High South - Love, Peace & Harmony

CD Cover: High South - Love, Peace & Harmony

High South - drittes Album, dritter Anlauf. Und es scheint, dass das in Nashville lebende Trio mit "Peace, Love & Harmonie" ihre musikalische Mitte gefunden hat.

Vor rund zehn Jahren haben ein paar Musiker aus den verschiedensten Winkeln der USA zusammengefunden, um die gemeinsame musikalische Vision umzusetzen: Country-Folk mit Westcoast-Touch und Eagles-Chören und - vor allem - mit viel Gefühl für schäfchenweiche Harmonien. Ein Sound, der sich an den alten Helden orientiert. Der aber auch über eine eigene Note verfügt.

Nach ein paar Umbesetzungen - aus dem Quartett ist mittlerweile ein Trio geworden - scheint die Band um die beiden Gründungsmitglieder Jamey Garner und Kevin Campus ihre musikalische Mitte endgültig gefunden zu haben. Ihr neues, mittlerweile drittes Album "Peace, Lovel & Harmony" darf man jedenfalls getrost als stärkste und dazu in sich stimmigste Leistung von High South bewerten. 15 Songs. 15 musikalische Sonnenaufgänge. Wer die Eagles und Crosby, Stills & Nash liebt, kommt an diesem Album kaum vorbei.

Okay, das muss man schon aber auch sagen: An ihrem optischen Erscheinungsbild könnten Garner, Campus und - seit 2015 dabei - Phoenix Mendoza schon noch arbeiten. Beziehungsweise: Sie könnten gerne etwas abspecken und nicht so heftig auf die Hippie- und Retro-Tube drücken. Auf den meisten Fotos erinnert die Band - mit Schlag- und Cordhosen, Batik-Hemden, Fransenjacken und Schnauzbärten - jedenfalls an drei Witzbolde in Faschings-Montur. Unnötigerweise.

"Peace, Love & Harmony" - 15 Songs, 15 musikalische Sonnenaufgänge

Denn übertriebenes Styling haben High South nicht nötig, wie "Peace, Love & Harmony" beweist. Ach ja, der Album-Titel klingt natürlich auch schwer nach Aus-der-Zeit-gefallen. In Zeiten unzähliger politischer Brandherde und tödlichen Viren könnte man fast einen zynischen Unterton vermuten. Dabei meinen die drei Country-Hippies ihre Message von Frieden und Liebe garantiert ernst - und warum auch nicht? Ist es nicht höchste Zeit für vereinende, statt spaltende Botschaften?

Der Vierte im High-South-Bunde ist bei "Peace, Love & Harmony" kein Geringerer als Josh Leo. Der Songwriter, Gitarrist und Produzent (u.a. Alabama, Restless Heart, Glenn Frey) übernahm gemeinsam mit Ex-Heartbreakers-Schlagzeuger Stan Lynch die Produktion, darüber hinaus war Leo bei mehreren Songs als Co-Autor beteiligt. Wie es scheint, hat High South ein so routinierter wie versierter Sideman wie Leo bislang gefehlt. Plötzlich klingen High South nicht mehr wie Möchtegern-Eagles oder Möchtegern Crosby, Stills & Nash - die Band hat mit diesen 15 neuen Song-Kalibern tatsächlich Tuchfühlung mit den legendären Vorbildern aufgenommen.

High South: In den Fußstapfen von The Eagles und Crosby, Stills, Nash & Young

Schon der Opener und Titelsong macht mit hervorragendem Folk-Rock und lupenreinen Three-Part-Harmony-Vocals deutlich, dass es die Band dieses Mal wissen will. Nach dem fordernd rockigen Auftakt zitieren High South in den zwei nachfolgenden Tracks - das ist so hübsch wie eindeutig - die glanzvollen Zeiten von Crosby, Still, Nash & Young: "Make It Better" und "All We Need" heißen die beiden schimmernden Retro-Folk-Perlen, bei dem sich der Joint vermutlich von selbst dreht. Apropos bewusstseinserweiternde Drogen: Wer ein echtes Blumenkind sein will, macht natürlich keinen allzu großen Bogen um Dope und Gras. Mit Titel wie dem souligen, exzellent groovenden und mit Bläsern geschmückten "Let’s Get High" und dem darauffolgenden - der Trip ist noch nicht zu Ende - Akustik-Folk von "Everybody’s Getting High On Something" erinnern sie, auch musikalisch, an die Doobie Brothers.

Derart zugedröhnt, dürfte man bei der akustischen Begegnung mit dem darauffolgenden "Moonlight on Sunset" sofort an die Eagles denken. An die Adler, wie sie in den späten 70er Jahren auf Höhenflug waren und mit Titel wie "One of These Nights" das Crossover aus Country, Folk und Rock neu definierten. Der im langsamen Drei-Vierteltakt gehaltene Folk-Walzer hätte den Eagles, das muss man sagen, in jeder Beziehung zur Ehre gereicht: Von den Harmony-Vocals angefangen bis hin zum fantastischen Gitarrensolo. Besser kann man das nicht machen!

So oder so ähnlich geht’s in den verbleibenden Tracks weiter. Toll: der soulige Shuffle von "Joshua Tree", schön die CSN&Y-Epigonen "Leaving California" und "Where We Are" und mit "Ghost Town" gibt es noch mal eine gekonnte Verneigung vor den Eagles. Würde man nicht wissen, dass Glenn Frey schon seit einigen Jahren im Rocker-Himmel residiert, man würde ihn glatt hinter dem Mikro wähnen.

Fazit: Konsequenter geht eine musikalische Rückbesinnung nicht. Besser aber auch kaum: Mit "Peace, Love & Harmony" haben High South, gemeinsam mit Produzent Josh Leo, ihre musikalische Heimat gefunden.

Label: High South (Cargo) VÖ: 6. März 2020
01 Peace, Love & Harmony
02 Make It Better
03 All We Need
04 Roll That Stone Away
05 Love Ain't Gonna Let You Down
06 Bad Girl
07 Get on Up
08 Let's Get High
09 Everybody's Getting High on Something
10 Moonlight on Sunset
11 Joshua Tree
12 Leaving California
13 Where We Are
14 Ghost Town
15 Change in the Wind

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