k.d.lang

Mit "Watershed" weist die Kanadierin ihre Ausnahmestellung nach

Ende der 80er galt k.d.lang als große Hoffnung der Countrymusic-Szene. Mit dem Country-Punk ihrer Band "re-clines" beeindruckte sie Kritiker und Fans. Aber auf Peitsche und Reitstiefel wollte sich die Kanadierin ebenso wenig festlegen lassen, wie auf das Image eines modernen 'Cowgirls'. Ihre Fernseh-Spots für die Tierschutzkampagne "Meat Stinks" und ihr Bekenntnis, Lesbe zu sein, führten postwendend dazu, dass sie von vielen amerikanischen Country-Stationen boykottiert wurde. Das konnte ihren Erfolg allerdings kaum beeinträchtigen. Mit Alben wie "Ingenue" von 1992 oder "Drag" von 1997 erreichte sie weltweit ein Millionen-Publikum und für die Single "Constant Craving" (aus "Ingenue") gab´s den ersten Grammy. Superstar Madonna prägte seinerzeit den Ausspruch: "Elvis is back! And she´s beautiful!" Vier Jahre nach ihrer letzten CD "Hymns of the 49th Parallel" veröffentlicht die Kanadierin nun ihr neues Album "Watershed".

"Watershed" - zu deutsch "Wasserscheide" - markiert einen Wendepunkt in der Laufbahn von k.d.lang. Die Songs, die sie im Lauf der vergangenen vier Jahre geschrieben hat, drehen sich um eine Neubestimmung im Verhältnis zwischen ihr und der Umwelt. k.d.lang ist inzwischen 47 und sie fühlt sich offensichtlich wohl in ihrer Haut. "Mit dem Alter kommt eine gewisse Gesetzheit", findet die Kanadierin. "Ich glaube, dass man irgendwann die Suche nach sich selbst abgeschlossen hat. Man begreift, dass man so ist wie man ist. Natürlich bleibt es unser Ziel, uns weiter zu entwickeln, erwachsener, offener und liberaler zu werden. Aber das Grundsätzliche des eigenen Ichs hat sich heraus gebildet."

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Dieses "Grundsätzliche des eigenen Ichs" der k.d. lang spürt man bei jedem Song der neuen CD. Sei es im nachdenklichen Opener "I Dream Of Spring" mit der grandiosen Zeile "this world is filled with frozen lovers" oder im sanft swingenden "Coming Home", immer geht es um darum, "wie meine Taten und meine Gedanken mein Leben und das anderer Menschen beeinflussen", erklärt k.d. lang. "Das Leben ist nicht mehr so widersprüchlich wie in der Jugend, wo man oft versucht, es allen Recht zu machen und glaubt, dadurch seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, was allerdings meist im Gegensatz zum eigenen Ich steht. Mit zunehmendem Alter verschwindet dieser Widerspruch mehr und mehr. Man ist mehr eins mit sich selbst. Und das ist ein tolles Gefühl. - Ich mag es, älter zu werden. Ich habe ein gutes Gefühl dabei."

Neben der thematischen Ausrichtung ist die CD "Watershed" auch noch in einem anderen Zusammenhang ein Wendepunkt für k.d.lang, denn zum ersten Mal hat sie die Verantwortung als Produzentin übernommen. "Ich habe zuerst etwas zurück gezuckt, denn wenn man als Produzentin auf der CD steht, bietet man natürlich eine zusätzliche Angriffsfläche für Kritik", erzählt die Kanadierin schmunzelnd. Kritiker werden allerdings kaum etwas Kritikwürdiges finden, denn die Songs von "Watershed" sind zwar unspektakulär, aber sehr stimmig und souverän produziert. Die Klasse der feinsinnigen Arrangements erschließt sich mitunter erst bei mehrmaligem Hören. In jedem Fall spürt man, dass k.d. lang ihre vielfältigen Erfahrungen aus 25 Jahren Studio-Arbeit einfließen ließ. "Es geht vor allem darum, die richtige Umgebung für die Stimme, für die Inhalte und die Gefühle der Songs zu schaffen", erklärt sie ihren Ansatz. "Die Songs spiegeln das Leben wider. Und das Leben kann überraschend und lustig, aber auch düster und leer sein. Das Produzieren ist so ähnlich wie das Malen oder das Kochen. Vielleicht muss ein bisschen mehr Salz oder ein bisschen mehr Zitrone ran. Vielleicht auch nur ein Glas Wasser. Das Album "Watershed" ist für mich eine Kombination aller Stile, mit denen ich mich in den vergangenen 25 Jahren beschäftigt habe und die ich zu einem einzigen Stilgemisch verschmolzen habe. Ich finde, dass man "Watershed" keinem Genre zuordnen kann. Es ist einfach Ich, meine Musik."

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Die unaufgeregten und sanft fließenden Songs klingen nach den unendlichen Weiten der Prärie. Mal ist es offensichtlicher, mal eher unterschwellig, dass k.d. langs Songs bei aller stilistischer Vielseitigkeit ihre Anregungen vor allem aus dem großen Reservoir der klassischen Countrymusic beziehen. Die wundervolle Pedal Steel Guitar von Greg Leisz veredelt zum Beispiel das bereits erwähnte "I Dream of Spring". "Der Einfluss, den die klassische Countrymusic auf mich hatte, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Country ist wie der Blues der Ursprung populärer Musik. Für mich ist die Countrymusic das Fundament, auf dem ich aufbaue. Sie hat mich gelehrt, keine Angst vor ganz direkten und starken Emotionen zu haben. Wenn z.B. Willie Nelson "I Fall To Pieces" singt, dann gibt es nichts Ehrlicheres oder Leidenschaftlicheres."

Zur gegenwärtigen Country-Szene sieht die Kanadierin allerdings nur wenige Berührungspunkte. "Leider ist die heutige Countrymusic extrem aufgesplittert und sie wird leider oft auch auf eine bestimmte politische und religiöse Orientierung reduziert. Aber wenn Countrymusic von den Menschen, von ihren Gefühlen, Empfindungen und von grundlegenden menschlichen Dingen handelt, dann ist sie wahrhaftig und sehr bodenständig. Und deshalb wird sie immer einen großen Einfluss auf meine Musik haben."

ImageMit dem Album "Watershed" ist k.d.lang ein großer Wurf gelungen. Die Songs sind voller Schönheit und Klarheit, voller innerer Ruhe und Stärke. "Watershed" ist das musikalische Abbild einer Frau, die in sich ruht. "Ich muss der Welt nichts mehr beweisen, ich bin wirklich eine Sängerin. Das Songschreiben und das Interpretieren sind gleichberechtigt. Natürlich möchte ich ein bestimmtes Niveau erreichen, wenn ich eine neue Platte produziere. Aber ich nehme das alles nicht mehr so unglaublich ernst. - Die Musik ist Ausdruck dessen, was ich empfinde. Es ist nicht so, dass ich die Verantwortung für die Menschen eines ganzen Landes tragen müsste. Ich möchte mit meiner Musik Schönheit ausdrücken."

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