Brantley Gilbert

Brantley Gilbert gehört zu den angesagtesten Stars der aktuellen Country-Szene - und zu den umstrittensten. Im November 2015 gastiert der Sänger mit dem Biker-Image zum zweiten Mal auf deutschen Bühnen. Wir sprachen mit ihm über die Tour, musikalischen Vorlieben und deutsche Autobahnen.

Wer nur von seiner Musik, von Fotos und Videos kennt, wird über den freundlichen Zeitgenossen am Telefon überrascht sein. Die gute Laune und Höflichkeit, die Brantley Gilbert über den Atlantik schickt, mag so gar nicht recht zu seinem finsteren, latent gewaltbereiten Image passen. Andererseits: Er hat auch gute Gründe für ein Stimmungshoch. Sein aktuelles Country-Nummer-Eins-Album "Just As I Am", die Nummer-Eins-Hits "Bottoms Up" und "One Hell of An Amen" sowie CMA- und ACM-Awards bestätigen seinen aktuellen Stellenwert in der aktuellen Country-Szene. Ein Erfolg, den er nicht alleine für sich in Anspruch nimmt: "Das geht nur in Teamwork", dröhnt es fröhlich mit breitem Südstaaten-Slang aus der Telefonmuschel, "und ich habe das beste Team der Welt. Jeder einzelne arbeitet jeden Tag genauso hart wie ich." Zwischen 40 und 50 Leute zählt der 30-Jährige aus Jefferson, Georgia, zum harten Kern seiner Crew. "Viele von ihnen kenne ich schon mein ganzes Leben lang. Sie passen auf mich auf - und ich auf sie."

Auch mit seiner Tourband verbindet den bekennenden Biker und Waffennarr eine lange Zusammenarbeit. Mit einigen ist er bereits seit rund zehn Jahren auf Achse. Für ihn die ideale Situation. Denn so bringt er Solo-Karriere und Bandfeeling unter einen Hut. Brantley Gilbert: "Manches mache ich ohne meine Band, zum Beispiel Promotion und Radiotourneen. Wenn wir aber auf der Bühne stehen sind wir eine echte Band ¬- und die restliche Zeit sind wir eine Familie." Dieses "Best-of-Both-Worlds" komme seinem Charakter sehr entgegen. Denn einerseits sei er ein einsamer Wolf, andererseits ein echter Teamplayer. "Ich bin unkonventionell", sagt er. Wohl nicht nur in dieser Beziehung ...

Auch musikalisch lässt sich Gilbert nicht einnorden. Er passt weder so richtig in die Country- noch in die Southern-Rock- oder Rock-Schublade. Das wurde kürzlich auch deutlich, als er sich für den Fernsehsender CMT und deren "Crossroads"-Serie eine Band für eine gemeinsame Show wünschen durfte. Er musste dabei nicht lange überlegen: Lynyrd Skynyrd. Nicht nur, weil die legendären Southern-Rocker wie er aus Georgia stammen, sondern weil sie schon immer seine Lieblingsband waren. Alleine, dass er sie kennenlernen durfte, war für ihn "unglaublich". Dass er dann aber eine ganze Show mit Johnny Van Zandt, Gary Rossington und Co. spielen konnte, war für ihn kaum zu toppen. "Es war eine große Ehre für mich. Und ein wahnsinniger Spaß", sagt er. Auf den Kommentar, dass seine Stimme sehr gut zu dem harten Rock von Lynyrd Skynyrd passe, reagierte er euphorisch: "Hey man, du kannst mir kein größeres Kompliment machen. Vielen Dank dafür!" Sympathisch. Und bescheiden ...

Im November 2015 wird Brantley Gilbert für drei Shows nach Deutschland kommen. Es ist - innerhalb eines Jahres ¬- seine zweite Konzertreise durch hiesige Gefilde. Obwohl die Hallen, verglichen mit seinen Konzerten in den USA, um ein vielfaches kleiner sind, freut sich Gilbert sehr auf den neuerlichen Deutschland-Trip. "Ich toure hier wahnsinnig gerne", sagt er, "es ist einfach überwältigend zu sehen, dass die Leute meine Musik kennen und die Texte sogar mitsingen. Darauf war ich nicht vorbereitet, das hat mich umgehauen. Auch, dass mich die Menschen mit offenen Armen empfangen." Dass die Locations intim und viel eher Clubs als Arenen sind, stört ihn nicht keineswegs. Im Gegenteil: "Es ist ein Back-to-the-Roots, ein gutes Gefühl. Das lässt einen demütig werden. Meine Jungs in der Band sehen das genauso." Von seiner letzten Deutschland-Tour hat Gilbert viele positive Erinnerungen mit heim nach Georgia genommen: das Essen, die Kultur, die Landschaft. "Es ist ein schönes Land", sagt er. Und dazu ein Land ohne Speed-Limit auf den Autobahnen. "Ja, das ist klasse", schwärmt er, da er alles was Räder und starke Motoren hat, liebe. Bei der letzten Deutschland-Tour hat er schon überlegt, sich einen "der schnellsten BMWs" auszuleihen, um damit über deutsche Highways zu heizen. "Aber ich würde es vielleicht übertreiben", lacht er, "doch irgendwann mache ich das, das steht fest."

Wenn es nach ihm geht, werde er in den letzten Jahren noch öfters durch Deutschland touren. Ziel ist: hier und in ganz Europa eine Fanbase aufzubauen. Das gehe nur über regelmäßiges Touren - auch wenn er dabei kurzfristig finanziell draufzahle. "Weißt du", sagt er, "ich war früher ganz schön lange pleite, als es mit der Musik noch nicht so funktioniert hat. Jetzt aber läuft es gut, und wir können es uns erlauben, nach Deutschland zu kommen." Er dürfte mit seinem Masterplan in Deutschland Fuß zu fassen, gute Chancen haben. Auch, weil er musikalisch nicht nur Countryklänge anzubieten hat. Titel wie "Kick It In The Sticks" weisen ihn doch glatt als Musiker aus, der selbst lupenreinen Metal im Portfolio hat. "Stimmt", lacht er, "das haben viele Radiostationen gesagt, als wir die Single veröffentlich haben. Aber: kein Problem für mich. Ich mag Country mit Kick!" Dass Country heute aber eher eine Einstellung als eine Musikrichtung sei, lässt er nicht gelten: "Das geht zu weit. Country hat sich einfach in verschiedene Richtungen entwickelt. Heute gibt es sogar schon mehrere Genres innerhalb der Country Music. Es haben sich viele Türen für viele verschiedene Musiker geöffnet, da ist für jeden etwas dabei."

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