Larry Fleet - Another Year Older

CD Cover: Larry Fleet - Another Year Older
 

Auf seinem neuen Album "Another Year Older" bleibt sich Larry Fleet treu: erneut beschwört er die Tugenden und Traditionen der handgemachten, unaffektierten Country Music.

"Another Year Older" von Larry Fleet bietet Starkes Songwriting ohne Schnickschnack

Larry Fleet ist kein Mann für den schnellen Ruhm. Er braucht auch keine schrillen Bühnenlichter oder ausgeklügelte Showeffekte, um zu überzeugen. Seine Währung heißt Glaubwürdigkeit. Der Sänger und Songschreiber aus White Bluff, Tennessee, steht für eine Art von Country Music, die man heute in der Music City gar nicht mehr so oft hört: unaufgeregt, handgemacht, mit einem Herzen, das im Takt der alten Zeit schlägt. Auf seinem dritten Album "Another Year Older" zieht Fleet dieses Prinzip erneut durch und schafft ein Werk, das nach Vintage klingt, ohne verstaubt zu wirken.

Larry Fleet: staubfreier Vintage-Sound ohne Pathos

Dabei scheint die Biographie dieses Mannes wie aus einem Bilderbuch für Country-Puristen: Der Urgroßvater spielte Bluegrass, die ersten Gitarrengriffe lernte Larry als Sechsjähriger. Schon früh steht er auf kleinen Bühnen in Tennessee, in Bars wie dem "Wet Bar" in Dickson oder "Evolutions". Dort lernt er das, was kein Musikcollege der Welt vermitteln kann: die Kunst, mit Songs ein Publikum zu berühren. Über Umwege landet Fleet schließlich auf den großen Bühnen. Jake Owen entdeckt ihn 2017, nimmt ihn als Support-Act mit und wenig später findet sich Fleet bei der TV-Show "Real Country" wieder, in der er prompt den zweiten Platz belegt. Es folgen einige Independent-Veröffentlichungen, bis schließlich Big Loud anklopft.

Seither arbeitet Larry Fleet an seinem Profil. Sein Debüt-Single "Where I Find God", gemeinsam mit Connie Harrington geschrieben, war 2020 ein Achtungserfolg – nicht in den oberen Chartregionen, aber mit bleibendem Eindruck. Vielleicht lag es daran, dass er dort nicht predigte, sondern einfach erzählte. Fleet singt von Momenten der inneren Ruhe, auf der Straße, am Fluss mit der Angel in der Hand. Das Gottvertrauen, das durch jede Zeile klingt, ist kein Pathos, sondern gelebte Selbstverständlichkeit.

Dieses Prinzip trägt auch "Another Year Older": ein Album, das seine Stärke nicht in der Innovationskraft, sondern in der Beständigkeit findet. Schon der Opener "If I Still Was" schleppt sich mit einer gewissen Müdigkeit durch den Alltag, während Fleet über verpasste Chancen, alte Freunde und die Gnade des Alterns sinniert. Seine Stimme – warm, leicht rau, irgendwo zwischen Kenny Rogers, Travis Tritt und Chris Stapleton angesiedelt – ist das zentrale Instrument, das jeden Song trägt. Sie hat jene sonore Ruhe, die Geschichten leben lässt, aber auch das brüchige Timbre eines Mannes, der mehr erlebt als geplant hat.

Thematisch bleibt Fleet seinem bewährten Repertoire treu: Glaube, Familie, kleine Fluchten aus dem Alltag, Patriotismus. Das akustisch gehaltene "Hotel Bible" erzählt beispielsweise von nächtlichen Zweifeln in einem anonymen Motelzimmer oder das im flotten Sechs-Achtel-Groove angelegte "Drunk Advice" vom trunkenen Rat eines Freundes, der vielleicht mehr Wahrheit enthält, als Fleet hören möchte. Das sind keine großen Hymnen, sondern kleine Beobachtungen voller Menschlichkeit. Die Folge: Man glaubt ihm jedes Wort.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen leisem Folk, gemäßigtem Country-Rock und songwritergetriebenem Americana. Kein überproduzierter Bombast, keine chartoptimierten Hooks, vielmehr weinende Steel Guitar, zurückhaltende Drums, hier und da ein Fiddle-Solo. Produzent Joey Moi, sonst eher für seine Arbeit bei Morgan Wallen oder Hardy bekannt, hält sich wohltuend zurück und gibt Fleet den nötigen Raum zur vollen Entfaltung.

"Another Year Older" beweist: Tradition ist keine Mode sondern eine Haltung

Ein besonderer Moment des Albums ist "Baseball on the Radio". Der Song transportiert pure Nostalgie: Bilder vom Sommer, von alten Pickups, von der Mischung aus Landleben und Unbeschwertheit, die wir aus vielen Filmen kennen und vielleicht nur Amerikaner so empfinden können. Fleet besingt kein Heldentum, sondern Alltäglichkeiten. Gerade das macht den Song zu einem Highlight von "Another Year Older".

Titel wie "If These Walls Could Talk" oder der Titeltrack schlagen noch leisere, noch melancholischere Töne an. Sie drehen sich um Vergänglichkeit, um das Älterwerden, um die Erkenntnis, dass Zeit nicht nur vergeht, sondern Spuren hinterlässt: in Gesichtern, Herzen und Beziehungen. Fleet singt diese Lieder mit einer so stoischen Ruhe, dass man sich an die größten Geschichtenerzähler des Genres erinnert fühlt. An Country-Könige wie beispielsweise George Strait.

So stark und glaubwürdig seine Performance ist: Leicht wird es Larry Fleet nicht haben, seinen Claim in Nashville abzustecken. Schließlich erlebt Music City USA gerade eine kleine Retro-Welle und zwischen all den Outlaws, Neo-Honky-Tonkern und Oldschool-Romantikern droht selbst ein sympathischer Künstler wie Fleet unterzugehen. Seine bisherigen Airplay-Platzierungen – meist irgendwo zwischen 40 und 60 – zeugen davon. Doch wer ehrlichen Country nach Klasse statt nach Klicks bewertet, wird mit ihm und "Another Year Older" allemal fündig.

Fazit: Bei Larry Fleet hat man es mit einem Künstler zu tun, der sich treu bleibt. Mit "Another Year Older" präsentiert er ein geradezu spektakulär unspektakuläres Album, voller herzerwärmenden Melodien und Momente.

vgw
Anmelden
Lauren Watkins - In a Perfect World
CD Besprechungen
  Lauren Watkins sorgte erstmals 2024 mit ihrem Debüt "The Heartbroken Record" für Aufsehen und überzeugte die Fans schnell mit ihren unverfälschten Geschichten, ihrer rauchigen …...
Lauren Watkins - Introducing: The Heartbreak
CD Besprechungen
  Zweiter Teil ihres Debüts: "Introducing: The Heartbreak" zeichnet nun ein genaueres Bild der Newcomerin Lauren Watkins Die Talent-Quelle sprudelt unvermindert. …...
Morgan Wallen - One Thing at a Time
CD Besprechungen
  Still und heimlich veröffentlicht Morgan Wallen sein drittes Studio-Album "One Thing at a Time" Nun, das ist es ja gerade, was die Country-Gemeinde so umtreibt: Wie …...
Florida Georgia Line - Dig Your Roots
CD Besprechungen
  Grillen zirpen, Frösche quaken - noch bevor Tyler Hubbard und Brian Kelley von Florida Georgia Line die erste Strophe auf ihrem neusten Werk "Dig Your Roots" anstimmen, wird …...
Dallas Smith - Side Effects
CD Besprechungen
Mit seinem dritten Album nimmt der kanadische Sänger Dallas Smith erstmals auch die US-Hitliste ins Visier. 2011 feierte Dallas Smith seinen Einstand in der …...
Jake Owen - Days of Gold
CD Besprechungen
Jake Owen hat den Sommer offenbar gepachtet - das sieht man nicht nur an der Auswahl seiner …...
Jake Owen - Barefoot Blue Jean Night
CD Besprechungen
Der Volksmund sagt: Alle guten Dinge sind drei und vielleicht passt dieses Sprichwort ja auch …...