Nach zwei Jahren Pause kehrt Frankie Ballard jetzt seinen neuen Longplayer "El Río" zurück
Wie das Leben halt so spielt. Eigentlich wollte Frankie Ballard, Jahrgang 1982, aus Michigan stammend, Baseball-Profi werden. Mit 18 Jahren entdeckte er dann die Musik, begann Gitarre zu spielen – und gewann einige Jahre später einen Nachwuchswettbewerb, der ihm eine Show im Vorprogramm von Kenny Chesney einbrachte. Die Folge: ein Schallplattenvertrag. Wie das Leben halt so spielt ...
Bei "El Río" macht Frankie Ballard vieles richtig
Mit "El Río" veröffentlicht der 33-Jährige jetzt sein drittes Album. Er macht dabei vieles richtig: angesagte Sounds, gefällige Arrangements, Texte, wie man sie von einem gut aussehenden Country-Sänger erwarten darf und eine Stimme, die reichlich Soul und Rock hat. Kurz: nichts was groß stören würde – aber leider auch nichts, was richtig im Ohr hängen bleibt, was man immer und immer wieder hören mag. Es liegt: am Songmaterial.
Nicht falsch verstehen: Keiner der elf Tracks ist eine echte Niete. Jeder funktioniert, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Nehmen wir doch gleich mal den Opener "El Camino", der wohl so etwas wie das Bindeglied zum Latino-Titel herstellen soll. In den ersten zwei, drei Takten erinnert der Song mit seinem gemächlichen, staubtrockenen Riff an den Stones-Klassiker "Honky Tonk Woman". Nach etlichen weiteren Takten lässt der dann mit Orgel, Klavier und so weiter umfangreich ausgestattete Track eher an die Black Crowes oder vielleicht auf milde gestimmte Aerosmith denken. Also: Solider, souliger Rock ist hier das Thema. Ein Feld, das Frankie Ballard mit angerauter Stimme prima zu beackern weiß.
Als Song-Überraschung kann man das nachfolgende "Cigarette" werten. Denn hier flirtet der Sänger erstaunlich unverblümt mit so etwas ähnlichem wie New-Wave-Pop. Mehrere Tempowechsel, Farfisa-Orgel und synthetische Sounds inklusive. So sperrig der Song sein mag, nach wiederholtem Hören erschließt sich der spröde, gar nicht unoriginelle Reiz des Titels. Für das nachfolgende "Wasting Time" ist indes keine Gewöhnungszeit nötig. Der Titel braucht nicht mal bis zum Refrain, bis man Gefallen an den leicht sehnsüchtigen, nach Highway und Ferne klingenden Melodien gefunden hat. Keine Frage, ein Highlight der CD.
Frankie Ballard: guter Sänger mit Soul in der Stimme
Nicht von schlechten Eltern ist auch das leicht düstere "Little Bit of Both". Hier versucht sich Ballard als Swamp-Rocker, etwas lasziv, etwas lüstern, etwas verrucht. Vermutlich hat er den alten Haudegen – und Neu-Country-Sänger – Steven Tyler beim Einsingen des Songs im Hinterkopf gehabt. An wen er beim nachfolgenden "L.A. Woman" dachte, ist nicht überliefert. Vielleicht an die Doors, die ja mit einem Song gleichen Titels einen legendären Hit landeten? Vielleicht. Musikalisch aber erinnert das Werk eher an eine verträumte 80er-Jahre-Poser-Band als an Jim Morrison & Co.
Die zweite Albumhälfte setzt dann kaum mehr richtige Ausrufezeichen. Wer gnädig ist, mag vielleicht noch das zumindest eingangs recht folkige "It All Started With A Beer" hervorheben. Doch je länger der Song im Player rotiert, desto klischeehafter wird er: Eiskaltes Bier trifft auf heiße Liebe. Auweia ... Ziemlich durchschnittlich, kaum mehr als ok fallen auch die weiteren Songs aus. Mit einer Ausnahme: "You’ll Accomp’ny Me" – doch dabei handelt es sich schließlich auch um eine Cover-Version des starken Bob Segers-Songs. Die anschließende nette Ballade "You Could’ve Loved Me" gehört mit dem langen Slide-Gitarrensolo zwar zu den besten Tracks der CD, mithalten kann sie mit dem Song-Vorgänger freilich nicht.
Fazit: Mit "El Río" präsentiert Frankie Ballard elf Tracks, die ihn als guten Sänger ausweisen – denen oft aber das bestimmte Moment fehlt.










