High South - Now

CD Cover: High South - Now

Vier schmucke Knaben sind das: Jamey Garner (Finalist von "Nashville Star"), Marc Copely (Songwriter u.a. für Willie Nelson), Kevin Campos (Singer/Songwriter) und Dillon Dixon (Songwriter u.a. für George Jones). Zusammen ergeben die bislang noch recht unbeschriebenen Blätter die Formation High South. Und, wie es scheint, haben sie so einiges vor.

Schon das Intro vom A-Cappella-Opener "Our Way Back Home" erinnert frappant an "Seven Bridges Road" von den Eagles. Und das nachfolgende, von Brett James geschriebene "Now" lässt mit wuchtigem, melodiösem Mainstream-Rock an Bon Jovi denken. Und damit haben High South auch schon ihr Terrain abgesteckt: Die Spannweite reicht vom soften Country- und Westcoast-Pop bis zum hemdsärmeligen Stadion-Rock.

So weit, so gut. Das eigentlich Interessante aber ist, dass in dieser Produktion ein nicht zu verachtendes europäisches Element mitschwingt. Produzent der CD ist schließlich der Österreicher Christian Seitz – ein Mann, der für Schlagerproduktionen für DJ Ötzi und David Hasselhoff bekannt ist. Ihm zur Seite steht der Musiker und Komponist Christian Knoll, ebenfalls Österreicher. Na ja, und zur Studio-Crew gesellen sich – neben Drummer Shannon Forrest und Bassist Glenn Worf – auch der deutsche Session-Crack Peter Weihe.

Natürlich reist man heute nicht mehr an. Man schickt sich die Files hin und her und nimmt im nächsten Studio seine Parts auf. Deshalb ist "Now" auch in fünf verschiedenen Studios entstanden. Trotzdem klingt der Bandsound nach einem Guss. Ein Sound, den man aber schon auch mögen muss. Denn Garner, Dixon & Co rühren gemeinsam mit ihren austrianischen Produzenten oft genug einen meterdicken Watte-Plüsch-Sound an - Geigen, Klavier-Kaskaden, Chöre, donnernde Beats. Pop-Balladen wie "I See Sky" oder "All You Ever Needed" würden sich jederzeit für einen Pathos-Soundtrack eines Michael-Bay-Blockbusters eignen. Trotz der kalorienhaltigen Kost bleiben die Songs einigermaßen gut verdaulich. Das liegt vor allem an den stimmlichen Vorzügen der vier (Lead)Sänger. Aber auch als Komponisten zeigt das Quartett, was es drauf hat: Wer sich an einfühlsamen, sansoweichen Melodien nicht satt hören kann, wird mit der CD perfekt bedient. Man nehme nur "Love On". Verglichen mit dieser Kuschel-Nummer erscheinen Country-Popper wie Sawyer Brown wie echte Rabauken.

Zum Glück krempeln sie ab und an die Ärmel hoch. "Love Ain't Through With You Yet" rockt robust und erstligareif. Nicht zuletzt wegen der klasse Slide-Gitarre von Marc Copley. Zwei Highlights der CD setzen aber auch noch zwei Fremdkompositionen: das (erneut) an die Eagles erinnernde, von Rodney Crowell geschriebene "The Best Is Yet To Come" und – als Reminiszenz an Country-Roots - "One Night At A Time", mit dem bekanntermaßen George Strait einen Top-Hit landete.

Fazit: Zwei Österreicher produzieren eine amerikanische Country-Pop-Boygroup. Kann das gut gehen? Ja, und ob! Man höre und staune.

Label: Decca (Universal) VÖ-BRD: 23. August 2013
01 Our Way Back Home (Intro)
02 Now
03 I'd Rather Miss You
04 One Night At A Time
05 Love Ain't Through With You Yet
06 I See Sky
07 All You Ever Needed (Remember Me)
08 What About Now
09 Love On
10 The Breath You Take
11 Sweet Simplicity
12 She Is
13 The Best Is Yet To Come
14 Erase
15 My Way Back Home

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