Steve Earle & The Dukes - Terraplane

CD Cover: Steve Earle & The Dukes - Terraplane

Steve Earle hat den Blues. Durch und durch. Mit jedem Blutstropfen, mit jedem Herzschlag. Das muss einen Insider nicht verwundern. Immerhin ist der rauschebärtige Country-Rebell mit dem traurigen Zwölf-Takt-Schema groß geworden. Klar hat er den Country genauso aufgesogen, doch da waren auch Johnny Winter, die Vaughn-Brüder, Canned Heat und Billy Gibbons von ZZ Top, die Steve Earle schwer beeindruckten. Nach 33 Karrierejahren outet er sich jetzt als Nachfahre, als Widergänger der erwähnten Herren, als rechtschaffener Blueser.

"And it's time", schreibt er in den Linernotes, "Hell, everybody's sick of all my fucking happy songs". Also bejammert er auf "Terraplane" - immer brav im Schema Tonika - Subdominante - Dominante - seine verschwundene Liebe, seine Einsamkeit, sein Leben. Und wenn das einem blütenweißen Countryact zusteht, dann ihm, den Nashville-Rebellen Nummer Eins.

Irgendwie hat es auch etwas Putziges, wenn der etwas befremdlich wirkende Sänger und Songschreiber mit Waldschratoptik im Opener von seinem "Baby Baby Baby (Baby)" schwärmt. Eine Bluesharp weint dazu herrliche Roots-Töne aus. John Lee Hooker, Muddy Waters oder Willie Dixon hätten es nicht schöner hinbekommen. In diesem Fahrwasser geht es mit "You're The Best Lover That I Ever Had" weiter. Gleich in der ersten Zeile rät er seinem "Baby let your hair hang down."

Weil Steve Earle aber ein grandioser Songschreiber ist, lotet er gelegentlich harmonisch die Grenzen des Genres aus. Man nehme nur das viereinhalb Minuten lange "Better Off Alone". Ein Blues, ganz klar. Aber auch mit gefälligen, fast schon an Pop erinnernden Melodie-Wendungen. Rar und transparent arrangiert, verströmt der Track - wie alle anderen - einen geradezu magischen Reiz. Das Glanzlicht setzt nach der dritten Strophe Gitarrist Chris Masterson, mit einem, in Schlichtheit und Tonbildung, an Jeff Beck erinnernden Gitarrensolo.

Beim anschließenden "The Usual Time" ist er indes wieder bei der traditionellen Auslegung des Genres angelangt: ein rustikaler, im Midtempo-Bereich angesiedelter Shuffle mit schmissigen Harp- und Gitarren-Riffs. Eine Schippe legt er bei dem anschließenden "Go Go Boots Are Back" drauf – ein Song, wie geschaffen für Mick & seine Stones, mit einem simplen, aber treibenden Gitarrenriff und knochentrockenem Backbeat. Die harmonisch und rhythmisch etwas aus dem Ruder laufende Bridge mag ein origineller Einfall sein, wirkt in dem schnörkellosen Blues-Rock-Stück aber wie eine überflüssige Verzierung.

Zu den schönsten Momenten der von R.S. Field produzierten CD gehört hingegen "Baby's Just As Mean As Me", ein gefühlvolles Duett mit Eleanor Whitmore, der weiblichen Hälfte von der Alternative-Country Band The Mastersons. Mit "King Of The Blues" setzt Earle den Schlusspunkt unter sein neustes Werk – und erinnert dabei an die besten Zeiten von Blues-Ikone Muddy Waters.

Fazit: Steve Earle hat den Blues - und der steht im gut.

Label: New West (Warner) VÖ: 13. Februar 2015

  • Titelliste

01 Baby Baby Baby (Baby) 07 Go Go Boots Are Back
02 You're The Best Lover That I Ever Had 08 Acquainted With The Wind
03 The Tennessee Kid 09 Baby's Just As Mean As Me (mit Eleanor Whitmore)
04 Ain't Nobody's Daddy Now 10 Gamblin' Blues
05 Better Off Alone 11 King of The Blues
06 The Usual Time


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