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Earl und Louise Scruggs pflegten eine Geschäftsbeziehung, die ein halbes Jahrhundert dauerte und - noch wichtiger - sie hatten eine Liebesbeziehung, die ihr ganzes Leben lang dauerte. Es war eine Partnerschaft, die sich zu einer der kreativsten und erfolgreichsten Künstler-Manager-Beziehungen entwickelte, die es jemals in der Musikbranche gab. In der Tat spielte Louise eine so herausragende Rolle in der Karriere ihres Ehemanns, dass die Einrichtung Country Music Hall of Fame® and Museum sie zu einem wichtigen Teil ihrer Ausstellung “Der Banjo-Spieler: Die musikalische Reise von Earl Scruggs" machte, die im März 2005 eröffnet wurde und bis Juni 2006 lief. Die Ausstellung zeichnete Earls musikalische Reise nach und spiegelte dabei auch Louises Einfluss auf seine Karriere wider, die begann, als sie 1955 das Booking für die legendären Flatt & Scruggs übernahm.

“Er machte sich bereit, eines Tages zu gehen", sagte Louise über ihren fast zufälligen Einstieg ins Musikgeschäft. “Er hatte es eilig. Er hatte einen Namen auf einem Notizblock stehen und sagte “Hier ist ein Typ aus Virginia. Könntest du ihn anrufen und schauen, ob du diesen Termin festlegen kannst?” Also nahm ich den Block, rief den Typen an und buchte den Termin. Als er am Abend nach Hause kam, sagte ich: “Ich habe den Termin für dich ausgemacht. Hast du noch mehr Anrufe, die ich für dich erledigen soll?” Er antwortete: “Ja, hab´ ich.”"So begann eine jahrzehntelange Partnerschaft und eine perfekte Beziehung: Earl war ein musikalischer Visionär und Louise war eine Visionärin bei der Vermarktung der Musik ihres Ehemanns. “Sie ist die beste Managerin, die ich jemals erlebt habe", so Earl. “Es ist nicht schwer mit ihr auszukommen, aber sie mag es, wenn man sich um die Dinge kümmert. Darum geht es ihr - sich um das Geschäft zu kümmern." Aber Louise tat mehr, als sich um das Geschäft zu kümmern; sie schuf neue Möglichkeiten für ihren Ehemann. Sie trug zur Entwicklung und Förderung des Martha-White-Sponsorings bei, wodurch Scruggs und sein Partner Lester Flatt einem nationalen Publikum vorgestellt wurden, und erkannte die Folk-Bewegung der späten 50er Jahre als eine Möglichkeit, die Musik ihres Ehemanns einer völlig neuen Bevölkerungsschicht nahe zu bringen.

“Sie warb für Flatt & Scruggs weit über die Bluegrass-Fans und traditionellen Country-Fans hinaus", erzählt Mick Buck, Direktor der Sammlungen der Country Music Hall of Fame® and Museum. “Als die Folk-Musik der späten 50er und frühen 60er boomte, reagierten viele College-Studenten auf die Musik von Flatt & Scruggs, insbesondere auf Earls Banjospiel. Sie nahmen sein Banjospiel als eine Verbindung zu älteren, traditionelleren Musikformen wahr. Louise war sich darüber bewusst und spielte eine wesentliche Rolle dabei, als Earl 1959 beim Newport Folk Festival als Solokünstler engagiert wurde."

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Außerdem hatte Louise einen sicheren Instinkt. Beispielsweise überwand sie ihr anfängliches Zögern, als man Flatt & Scruggs bat, die Titelmusik für die TV-Serie "The Beverly Hillbillies" aus den 60ern zu machen. “Ich lehnte ab, als sie das erste Mal wegen der Titelmusik an mich herantraten, und zwar wegen des Wortes Hillbilly (Hinterwäldler)”, erinnert sie sich. “Ich habe Filme gesehen, in denen Südstaatler als Analphabeten mit einem starken Akzent dargestellt wurden, den ich hasste.

(Paul) Henning, der das Drehbuch der Serie schrieb und Regie führte, sagte mir, dass er mir, wenn ich so besorgt wäre, die Pilotfolge zusenden würde, damit ich sie mir anschauen könnte, was er dann auch tat. Wir sahen sie und dachten, dass sie ziemlich gut war." Der musikalische Beitrag des Duos zur Show funktionierte so gut, dass Louise einen nächsten Schritt als ganz natürlich ansah. “Ich dachte mir, es könnte einfach eine Megaplatte werden", so Louise. “Ich rief also ihren Produzenten Don Law an und er war auch der Meinung, dass es eine gute Idee sei." Das Ergebnis war ein Smash-Hit der Countrymusik: ”The Ballad of Jed Clampett." D.J. McLachlan, der Louise fast 30 Jahre lang dabei unterstützt hat, Earls Karriere zu lenken, sagte, dass er glaube, dass die Scruggs so erfolgreich waren, weil sie aus demselben Holz geschnitzt sind. “Er ist ein ultimativer Erschaffer und sie ist es auch", sagt McLachlan. “Er kreiert und erforscht, und sie findet und teilt neue Ideen, wo seine Musik sich hinbewegen kann.

Sie wusste immer, dass er ein internationaler Star war und dass seine Musik Grenzen und Schranken überwinden würde. Während andere Bluegrass-Bands sich noch den Kopf darüber zerbrachen, in welcher High School sie demnächst spielen werden, plante Louise schon ein Konzert ihres Ehemanns in der Carnegie Hall." Diese Partnerschaft, die durch die Scruggs geformt wurde, verhalf ihm nicht nur zu einer erfolgreichen Karriere, die nun schon seit 50 Jahren andauert, sondern war bemerkenswerterweise auch frei von Streitigkeiten. “Es ist nicht schwierig, mit ihm zu arbeiten", erzählte Louise mit einem Grinsen. “Zu sehen, dass Earl von der öffentlichkeit akzeptiert wird, ist die größte Belohnung in meiner Karriere. Jeder liebt ihn und seine Fans schätzen ihn sehr. Er genießt es ebenfalls und das ist großartig."

“Wir hatten eine Liebesbeziehung, die andauerte und sich seit unserer Hochzeit beständig weiterentwickelt hat”, fügte Earl hinzu.

Louise Scruggs verstarb am 2. Februar 2006, im Alter von 78 Jahren, an den Folgen einer Atemwegserkrankung.

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