Cody Johnson - Gotta Be Me

CD Cover: Cody Johnson - Gotta Be Me

Cody Johnson und Trent Wilmon arbeiten bei "Gotta Be Me" wieder zusammen.

Über Nacht zum Superstar? Nein, diese Entwicklung ist Cody Johnson nicht gelungen. Doch nachdem seine ersten Alben in erster Linie regionale Anerkennung fanden, steht der 29-Jährige aus dem Dörfchen Sebastapol bei Huntsville, Texas, nach dem überraschenden Erfolg seines letzten Studio-Werkes mehr denn je im Fokus. Das dürfte sich mit dem Erscheinen seines neuen Outputs "Gotta Be Me" nicht ändern.

Ob Cody Johnson schon richtig begriffen hat, was in den vergangenen gut zwei Jahren passiert ist? In dieser Zeit hat der Songschreiber über 60.000 Alben verkauft, dazu sind seine Songs 80 Millionen Mal gestreamt worden. Grund für den unterwarteten Boom war die Veröffentlichung des Albums "Cowboy Like Me", das aus dem Texaner plötzlich im Ganzen an Country Music interessierten Land eine bekannte Nummer werden ließ. Das Album enterte die Billboard Country Album Charts auf Platz 7 und landete zudem in dem alle Genres beinhaltenden Billboard 200 auf einem erstaunlichen 33. Platz. In der Folge musste bei seinen Auftritten, die längst nicht mehr nur in Texas und den angrenzenden Staaten stattfinden, immer öfter das "Sold Out"-Schild an die Konzerthallen gehängt werden. 500.000 Konzerttickets für Headliner-Shows sind in den vergangenen 24 Monaten in den USA verkauft worden. Nicht schlecht, für einen Independent-Act, oder?

Cody Johnson setzt bei "Gotta Be Me" auf bewährte Kombination

Um in der Erfolgsspur zu bleiben, hat Cody Johnson ein Gesetz der Branche bereits berücksichtigt, und wie bei "Cowboy Like Me" Trent Willmon erneut für die Produktion der 14 Tracks auf "Gotta Be Me" engagiert. Mit Erfolg, denn wie der Vorgänger ist ein abwechslungsreiches Album gelungen, dass klar im traditionellen Country verwurzelt ist. Die erste Überraschung gibt es schon beim Titeltrack, "Gotta Be Me", mit dem das Album beginnt. Im Gegensatz zu seinen früheren Veröffentlichungen ist "Gotta Be Me" kein uptempo-Vulkan, sondern eine sanft swingende Country-Nummer. Schon beim folgenden "Grass Stains" sind die Gitarren eingestöpselt und Fiddle und Schlagzeug mit von der Partie. Kein Radiohit, aber ein Groove, der bei Live-Shows sicher gut ankommen wird.

Mit "With You I Am" folgt aber danach schon der erste richtige Smasher. Eine romantisch-kraftvolle Ballade aus der Feder von David Lee, Cody Johnson und Trent Willmon, die nicht nur an Brandi, die Ehefrau des Sängers adressiert ist, um deren positiven Einfluss es hier geht. Ein absoluter Sahne-Song, mit einem starkem Refrain - sicher eine der besten Balladen des Jahres 2016.

Überzeugende leicht rauchige Bariton-Stimme auf "Gotta Be Me"

Stimmlich noch intensiver geht es beim Rodeo-Song "The Only One I Know (Cowboy Life)" zu. Besonders beim emotionalen Finale punktet Cody Johnson mit seiner leicht rauchigen Bariton-Stimme. Klasse und dazu autobiografisch, hat sich der Sänger kurzzeitig als Rodeo-Reiter versucht - inklusive gebrochenem Arm, Bein und Schlüsselbein. Diese Thematik greift er noch ausführlicher beim musikalisch an George Strait erinnernden "Every Scar Has a Story" auf. Dagegen klingt die traditionell angelegte Ballade "Walk Away" schon fast gewöhnlich - wenn auch auf einem hohen Niveau. Diesen Track schrieb Cody Johnson übrigens mit Texas Country-Ikone Randy Rogers.

Wer auf den Bühnen der Honkytonks in Texas groß geworden ist, muss das Publikum natürlich auch lautstärketechnisch mitreißen und rocken können. Das dies für Cody Johnson eine leichte Übung, zeigt die clever arrangierte Club-Hymne "Chain Drinkin'”. Wer danach noch nicht genug getanzt hat, sollte zu "Billy's Brother" skippen und einfach mitfeiern. Nur einmal versucht sich Cody Johnson auf "Gotta Be Me" in für ihn eher unbekannten Gefilden. Statt zu singen, spricht er Teile von "Kiss Goodbye". Das ist überflüssig, aber immerhin reißt der packende Refrain den Fehltritt wieder raus.

Beim Rausschmeißer von "Gotta Be Me" sorgt Cody Johnson mit seiner Stimme dann noch einmal für Gänsehaut. Dass beim akustischen Gospelsong "I Can't Even Walk (Without You Holding My Hand)" auch noch seine Eltern Carl und Sheila Johnson mitsingen, rundet das harmonische Finale ab.

Fazit: Vom texanischen Independent-Sänger zum Star in Nashville? Auf jeden Fall liefert Cody Johnson mit "Gotta Be Me" ein Album ab, dass seine Karriere wieder einen großen Schritt weiter nach vorne bringen wird.

Label: CoJo (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 5. August 2016
01 Gotta Be Me
02 Grass Stains
03 With You I Am
04 Half A Song
05 The Only One I Know (Cowboy Life)
06 Walk Away
07 Kiss Goodbye
08 Chain Drinkin'
09 Wild As You
10 I Know My Way Back (Clara's Song)
11 Billy's Brother
12 Every Scar Has a Story
13 I Ain't Going Nowhere Baby
14 I Can't Even Walk (Without You Holding My Hand)

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