CD Cover: Aaron Watson - Vaquero

Aaron Watson veröffentlicht mit "Vaquero" sein 11. Studio-Album.

Wie stark Aaron Watson mit seinem Heimatstaat Texas und den dort und im Grenzgebiet zu Mexiko verankerten Traditionen verbunden ist, hat er bereits auf seinen letzten Alben bewiesen. Nun nannte er dieses "Vaquero", also die spanische Form des Cowboys. Die 16 Titel schrieb Aaron Watson selbst zumindest mit, in Zusammenarbeit mit anderen Songwritern, wie Mac McAnally, Leslie Satcher oder Kendell Marvel. Er ist gefestigt in seinem Tun, hat nach 17-jähriger Arbeit seine Bestätigung gefunden. Dies sei, wie Aaron Watson es vergleicht, eine Art "David gegen Goliath-Ding" gewesen, nachdem ihm immer wieder gesagt worden sei, er würde ohnehin keinen Erfolg haben. Es sei eben einfach nötig gewesen, einen unkonventionellen Weg einzuschlagen, so der Sänger. "Wenn Dir jemand eine Tür vor der Nase zuschlägt, lass' Dich davon nicht aufhalten. Finde eine andere Tür, die offen ist". Dass "Vaquero" eine weitere offene Tür sein könnte, ist gut möglich.

"Vaquero" als würdiger Nachfolger von "The Underdog"

2015 veröffentlichte Aaron Watson sein Album "The Underdog" und überraschte die Musikwelt, als es auf Platz eins der Billboard Country Album Charts einschlug. Er ebnete damit auch den Weg für andere Independent-Künstler und profitierte selbst vom Erfolg. Er ging auf Tour, füllte große Hallen im ganzen Land und machte Liebhaber traditioneller Country Music glücklich. Nun möchte Aaron Watson erneut Geschichte schreiben, produzierte "Vaquero" auf seinem eigenen Label zusammen mit Marshall Altman.

Sein fast inzwischen schon in Vergessenheit geratener Stil, mit welchem er fesselnd seine Erzählungen in Texte verpackt, ist wieder in. Aaron Watson kennt das Leben auf dem Land, die ursprünglichen Werte der ehrlichen und strebsamen Leute. Als einer von ihnen schildert er die Begebenheiten, mit welchen sich Menschen durch alle Generationen im Grenzland zwischen Texas und Mexiko auseinander setzen müssen.

Unterm Strich sind die Sorgen und Nöte, doch auch die Freuden überall gleich, Aaron Watson bringt sie in fast schon nostalgischer Art. Er gibt Texas das zurück, was er von seiner Heimat bekommen hat. Die Leute würden ihn ohnehin nicht mögen, wenn er ein Rock-Star wäre, sagt Aaron Watson, eher dann, wenn er einer von ihnen bleibt.

Die Musik auf "Vaquero"

Die 16 Songs auf "Vaquero” mixt Aaron Watson perfekt, knüpft die kulturelle Tradition seiner Heimat ein, kommentiert und liebt sich hinein, erfüllt alle Kriterien wohlfühlgerechter Country Music.

Spürbar ist die persönliche Zugewandtheit und Zufriedenheit des 39-jährigen, der mit seiner großen Liebe verheiratet ist und dem deshalb wohl auch die romantischen Lieder so gut gelingen. Geschrieben werden diese von ihm noch immer auf seiner alten Gitarre, die er vor 20 Jahren gekauft hat. Am liebsten ganz früh am Morgen oder auf der Fahrt im Tourbus auf irgendeinem Highway.

Rock 'n' Roll, Tejano und alles, was in einer Dancehall tanzbar ist, beeinflussen sein Komponieren.

Beim Erstellen von "Vaquero" sei er auch getrieben gewesen von der Vorstellung des spanischen Reiters, der die Grundfigur des späteren amerikanischen Cowboys war, so Aaron Watson. Ähnlich stolz und stark klingen die Songs, wie der Opener "Texas Lullaby”, "Rolling Stone" oder "Run Wild Horses". Die Akzente von Fiddle und Akkordeon sind verführerisch, betonen das Besinnen auf Traditionen. Texte, wie in "These Old Boots Have Roots" oder "They Don't Make 'Em Like They Used To" singt man wohl am besten im Auto mit.

Aaron Watson ist eine Hoffnung, die Generationen wieder verbindet, auch Romantik nicht offen lässt. Und eben noch die aus den alten Zeiten und doch so ersehnte, nicht die sonst in den verrockten Country-Songs Nashvilles übliche Anmache. Wenn er singt "Take Me Home Tonight", meint es nicht das, was man heute sonst wohl denken würde. Aaron Watsons Liebeslieder, wie "Run Wild Horses" oder "The Arrow" sind einfach nur ehrlich und schön.

Den letzten Song auf "Vaquero", "Diamonds & Daughters" hat Aaron Watson seiner 6-jährigen Tochter gewidmet. Als sie ihn bat, ein Lied für ihn zu schreiben, habe er sich überlegt, es gleich so zu gestalten, dass er es später mit ihr auch auf ihrer Hochzeit tanzen könne, so Aaron Watson. "Ein liebevoller Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, der Song wird ohne Zweifel jede Mutter, jeden Vater und jede Tochter berühren, die ihn hört".

Still und reduziert auf seine Gitarrenklänge betört "Mariano's Dream", die mexikanisch-texanische Landschaft wird förmlich spürbar. Den Wunsch nach Freiheit und Weite beschreibt Aaron Watson in "Clear Isabel". Wirklich hängen bleibt beim Hören von "Vaquero" der Titel-Track, der die Lebensweise und Herkunft Aaron Watsons erklärt. Akkordeonuntermal wird die Weisheit nahe gebracht, das Leben nicht wie einen alten Country Song zu leben und das Bier niemals in der heißen Texas-Sonne stehen zu lassen.

Mit "Vaquero" hat Aaron Watson ein Werk kreiert, mit dem er zeigt, dass er unabhängig bleiben möchte, dem Ruhm wohl noch immer nicht so ganz traut. Dem Hörer tut Aaron Watson am Ende damit einen Gefallen, indem er seinem Stil, den man höchstens ein wenig mit Rick Trevino vergleichen könnte, treu bleibt. "Vaquero" sei nach Aaron Watsons Aussage das erste Album, das er so gemacht habe, dass wenn es sein letztes sei, er damit vollends einverstanden sein könne.

Fazit: Der Inhalt von "Vaquero" ist gedeckt und ergründet in texanisch-mexikanischen Wurzeln im allerschönsten Country-Gewand. Aaron Watson tut gut und zeigt markant, dass traditionsbewusste Country Music hochlebt.

Label: BIG Label (Alive) VÖ: 10. März 2017
01 Texas Lullaby
02 Take You Home Tonight
03 These Old Boots Have Roots
04 Be My Girl
05 They Don't Make 'Em Like They Used To
06 Vaquero
07 Outta Style
08 Run Wild Horses
09 Mariano's Dream
10 Clear Isabel
11 Big Love in a Small Town
12 One Two Step at a Time
13 Amen Amigo
14 The Arrow
15 Rolling Stone
16 Diamonds & Daughters

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