Jim Lauderdale - Country Super Hits, Volume 2

CD Cover: Jim Lauderdale - Country Super Hits, Volume 2
 

Jim Lauderdale ist seit langem eine der angesehensten und stillen einflussreichsten Persönlichkeiten Nashvilles, ein Songschreiber unter den Songschreibern, dessen Karriere Jahrzehnte und Genres überspannt. Seit seinem Major-Label-Debüt im Jahr 1991 hat er ein Werk geschaffen, das mittlerweile mehr als drei Dutzend Alben umfasst, sowie eine umfangreiche Liste von Titeln, die von Künstlern wie George Strait, Patty Loveless und Elvis Costello aufgenommen wurden.

Jim Lauderdales neues Album "Country Super Hits, Volume 2" ist eine Erinnerung, kein Revival

Als mehrfacher Grammy-Gewinner und kürzlich in die Nashville Songwriters Hall of Fame aufgenommener Künstler hat sich Jim Lauderdale seinen Ruf durch die Verschmelzung traditioneller Country-Handwerkskunst mit einem unermüdlichen kreativen Geist erarbeitet, wobei er fließend zwischen Honky Tonk, Bluegrass und Americana wechselt und dabei eine Stimme bewahrt, die unverkennbar seine eigene ist.

Diese Unabhängigkeit und sein umfangreiches Schaffen prägen sein Werk bis heute. Mit seinem neuen Projekt "Country Super Hits, Volume 2" greift Jim Lauderdale das Konzept wieder auf, das er erstmals auf seinem 2006 erschienenen Album "Country Super Hits, Volume 1" erprobt hatte, und widmet sich erneut klassischen Honky-Tonk-Klängen und zeitloser Erzählkunst. Während die ursprüngliche Sammlung seine tiefe Verehrung für den traditionellen Country zum Ausdruck brachte, baut diese neueste Ausgabe fast zwei Jahrzehnte später auf diesem Fundament auf und bekräftigt sein Bekenntnis zu den Wurzeln des Genres, während sie gleichzeitig die Perspektive eines Künstlers widerspiegelt, der nach wie vor mit voller Kraft schreibt und aufnimmt. Lauderdales neuestes Werk unterstreicht einen roten Faden, der sich durch seine gesamte Karriere zieht: das Finden universeller Wahrheiten in alltäglichen Kämpfen und deren Vermittlung mit Wärme, Witz und Authentizität.

In "Country Super Hits, Volume 2" steckt ein ironisches Lächeln. Trotz des Titels handelt es sich nicht um eine rückblickende Siegesrunde – es ist eine bewusst augenzwinkernde Fortsetzung seines 2006 erschienenen Albums "Country Super Hits, Volume 1", das selbst keine Greatest-Hits-Sammlung war. Zwei Jahrzehnte später legt Jim Lauderdale noch einmal nach und liefert gleichzeitig etwas weitaus Substanzielleres: ein zutiefst authentisches, pointiert geschriebenes und musikalisch zeitloses Country-Album, das sich sowohl archivarisch als auch überraschend aktuell anfühlt.

"Country Super Hits, Volume 2" - Ein Retro-Sound, der sich ganz und gar zeitgemäß anfühlt

Schon in den ersten Takten von "I've Still Got You" gibt Jim Lauderdale mit einem entspannten Retro-Twang den Ton an. "Die Welt scheint in letzter Zeit verrückt geworden zu sein", stellt er fest – eine Zeile, die leise, aber eindringlich nachhallt. Was folgt, ist ein Liebeslied, das von Beständigkeit geprägt ist: "Ich habe dich immer noch, in guten wie in schlechten Zeiten." Die zurückhaltende Produktion lässt die Pedal Steel atmen und zaubert üppige Countrypolitan-Texturen der 80er Jahre herbei, während sie gleichzeitig fest in der Gegenwart verankert bleibt. Es ist die Art von Sound, die dank Künstlern wie Midland, Zach Top und Charley Crockett wieder in Mode gekommen ist – doch Lauderdale folgt keinen Trends; er erinnert alle stillschweigend daran, dass er nie weg war.

Die gleiche Balance aus Nostalgie und Unmittelbarkeit prägt "People Get Hurt Sometimes", eine wehmütige Bar-Ballade, getragen von Klavier und weinerlicher Pedal Steel. "Liebe hält nicht immer ewig", singt er mit einer gelebten Aufrichtigkeit, die den Song über bloße Nachahmung hinaushebt. Es ist Musik für gebrochene Herzen, für gedämpftes Licht und späte Stunden, vorgetragen mit Eleganz und Zurückhaltung.

"Hope Springs Eternal" präsentiert einen sanft wogenden Rhythmus mit der Energie der Western-Prärie, untermalt von unerwarteten Flamenco-Einlagen. Lauderdale sucht nach "süßer Inspiration, die nah genug ist, um sie festzuhalten", und der Titel entfaltet sich zu einer Pedal-Steel-Passage, die in ein Akustik-Solo im Stil der 1950er Jahre übergeht. Es ist eine nahtlose Verschmelzung von Epochen – zeitlos statt altmodisch.

Bei "You Had To Be There" steigt das Tempo an und bringt eine verspielte Dringlichkeit mit sich. Im Geiste von Hank Williams und Roger Miller liefert Lauderdale witzige, prägnante Geschichten über Abwesenheit und Einsamkeit. Es ist klassisches Country-Songwriting – scharfsinnig, prägnant und auf stille Weise erschütternd.

Dann folgt "Artificial Intelligence", in dem Lauderdale moderne Ängste mit Old-School-Instrumentierung kontrastiert. "Es ist noch nicht perfekt, aber fast so real wie es nur geht", sinniert er und bietet eine überraschend ergreifende Reflexion über die Menschheit. Der Humor und die Einsicht des Tracks unterstreichen eine der zentralen Stärken des Albums: seine Fähigkeit, zeitgenössische Themen anzusprechen, ohne den traditionellen Sound zu opfern.

Honky-Tonk-Energie und emotionale Tiefe

"I'm Waggin My Tail" ist ein kurzer, zweiminütiger, mitreißender Ausbruch von Honky-Tonk-Freude, getragen von Geige und Bar-Attitüde. Der Song würde sich gut in Zach Tops Revival-Werk einfügen, bleibt aber dennoch fest in der Tradition der 50er und 60er Jahre verwurzelt. Im Gegensatz dazu neigt "Everybody's Got a Problem" zu üppiger Balladenkunst und verbindet Klavier mit einer leisen, tiefgründigen Botschaft. "Niemand will eine Last sein …", singt Lauderdale und deutet damit auf die verborgenen Kämpfe hinter kuratierten Leben hin – vielleicht sogar eine subtile Kritik an der modernen Social-Media-Kultur. Es ist jene Art von universellem Gefühl, das an das Beobachtungsgenie der goldenen Ära des klassischen Country erinnert.

"While We Learn to Break Each Other's Hearts" bietet eine leichtere, fast therapeutische Sicht auf Beziehungen. "Zuerst gibst du dein Bestes und scheiterst", bemerkt er und erkundet die Wechselwirkungen der Liebe mit Wärme und Witz.

Unterdessen sticht "Neighbors" als eines der explizit modernsten Statements des Albums hervor. Vor einem fröhlichen, von der Geige getragenen Hintergrund plädiert Lauderdale für Empathie und Verbundenheit: "Ist es verrückt oder Wunschdenken? Wir könnten sofort damit anfangen, Dinge zu tun, um uns gegenseitig zu helfen." Es ist ein hoffnungsvoller Appell, eingehüllt in zeitlosen Twang, der an eine Mischung aus Zach Top und Marty Robbins erinnert.

Die zweite Hälfte des Albums widmet sich der Romantik in ihren vielfältigen Formen. "I Can't Get Around It" greift den Country-Stil der späten 50er- und frühen 60er-Jahre im Stil von Patsy Cline auf, komplett mit verträumten Hintergrundgesängen und mitreißender Pedal-Steel-Gitarre. "You're My Honest to Goodness" schaltet mit einem subtilen 70er-Jahre-Groove einen Gang zurück, der von Einflüssen der 90er Jahre geprägt ist und an Alan Jackson erinnert. "Mit Gott als meinem Zeugen liebe ich dich über die Ewigkeit hinaus", verspricht Lauderdale und verbindet dabei Humor, Bescheidenheit und Hingabe.

Anstatt nach Relevanz zu streben, erreicht Jim Lauderdale sie mühelos.

Bei "Making A Believer Out of Me" erzeugen ein schlurfender Rhythmus und helle Gitarrenlinien eine beschwingte, fast filmische Atmosphäre – wie klassischer Country, gefiltert durch eine Vintage-Disney-Linse. Es ist ein weiterer Beweis für Lauderdales Fähigkeit, alte Formen lebendig und verspielt wirken zu lassen.

Der Abschluss-Track "We Don't Get to Be Us Anymore" gehört zu den bewegendsten Momenten des Albums. Teilweise in einem gesprächigen Sing-Speak-Stil vorgetragen, reflektiert er über zerfallende Freundschaften und emotionale Distanz. "Wir standen uns früher so nah", klagt er, bevor ein bluesiges Gitarrensolo den Song in seine letzte Phase trägt. Die ungelöste Sehnsucht – einfach nur wissen zu wollen, ob es dem anderen gut geht – verleiht dem Album einen zutiefst menschlichen Schlussakkord.

Im Jahr 2026 sind traditionelle Country-Klänge wieder allgegenwärtig. Künstler wie Zach Top und Midland haben dazu beigetragen, dass Fiddle und Pedal Steel wieder im Mainstream gefragt sind. Doch Jim Lauderdale reitet nicht auf dieser Welle – er hat sie mit aufgebaut. "Country Super Hits, Volume 2" klingt, als hätte es zu jedem Zeitpunkt der letzten 70 Jahre aufgenommen werden können, doch seine thematischen Anliegen – modernes Chaos, künstliche Intelligenz, soziale Entfremdung – verankern es fest in der Gegenwart. Genau diese Spannung macht das Album so fesselnd.

Fazit: "Country Super Hits, Volume 2" ist keine neuartige Fortsetzung oder ein nostalgisches Unterfangen – es ist das Werk des Meisterhandwerkers Jim Lauderdale, der seine Stimme weiter verfeinert und damit beweist, dass wahrhaft zeitlose Country Music sich nicht weiterentwickeln muss, um bedeutungsvoll zu bleiben. Sie muss einfach nur ehrlich sein.

vgw
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