Jimmie Allen - Bettie James (EP)

CD Cover: Jimmie Allen - Bettie James

Mein lieber Scholli: Die EP "Bettie James" von Jimmie Allen mag aus nur sieben Tracks bestehen - doch die haben es in sich.

James Edward Allen, besser bekannt als Jimie Allen, ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Wille und Ausdauer lohnen. Dass es wert ist, an seinen Traum zu glauben, dass man sich nicht von Tiefschlägen und Enttäuschungen von seinem Ziel abbringen lassen soll. Dass man positiv denken, leben und handeln soll. Es zahlt sich aus. Zumindest im Falle des afroamerikanischen Country-Sängers Jimmie Allen.

Geboren in Milton, Delaware, zog er 2007 ins gelobte Country-Mekka Nashville, um es als Sänger zu schaffen. Das wollen viele. Zu viele. Und die meisten geben nach dem 100. "Nein Danke" oder "Wir melden uns bei dir" auf, gehen dahin zurück, wo sie hergekommen sind und suchen sich einen 9 to 5 Job. Nicht so Jimmie Allen. Er probierte alles. Er nahm an jedem Contest und Nachwuchswettbewerb teil, den die Country-Szene zu bieten hat: "America's Got Talent", "American Idol" und natürlich die unzähligen regionalen Talent-Shows. Meist schied er schon aus, als es begann interessant zu werden, als die Kameras dabei waren und das große Publikum zuschaute. Angeblich war er phasenweise so arm, dass er in seinem Auto leben musste. Hartes Brot. Aber so ist das Musik-Business.

Jimmie Allen hat seinen Traum verwirklicht

Einerseits. Andererseits schreibt die Musikindustrie immer wieder auch Geschichten, die märchenhaft klingen. In denen ein Nobody zum Star wird - auch das gehört zur Biografie des heute 34-jährigen Sängers und Songschreibers. Für die Initialzündung sorgte Scotty McCreedy, mit dem sich bei American Idol anfreundete. Der spätere Gewinner nahm Jimmie Allen mit auf Tour und so kam eines zum anderen: Plattenvertrag, Publishing-Deal, Hit-Singles wie "Best Shot", "Make Me Want To" (jeweils Nummer eins in den US Country-Airplay-Charts), das Album "Mercury Lane" (Platz elf der US Country-Charts). Vor allem aber gelang es Allen, mit seiner samtigen, R&B-getränkten Country-Stimme die Herzen der Kritiker zu erobern. Sie orteten seinen Sound irgendwo zwischen den Klängen von Sam Hunt und Thomas Rhett. Ein hitverdächtiges Terrain, keine Frage.

Mit der sieben Tracks umfassenden EP "Bettie James" ist es nun an der Zeit für den nächsten Karriere-Schritt. Es dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach, ein Schritt mit Sieben-Meilen-Stiefeln sein. Nicht nur, weil Jimmie Allen mit "Bettie James", der Titel verweist auf seinen verstorbenen Vater und auf seine verstorbene Großmutter, einer kleinen aber extrem feinen Sammlung an so modernen wie eingängigen Country-Pop-Songs bereithält. Sondern weil er für jeden einzelnen Track einen Gaststar der Premium-Klasse präsentiert.

"Bettie James" - ein hitverdächtiges Statement

Den Auftakt bestreitet "Good Times Roll". Musikkenner werden den Songtitel mit Rhythm and Blues und B.B. King in Verbindung bringen. Und so ganz falsch liegt man dabei auch nicht: Der Track verknüpft ziemlich perfekt Hip-Hop- und Black-Music-Elemente mit Country-Flair und Pop-Melodien - und hält mit dem Rap-Star Nelly den für diesen Sound bestmöglichen Gaststar bereit. Hit? Die Chancen stehen gut! Das gilt auch für den eindeutig im Country angesiedelten nächsten Track "Drunk & I Miss You". Schon der Titel macht klar, dass es sich dabei um eine Ballade handelt. Gemeinsam mit Mickey Guyton lässt er das Sehnsuchtsgefühl des Lady Antebellum-Krachers "Need You Now" herrlich emotional aufleben.

Mit "Made For These" legt der grandiose Sänger aber glatt noch eine Schippe drauf. Dafür sorgen die großartig komponierte Ballade und - nicht zuletzt - Gaststar Tim McGraw. Es ist lange her, dass man den großen Tim so berührend schmachten hörte. Hit? Das will man sehr hoffen!

So prächtig sich Jimmie Allen im tränengetränkten Terrain des Balladen-Fachs schlägt - er kann auch anders. Er kann gut drauf sein, Spaß haben und Frohsinn verbreiten. Den Beweis liefert das nachfolgende "Freedom was a Highway", bei dem er sich das Mikro mit dem notorisch gut gelaunten Brad Paisley teilt.

Herzstück der EP bildet indes das nachfolgende "Why Things Happen". Für den ruhigen und nachdenklichen Song lud sich Allen als Stargäste Charley Pride und Darius Rucker - und versammelt damit die wichtigsten afroamerikanischen Country-Sänger der letzten Jahrzehnte. Es ist ein bewegender Moment mit starker Symbol-Kraft, ein in Worte und berührenden Melodien gegossenes Black-Live-Matter-Monument. Mehr noch: Der Song spendet Trost und verleiht Hoffnung, er regt zum Nachdenken an und appelliert mit jeder Note, mit jedem Wort an die Menschlichkeit. Mehr kann Musik nicht bewirken.

Bevor die EP mit dem gefühlvollen, aber auch eher harmlosen Country-Hip-Hop-Song "This Is Us" (mit Noah Cyrus) ausklingt, sorgt Allen noch einmal für ein großes Stelldichein: Bei "When This Is Over" assistieren ihm Tauren Wells, Rita Wilson und - wie schön! - die Oak Ridge Boys. Auch diese soulige Country-Ballade bringt so viel Gefühl und Tiefgang mit, dass man sie immer wieder hören möchte. Wie gut, dass sich Jimmie Allen einst nicht von seinem Plan abbringen ließ…

Fazit: Quantitativ eine EP, qualitativ ein Monument: Mit "Bettie James" präsentiert Jimmie Allen den derzeit wichtigsten Tonträger aus Nashville - Gaststars wie Tim McGraw, Brad Paisley, Darius Rucker und Charly Pride waren dabei behilflich.

Label: Stoney Creek / BMG (Warner) VÖ: 10. Juli 2020
01 Good Times Roll (mit Nelly)
02 Drunk and I Miss You (mit Mickey Guyton)
03 Made For These (mit Tim McGraw)
04 Freedom was a Highway (mit Brad Paisley)
05 Why Things Happen (mit Darius Rucker und Charley Pride)
06 When This Is Over (mit Tauren Wells, Rita Wilson und The Oak Ridge Boys)
07 This Is Us (mit Noah Cyrus)

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