Auf "Ain't Rocked in a While" zeigt Brent Cobb einmal seine andere Seite
Eine krasse musikalische Kurs-Korrektur - die sich im braven Piano-Opener "Beyond Measures" natürlich noch nicht ankündigt. Der Song ist kein richtiger Track, dauert nur eineinhalb Minuten und ist eher eine Art Intro. Vielleicht sind die ruhigen, harmonischen Klänge aber auch nur dazu da, um den Kontrast zu den nachfolgenden Tracks noch größer erscheinen zu lassen.
Wenn das der Plan war, dann ist er aufgegangen. Denn der annähernd fünfminütige Titeltrack pustet den geneigten Hörer gleich mal aus dem Sessel: harter, wuchtiger, leicht psychedelisch angehauchter, synkopisch holpernder Blues-Rock. Sehr vintage dazu. Wer dabei an Led Zeppelin denkt, liegt damit sicher nicht falsch. Sowohl Arrangement als auch die Power-Drums und die rattenscharfen Gitarren-Riffs erinnern an John Bonham und Jimmy Page, die beiden Led Zeppelin-Schwerstarbeiter. Am Ende des sowohl namensgebenden als auch programmatischen Titelsongs flippt Brent Cobb vor dem Mikro so richtig aus und kreischt sich die Seele aus dem Leib. Als ob er es allen zeigen will: artiger Sänger und Songschreiber? Das war einmal.
"Ain't Rocked in a While": wuchtiger Blues-Rock im Stile von Led Zeppelin
Ja, das war einmal. Zur Erinnerung: 2023 lautete das Fazit seines damals aktuellen Albums: "Auf "Southern Star" lebt Brent Cobb sein Gespür für schöne Harmonien und Melodien hemmungslos aus - und verknüpft dabei Country und Folk mit Soul und Funk. Ein gefühlsbetontes Album mit ganz viel Nostalgie." Was geblieben ist, ist die Nostalgie. Denn auch die acht Tracks (plus Intro und Outro) von "Ain't Rocked in a While" verströmen das Gefühl von langen Mähnen, Schlaghosen, Rüschenhemden und Plateausohlen. Die frühen Siebziger lassen grüßen. Eben die Zeit, als in London Acts wie die erwähnten Led Zeppelin, The Free und natürlich die guten, alten Rolling Stones den schwarzen Blues mit dem weißen Rock vermählten.
So gut wie nichts anderes machen auch Brent Cobb und seine drei Spießgesellen von The Fixin's, namentlich Drummer Len Clark, Gitarrist Matt McDaniel und Bassist Josh Williams. Ausgangspunkt der meisten Songs ist ein Gitarrenriff, zu dem Len Clark einen wuchtigen Vorschlaghammer-Groove zimmert. Es hoppelt und es rumpelt im Karton. Gut gemacht, keine Frage - aber auch so originell, wie ein Blues über eine abgedampfte Lady. Wer auf kräftigen Blues-Rock steht, wird dennoch seine Freude an dem Album haben. Titel wie "Bad Feeling", "Do It All The Time" oder "Take Yer Meds" sind würdige Vertreter dieser Stilrichtung; ziemlich schnörkellos dargeboten und Gitarrist Matt McDaniel sorgt für so manches Solo-Glanzlicht.
Mehr als ein Sänger und Songschreiber: Brent Cobb
Gelegentlich überführt Brent Cobb seinen Sound, aber dann doch in die Neuzeit und lädt das wummernde Gebräu mit einem, von leichtem Distortion-Effekt verzerrten Gesang mit Rap-artigen Vocals auf. Muss man mögen. Viel leichter dürfte es unseren Lesern fallen, an Titel wie "In Our Hands" Gefallen zu finden. Hier greift sich der 38-Jährige aus Georgia die Akustik-Gitarre, um einen prima Folk-Track aus dem Jeanshemd-Ärmel zu schütteln. Ein starker, entfernt an Neil Young erinnernder Song. Ein weiteres Highlight setzt gegen Ende des von ihm selbst und Oran Thornton produzierten Albums "Till Dawn". In dem gemäßigt rockigen Track besinnt sich Cobb seines glücklichen Händchens, wenn es um eingängige, harmonisch gefällige Melodien geht.
Er kann das. Und er macht das auch. Aber eben nicht nur. In den Linernotes des Albums erklärt er die Gangart von "Ain't Rocked in a While": "Die Leute erwarten von mir immer gediegene Sänger/Songschreiber-Kost und sie sind dann verwirrt, weil es bei uns live immer auch ganz schön rockig zugeht. Mit dem neuen Album können sie sich daran orientieren, was sie erwartet." Alles klar, wir haben verstanden. Mit der Band-Version von "Beyond Measures" (dem Intro-Song) beendet Cobb das Album.
Fazit: Brent Cobb hat angeblich schon länger nicht mehr gerockt - mit "Ain't Rocked in a While" ändert sich das gerade ganz gewaltig: ein wuchtiges, hartes Blues-Rock-Album. Gut gemacht, aber nicht besonders originell.












