen vielversprechenden jungen Talenten im Country-Kosmos.

Label: Young Mary's Record Co. (Alive) VÖ: 12. Mai 2017
01 Steel Town
02 Suitcase
03 Jealous Girl
04 Summer Without Her
05 Love Drunk
06 Hearts Don't Break That Way
07 Wheels
08 Siddle's Saloon
09 School
10 Just Long Enough
11 Gold

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