pez - all lowercase

CD Cover: pez - all lowercase

Der Bayer pez liefert mit "all lowercase" fünf Songs im Nashville-Sound ab

Country aus Bayern mit Niveau: der ehemalige Regensburger Domspatz Peter Geyer, alias Pez, präsentiert mit "All Lowercase" eine beachtliche EP: moderner, mehrheitsfähiger Country-Pop und -Rock.

Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden. Und Peter Geyer, wie Pez bürgerlich heißt, hat seines von der Pieke auf gelernt. Bei: den Regensburger Domspatzen. Dieser weltweit geschätzte Chor hat sich seit Jahrzehnten als exzellente Ausbildungsstätte für angehende Profisänger bewährt. Eine Schule, wie man so hört, sogar harte Schule, zu der nur die begabtesten Sänger und Musiker Zutritt erhalten. Peter Geyer, 1996 im oberpfälzerischen Tirschenreuth geboren, bestand als Zehnjähriger die Aufnahmeprüfung für diese elitäre Einrichtung und bereiste später mit den Domspatzen die ganze Welt (inklusive USA-Tour).

pez: ein Domspatz fliegt auf Country

Vermutlich wurden bei diesen Konzertreisen die Weichen für Pez gestellt. Wahrscheinlich hat er in diesen imposanten Ruhmeshallen der Kultur, in den Konzertsälen und Opernhäusern der Welt das vielzitierte Blut geleckt - und sich entschieden, es als Profi-Sänger zu versuchen. Warum er sich für dieses ohnehin waghalsige Unterfangen ausgerechnet das Genre "Country" ausgeguckt hat? Es bleibt sein Geheimnis. Für uns Freunden des Nashville-Sounds aber ist das allemal eine gute Nachricht: So können wir endlich wieder einmal von einem Country-Act made in Germany berichten.

Vor diesem Hintergrund versteht es sich von selbst, dass wir uns mit seiner EP "All Lowercase" (alles Kleinbuchstaben) natürlich wohlwollend beschäftigen. Wer weiß, vielleicht drücken wir hier und da auch mal das strenge Kritikerauge zu, doch blind hochjubeln ist freilich auch bei Heimvorteil nicht drin. Andererseits: Pez, den man, nimmt man seinen EP-Titel ernst, vermutlich pez schreiben sollte (was überflüssiger Schnickschnack ist), kommt wohl auch ohne Bonus klar. Er hat die Stimme, das Auftreten und er bringt in den international konkurrenzfähig eingespielten fünf Titeln das nötige Show-Selbstvertrauen mit. Wo sich pez (na gut, wir halten uns ab jetzt dran) stilistisch sieht und einordnet, muss sich allerdings noch zeigen.

Im Opener "Dreamer" der von ihm und Christian Schemm produzierten EP gibt sich der Youngster jedenfalls gleich mal gut gelaunt. Sehr gut gelaunt sogar und eigentlich gar nicht, wie im Titel angekündigt, verträumt. Im Gegenteil. Zum rasanten, auf der Snare hingezimmerten Zwei-Viertel-Groove berichtet er hingebungsvoll von seinem "Traum", mit seiner Musik die Menschen zu begeistern. Er klingt dabei so euphorisch und zuversichtlich, dass man es ihm zutrauen kann, diesen Wunschtraum auch umzusetzen. Zumal er im Refrain ziemlich unwiderstehliche Party-Melodien auffährt. Spätestens da erinnert der Track in seiner ausgelassenen Anmutung - und das dürfte dem Erfolgspotential nicht abträglich sein - glatt an "Cotton Eye Joe" in der Rednex-Version.

"All Lowercase": fünf konkurrenzfähige Songs mit Potential

Damit wäre der erste musikalische Claim abgesteckt. Mit: "Country-Pop". Dass dies aber nur eine Facette seiner Country-Persönlichkeit ist, zeigt sich bereits in den nächsten beiden Songs: "Lighthouse" und "A Ride With You" sind von strammen Gitarren-Riffs und wuchtigen, mitunter Nashville-typisch verspielten Beats geprägt. Vor allem "Lighthouse" kann als hart, aber herzlicher Song klassischen Country-Rock-Zuschnitts überzeugen. Allerdings wird in dem Titel auch ein kleines Manko des jungen Sängers deutlich: im Verbund mit der harten Gitarre klingt seine Stimme, nun ja, sagen wir mal, um einen Tick "zu brav". Vielleicht könnte man auch sagen: zu sehr geschult oder zu glatt. Hier fehlt es den Stimmbändern des Ex-Domspatzen noch an einer gewissen Rauheit. Eine Ruppigkeit, die man von einem 24-Jährigen freilich nicht einfordern darf und sich im Laufe der Karriere meist ja von selbst einstellt.

Für etwas sanftere Titel, wie "A Ride With You", ist diese eher unbescholtene Glätte dafür von Vorteil. Ein starker Track, ebenfalls ganz im klassischen Modern-Country angesiedelt, mit einer tadellos weinenden Pedal Steel ausgestattet und - erneut - mit partytauglichem Refrain versehen: Bro Country à la Oberpfalz. Das hat was! Beim nachfolgenden, eher im 80ies Rock verorteten und mit dezent keltischen Klängen verzierten "Who I Am" drückt pez seine Stimme ins Souterrain um die Story von einem Flirt mit einer "Beauty Queen" in New Orleans zu berichten. Ein netter Song, keine Frage. Aber ungefähr so glaubwürdig wie ein Bud Spencer-Western. Ach ja, Authentizität wird vermutlich ohnehin überbewertet.

Im letzten Track der EP wagen sich pez und seine Sound- und Songkollegen aber tatsächlich noch auf dünnes Eis. Sie trauen sich an eine Cover-Version des Depeche Mode-Klassikers "Enjoy The Silence". Kann das gut gehen? Ein leichtes Unterfangen ist es jedenfalls nicht. pez & Co. haben sich dafür aber ein originelles Arrangement einfallen lassen, zu dem ein verspielter Snaredrum-Groove genauso gehört, wie ein Banjo und eine markante, an den Rainbirds-Hit "Blueprint" erinnernde Gitarrenlinie. Da pez in dem etwas düsteren Kult-Track sowohl Töne als auch Stimmung perfekt trifft, gelingt ihm die Countryfizierung des betagten Synthie-Pop-Klassikers überraschend gut.

Fazit: Man hört, man spürt: Da liebt einer die Country Music. Dass pez ein ausgebildeter Sänger ist, steht allemal für musikalische Qualität. Endlich mal wieder ein hörenswerter Country-Act aus Deutschland!

Label: Audiofachwerk (Eigenvertrieb) VÖ: 18. Juni 2021
01 Dreamer
02 Lighthouse
03 A Ride with You
04 Who I Am
05 Enjoy the Silence

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