Interview zu "Landman" mit Billy Bob Thornton, Demi Moore und Ali Larter
Eine große Premiere, eine fette Party und obendrauf die drei Serienstars Billy Bob Thornton ("Sling Blade - Auf Messers Schneide"), Ali Larter ("Resident Evil") und Demi Moore ("Forsaken"). In der ersten Folge der zweiten Stafell von "Landman" kriegt Thornton als Tommy Norris mächtig Ärger mit seiner Ex-Frau Angela, gespielt von Ali Larter, verbrüdert sich dafür mit Demi Moore als neue Ölbaronin Cami Miller. Wir trafen die drei in Berlin zum Interview.
Die Ölindustrie kann ziemlich erbarmungslos sein wie man in "Landman" sieht. Sehen Sie da Parallelen zur Filmindustrie in Hollywood?
Billy Bob Thornton: Nun ja, in Hollywood geht es immer um Kunst gegen Kommerz und die beiden vertragen sich nicht besonders gut. Man versucht, eine kreative Idee umzusetzen, aber die Administration, so nenne ich es mal, ist mehr auf Budgets und Gewinn bedacht. In meinem Job als Landman versuche ich, meine Leute zu schützen und sicherzustellen, dass sie angemessen bezahlt und versorgt werden. Das schmälert manchmal den Gewinn. Insofern gibt es da ähnliche Probleme.
Demi Moore: Ich denke, in jeder Branche, in der viel auf dem Spiel steht, insbesondere finanziell, gibt es Parallelen. Also nicht nur in Hollywood, sondern in jeder großen Branche. Billy, du hast es gut ausgedrückt. Profit geht vor Menschen, das ist immer wieder eine Herausforderung. Ich denke, das ist in unserer Branche üblich, weshalb es ja dann auch zu Streiks kommt wie vor kurzem der Schauspielerstreik. Da haben wir uns alle zusammengetan, um zuerst die Menschen zu schützen.
Große Stars wie Sie tauchen immer öfters in Serien oder drehen Filme für Streaminganbieter. Was ist mit Kino? Hat sich das Filmgeschäft so sehr verändert, dass Kino gar nicht mehr so attraktiv ist?
Billy Bob Thornton: Über die Jahre hat sich viel verändert, und der Grund, warum Filmschauspieler wie wir jahrelang nicht fürs Fernsehen gearbeitet haben, war die Zensur. Im Grunde genommen ist das der Punkt, denn es war nichts Schlechtes daran, eine Fernsehserie zu drehen, aber man konnte nicht völlig authentisch sein. Es war sehr eingeschränkt. Man durfte nicht fluchen, rauchen oder Sex haben. Wer will das schon?
Und das hat sich jetzt geändert?
Billy Bob Thornton: Nun, die Sache mit dem Streaming ist die: Im Grunde genommen sind Serie ja nur Filme, aber eben sehr lange Filme und ich habe noch nie einen Regisseur sagen hören: "Ich wünschte, mein Film wäre kürzer." Wir Schauspieler können eine Figur über einen längeren Zeitraum entwickeln, manchmal sogar über Jahre. Man weiß nie, ob das so lange hält, aber man hofft es natürlich. Dann hat man die Zeit, Charaktere zu entwickeln.
Was für Schauspieler natürlich attraktiver ist als in einem zeitlich begrenzten Kinofilm mitzuspielen?
Billy Bob Thornton: "Landman" unterscheidet sich nicht von einem Film, der gerade im Kino angelaufen ist. Der einzige Unterschied ist, dass die Leute sich das zu Hause anschauen. Die gute Nachricht ist: Die meisten haben heutzutage einen riesengroßen Fernseher.
Demi Moore: Ich denke, dass sich die Art und Weise, wie Leute Inhalte konsumieren, verändert hat. Unsere Leidenschaft, Filme zu drehen, hat sich dadurch aber nicht verändert. Es hat sich nur weiterentwickelt und das Schöne daran ist, dass Fernsehen und Kino früher so getrennt waren. Aber jetzt, wo die Grenzen verschwimmen, entstehen auch mehr Möglichkeiten. Natürlich hat die Filmindustrie etwas darunter gelitten, aber ich hoffe, dass wir dadurch nicht das gemeinsame Erlebnis verlieren.
Billy Bob Thornton: Das stimmt. Was verloren geht, ist das Erlebnis, ins Kino zu gehen und gemeinsam mit vielen anderen vor der großen Leinwand zu sitzen. Das ist ein ganz besonderes Gefühl - wie bei einem Konzert. Dieses Gefühl ist uns abhandengekommen. Streaming basiert aber auf Abonnenten, daher sind wir in der Streaming-Welt nicht von den Kinoeinnahmen abhängig und deshalb kann man nicht immer die idealen Schauspieler für die Rollen besetzen.
Wie meinen Sie das?
Billy Bob Thornton: Es gibt Leute in Streaming-Serien, die vielleicht keine großen Filmstars sind und man kann sie trotzdem einsetzen, weil sie gut ins Bild passen. Bei Filmen hingegen geht es ums Geldverdienen an den Kinokassen und da besetzt mal diesen Typen oder jene Frau, die gerade angesagt sind.
Demi und Ali, Sie beide spielen in "Landman" starke Frauen in einer männerdominierten Welt. Wie wichtig war Ihnen das, als Sie sich für Ihre Rollen entschieden haben?
Demi Moore: Es war einfach, wenn man sich Taylor Sheridans bisherige Erfolge ansieht, in denen er immer wieder interessante, komplexe und vielschichtige Frauenfiguren in die Drehbücher geschrieben hat. In unserem Fall feiert er sogar Frauen in einem gewissen Alter, ohne Unterschiede zu machen. Ich denke, viele seiner weiblichen Charaktere haben eine unglaubliche Stärke. Ich habe sogar zugesagt, ohne vorher das Drehbuch zu kennen. Ich habe mich einfach mit Taylor getroffen, und er meinte: "Hier ist die Geschichte, bist du dabei?" Und ich antwortete: "Klar, ich bin dabei." Ich weiß zwar nicht, wohin die Reise geht, aber ich glaube, die Serie spiegelt die Stärken der echten Frauen aus West-Texas wider, zumindest die, die ich kennenlernen durfte.
Ali Larter: Wenn man authentisch in seine Figur eintaucht, will man auch herausfinden, wie vielschichtig sie sein kann und ihre Komplexität entdecken. Das gelingt einem nicht bei jedem Projekt, aber bei dieser Serie, in der ich Angela spiele, habe ich das Gefühl, dass ich so viele verschiedene Seiten von mir selbst mit einbringen kann. Denn sie ist wie ein Feuerwerkskörper. Ich denke da auch an ihre Herkunft. In West-Texas war ihr Lebensweg gewissermaßen vorgezeichnet.
In einer Folge von "Landman" wird man mitfolgenden Satz konfrontiert: "Es ist ein Spiel für junge Frauen." Inwieweit sind Sie in Ihrer Karriere mal mit einer solchen Aussage konfrontiert worden?
Ali Larter: Ich habe das Gefühl, es immer wieder zu erleben und ich fühle mich wirklich glücklich, dass ich als Frau, die sich mit dem Älterwerden wohlfühlt, immer wieder so komplexe und interessante Rollen findet. Ich glaube, das ist es, was wir an Taylors Serien lieben: Er setzt Frauen in ihren besten Jahren wirklich gut in Szene. Lässt man sich vom Älterwerden runterziehen, bleibt man auf der Strecke. Wenn man aber ein Selbstwertgefühl entwickelt, dann liegt darin die wahre Stärke und das Wesen einer starken Frau.
Demi Moore: Allein die Tatsache, dass ein Juwel wie "Landman" ans Licht kommt, ist Teil dieses Wandels. Es schafft ein Bewusstsein dafür, ohne es groß erklären zu müssen und es bewirkt tatsächlich etwas. Es schärft das Bewusstsein für die Ungleichheit, die Frauen seit langem nicht nur in unserer Branche, sondern in vielen Branchen begegnet.
Als junge Frau hat man diese Angst vor Geschlechter- oder Altersdiskriminierung aber noch nicht?
Demi Moore: Als junger Mensch denkt man nicht so weit, weil man auch noch nicht so weit ist. Es ist, als würde einem jemand sagen: "Du wirst irgendwann schlaffe Haut haben." Man weiß es nicht und denkt: "Nein, ich nicht." Aber es passiert, und ich glaube, dass Frauen mit dem Alter aus dem Geschäft gedrängt oder auf Charakterrollen beschränkt wurden. Einer der Vorteile von Streaming-Plattformen ist, dass sie viel mehr Geschichten von Frauen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lebensgeschichten ermöglichen.
Ali Larter: Eines der Probleme, die ich in der Branche am Anfang meiner Karriere hatte, war, dass ich ständig in unangenehme Situationen geriet. Man musste sich eine gewisse Härte aneignen, um in dieser Branche überhaupt zu überleben, bis man seinen Weg gefunden hat. Und das muss auch weiterhin so bleiben.
Billy Bob, Sie haben mal erwähnt, dass Sie unter Angstzuständen leiden und es Ihnen hilft, lange Monologe auswendig zu lernen. Können Sie das vielleicht erklären?
Billy Bob Thornton: Wenn man eine Zwangsstörung hat und auch noch Legastheniker ist, wächst man mit dem Gedanken auf, sich schämen zu müssen. Aber das tue ich nicht. Wahrscheinlich könnte ich meinen Job gar nicht ausführen, wenn ich all Die Dinge, die man früher als Leiden bezeichnete, erlebt hätte. Wie ich meine Texte lerne, ist schwer zu beschreiben. Ich sehe Dinge in Abschnitten und muss mir nur einen Absatz eines Textes ansehen und kann genau sagen, was drinsteht. Das kommt nur daher, dass ich eine so schwere Zwangsstörung habe, die mich mein ganzes Leben lang begleitet.
Ali Larter: Und ich bin jemand, der das miterleben darf, weil ich praktisch jeden Tag mit ihm arbeite. Es ist wirklich außergewöhnlich, wie er sich Zeit nimmt. Er hat ein fotografisches Gedächtnis. Er sieht etwas und kann es dann mit so viel Menschlichkeit und Emotionen ausfüllen. All diese Dinge, die dich ausmachen, sind deine Gaben.
Wäre es eigentlich ein Kulturschock, wenn eine Ihrer Figuren aus West-Texas plötzlich in eine Stadt wie Berlin käme?
Billy Bob Thornton: Ich glaube, in Texas herrscht eine gewisse Lässigkeit, die uns manchmal vielleicht etwas zu sehr auf den Boden der Tatsachen zurückholt (lacht). Ich bin ja dort aufgewachsen und wir legen nicht so viel Wert auf Pomp und Prunk. Ich erinnere mich noch, als ich das erste Mal in eine andere Stadt kam und keinen Anzug trug. Das war in Frankreich und man sagte zu mir, ich solle Jackett und Krawatte tragen, um in dieses Restaurant zu gehen. Ich hatte absolut keine Ahnung, wovon die redeten. Ich dachte nur, ich kann auch so gut essen. Ich habe es einfach nicht kapiert (lacht).
Die Serie "Landman", mit Billy Bob Thornton, Demi Moore und Ali Larter, kann auf Paramount+ gestreamt werden.













