The Twang - Ten Yeeehaws After

CD Cover The Twang - Ten Yeehaas After
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
Userwertung
Seit nunmehr zehn Jahren covern The Twang bekannte Rock-, Pop- und Disko-Nummern, um sie mit einer gehörigen Prise Wilder Westen in Countrysongs mit ganz eigener Daseinsberechtigung umzuwandeln. Eigens für ihr Jubiläumskonzert am 30. April 2008 in der Brunsviga in Braunschweig stellten die sechs Musiker, die als die Urväter dieser Spielart gelten, nun ein Album zusammen. Auf "Ten Yeeehaws After" finden sich mit einem Bonustrack insgesamt 17 bisher unveröffentlichte Studio- und Live-Tracks. Gerne hätten wir das Schmuckstück voller Raritäten schon früher besprochen, leider lag es aber erst letzte Woche bei uns im Briefkasten. Das Album in streng limitierter Auflage ist nicht im Handel, sondern bei Konzerten erhältlich.

Liebevoll ist auf "Ten Yeehaws After" nicht nur die Songauswahl. Auch das - sage und schreibe - 28-seitige Booklet, das die Bandgeschichte in Texten und Bildern mit dem Twang-eigenen Augenzwinkern dokumentiert, zeugt davon, dass die Band mit viel Leidenschaft bei der Sache ist. Das Jubiläumskonzert wurde darüber hinaus für eine mögliche Live-DVD gefilmt. Und in zehn Jahren The Twang gibt es einige Highlights: Drei Studio- und diverse Live-Platten und EPs, drei Deutschland- und zwei Texas-Tourneen, ein "German American Country Music Federation"-(GACMF) Award und unzählige Konzerte. Dass den sechs deutschen Westernhelden der Spaß an der "Countryfizierung" noch nicht vergangen ist, beweisen sie nun mit ihrem in Eigenproduktion veröffentlichten Album "Ten Yeehaws After".

Das Ergebnis ist eine bunt gemischte und energiegeladene Reise durch die musikalische Geschichte einer nicht ganz gewöhnlichen Band. Mit viel Witz und Humor stürzt sich das Sextett, das man kaum ohne Stetsons kennt, in die Songs und sorgt für bestes Klang-Entertainment. Schon der Opener "Faith" von George Michael entpuppt sich als mitreißender Ohrwurm, dessen Original-Version sich gewitzt hinter ausladenden Gitarren- und Pianoriffs und der vollen Stimme von Sänger Hank Twang verbirgt. Es folgen alte Hits wie "I Was Made for Lovin' You" von Kiss, in dem eine kindlich-quäkende Stimme im Refrain die humoristische Note der Band unterstreicht, dem lamentierenden "Runaway" von Del Shannon und das Endzeitstimmung verbreitende "White Wedding" von Billy Idol. Auch Kult-Klassiker wie Pink Floyds "Another Brick in the Wall" (auf dem in der texanische Singer/Songwriter Jesse Dayton zu hören ist) und "Bohemian Rhapsody" von Queen flößten den "Twangy Boys" nicht so viel Respekt ein, um nicht ebenfalls ihrer "Countryfizierung" zum Opfer zu fallen. Mainstream- und Rock-Songs wie Britney Spears "Oops, I Did it Again" oder die Aerosmith-Nummer "Walk this Way", die die Band 1986 mit den Rappern Run-DMC neu aufnahm, werden in der Twang-Bearbeitung erstmals zu ernstzunehmenden Songs. Besonders gewagt wirkt da das Cover der Modern-Talking-Nummer "You´re My Heart, You´re My Soul".

Abenteuerlich ist auch das noch aus den Anfangszeiten der Band stammende "Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist": Hier haben sich die sechs Cowboys aus Braunschweig sogar an die Vertonung eines Gedichts von Johann Wolfgang von Goethe gewagt und machen daraus einen echten Gassenhauer. Deutlich ruhiger und theatralischer als das Original dagegen kommt die "Seven Nation Army"-Interpretation der Indie-Band White Stripes daher - eine echte Countryballade. In Deep Purples "Smoke on the Water" verleiht "Reverend Al Twang" dem Song mit kratzig-verrauchter Stimme einen besonders rauen Wild-West-Touch. Nach dem düster-melancholischen "Country Roads", im Original von John Denver, wirkt der Baccara-Song "Yes Sir, I Can Boogie" wie eine Reise in das Hawaii der 50er Jahre. Das virtuose Klavierspiel und vor allem die "Yeehaw"-Rufe der Band kann man sich aber auch bestens in einer texanischen Bar vorstellen. Das in atemberaubender Geschwindigkeit gespielte Piano dominiert auch den U2-Song "I Still Haven´t Found...", der von Hank Twang in bester Elvis-Manier interpretiert wird. Das balladenhafte "Reality" von Richard Sanderson stimmt schließlich mit getragenen Klängen das große Finale an - zumindest fast. Denn auf Geduldige wartet zum krönenden Abschluss noch ein Bonus Track: Der Stones-Hit "Jumping Jack Flash".

Fazit: Mit wenig Respekt vor Originalen werden hier Meilensteine der Popmusik zu ganz eigenständigen und durchaus ernstzunehmenden Songs. Oft muss man schon genau hinhören, um das Original zu erkennen. Ein augenzwinkerndes Album mit viel Charme und Humor, das einfach Spaß macht.

Label: Countryfied (nicht im Handel erhältlich) VÖ: 30. April 2008

  • Titelliste

  • Links

01 Faith 09 Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist
02 I Was Made For Loving You 10 White Wedding (Acoustic Version)
03 Runaway 11 Smoke On The Water (Al's Way)
04 Another Brick In The Wall (feat. Jesse Dayton) 12 Country Roads
05 Bohemian Rhapsody 13 You're My Heart You're My Soul
06 Walk This Way 14 Yes Sir, I Can Boogie
07 Oops, I Did It Again (Live in Houston, TX) 15 I Still Haven't Found (Live)
08 Seven Nation Army (Full Version) 16 Reality (Live)


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