Tedeschi Trucks Band - Made Up Mind

CD Cover: Tedeschi Trucks Band - Made Up Mind

Das Album "Made Up Mind" der Tedeschi Trucks Band wurde mit dem Blues Music Award ausgezeichnet.

Zum Glück gibt es noch ein paar echte Hippies. Leute, denen ein Make Love Not War eher über die Lippen kommt, als Motherfucker und dergleichen Flüche. Menschen, die eine positive Message haben; und denen Musik nicht nur als Vehikel dient, um den schnellen Dollar zu kassieren. Menschen wie das Künstlerpaar Susan Tedeschi und Derek Trucks.

Auf der Rückseite des Booklets ihrer neuen Tedeschi Trucks Band CD "Make Up Mind" posieren die beiden Eheleute und Eltern Susan Tedeschi und Derek Trucks gemeinsam mit ihren acht (!) musikalischen Mitstreitern. Ein Foto, das von Zuneigung und Harmonie spricht, vom Spaß am gemeinsamen Musikmachen. Dass das Gruppenbild an die etwas andere Musikerfamilie, die Allman Brothers Band bei deren At-Fillmore-East-Live-Album erinnert, könnte durchaus gewollt sein.

Schließlich spielt Derek Trucks, sofern es sein Terminkalender zulässt, neben der Tedeschi Trucks Band auch bei den Allman Brothers Gitarre (sein Onkel Butch Trucks ist Gründungsmitglied). Ob hier oder dort: Er spielt brillant. Sein Slide-Spiel erinnert gleichermaßen an den großen Duane Allman und an Blues-Ikone Elmore James. Ähnlich wie Jeff Beck spielt auch Derek Trucks ohne Plektrum, was zu seinem eigenwilligen, facettenreichen Sound beiträgt. Gemeinsam mit seiner acht Jahre älteren Ehefrau Susan Tedeschi, die selbst auf eine stattliche Solo-Karriere zurückblicken kann, prägt seine Gitarre den Bandsound entscheidend.

Auf "Made Up Mind" klingt Susan Tedeschi wie die Grande Dame des Blues

Mit dem Opener und Titeltrack legt die Formation die Messlatte gleich mal hoch: Ein entfernt an den Dire-Straits-Klassiker "Money For Nothing" erinnerndes Gitarrenriff ebnet den Weg für den strammen, knochentrockenen Mid-Tempo-Rocker, bei dem Susan Tedeschi binnen weniger Noten klar macht: sie ist die beste Bonnie Raitt seit Bonnie Raitt. Dabei klingt die zierliche Blondine sogar noch etwas rauer und - sorry: versoffener - als die Grande Dame des gepflegten Blues. Bemühen wir also wieder mal den Vergleich mit Janis Joplin.

Fest steht: Die Mischung aus virtuosem Slide-Spiel, rauchiger Bluesstimme und einer super-dynamischen Band - inklusive zwei Drummer und Bläsersatz - sucht im Grenzfeld zwischen Blues, Rock und Soul derzeit ihresgleichen. Vor allem da das talentierte Künstlerpaar auch über ein glückliches Songwriter-Händchen verfügt. Angefangen vom souligen, 70er Jahre inspirierten Rhythm & Blues von "Part of Me" über den funky Groove von "Whiskey Legs" und das soulige, an Hendrix erinnernde Wah-Wah-Inferno bei "Misunderstood" bis hin zu der gigantisch schönen Soul-Ballade von "It's So Heavy" hat alles Klasse und Stil. Im Überfluss! Was Derek Trucks alles mit seiner Gibson SG anstellen kann, zeigt er aber vor allem bei dem robusten Southern-Rocker "All That I Need". Bei "Idle Wind" und "The Storm" belegt er nicht nur, dass er von indischer Raga-Musik geprägt ist, sondern auch von psychedelischen Hippie-Klängen. Make Love, Man!

Fazit: Top Musiker, top Songs, top Album. Im virtuosen Blues-Rock sind die Grammy-Gewinner derzeit eine Klasse für sich.

Label: Masterworks (Sony) VÖ: 16. August 2013
01 Made Up Mind
02 Do I Look Worried
03 Idle Wind
04 Misunderstood
05 Part of Me
06 Whiskey Legs
07 It's So Heavy
08 All That I Need
09 Sweet And Low
10 The Storm
11 Calling Out to You

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