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Bis vor kurzem widerstand Brad Paisley wiederholten Anregungen, seine Konzerte mit High-Tech-Mätzchen aufzupeppen. Als junger, aufstrebender Künstler machte er sich Sorgen, dass Glamour die Verbindung zwischen ihm und seinem Publikum überfordern könnte. Er wollte, dass die Zuhörer sein zunehmendes Repertoire an Songs kennen lernen, und damit auch ihn selbst. Er wollte nicht, dass seine Show schneller wächst als er selbst.

Und die Strategie funktionierte auch. Fans, die den jungen Mann aus West Virginia zum ersten Mal auf der Bühne erlebten, begriffen, dass sie einen ungewöhnlich vielseitig talentierten Künstler vor sich hatten. Er sang gut und sah gut aus, sicher. Aber er spielte auch wie ein Gitarrengott und schrieb unverwechselbare Songs mit einer großen stilistischen Bandbreite. Die Songs enthüllten eine geistreiche, blitzgescheite Persönlichkeit, die gleichzeitig bodenständig geblieben ist. Paisleys Shows erreichten die Fans durch pfiffige Späße und ein lockeres, souveränes Auftreten, das jeden mitriss.

Mit fünf Nummer-Eins-Hits, vier Mehrfach-Platin-Alben und mehr als 6 Millionen Umsatz war es jedoch an der Zeit, einen Gang höher zu schalten. Für die "Time Well Wasted" Tour mit Sara Evans und Special Guest Josh Turner brachte Paisley den Glamour, die technischen Spielereien und den High-Tech-Pomp mit. Die Massen waren bereits da und fieberten ihm entgegen. Sie sollten nun mehr für ihr Geld geboten bekommen.

"Die Zuschauermenge war groß genug, so dass sie eine Investition in das, was wir tun, rechtfertigte", meinte Brad Paisley, während er sich an einem seiner seltenen freien Tage auf seiner Farm in Franklin, Tennessee, entspannte. "Also haben wir den Sprung ins kalte Wasser gewagt und es stellt sich als gute Entscheidung heraus, denn es wurde sowohl für das Publikum als auch für uns zu einer noch angenehmeren Erfahrung."

Für einen so entspannten Typen ist Brad Paisley ungewöhnlich offen für Neuerungen. Er wollte seine Show nicht einfach durch mehr Feuerwerk, mehr Leinwände, größere Bühnen und eine ausgefallenere Beleuchtung verändern. Er wollte etwas tun, was ihn unverwechselbar macht.

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So entwarf er persönlich einen Cartoon, der während der Aufführung des Instrumentalstücks "Time Warp" jedes Bandmitglied zum Leben erweckt. Alison Krauss erscheint während "Whiskey Lullaby" magisch auf der Leinwand und Little Jimmy Dickens besucht die Show über Satellit. Auch Paisleys Website erscheint jede Nacht auf der Breitband-Leinwand, um die Ergebnisse eines Online-Wettbewerbs anzuzeigen, bei dem ein Song aus seinem Repertoire ausgewählt wird, den die Band singt.

"Durch den Song-Contest wird die Show jeden Abend anders", sagte Paisley, "und das macht den Fans und uns Spaß".

Für den Cartoon schreibt Paisley sein eigenes Script und verwendet die Software Toon Boom für die Animation. "Das war eine Herausforderung für mich", so Paisley. "Dadurch hatte ich auf langen Flügen etwas zu tun".

Er tut so, als ob Animation zu lernen keine große Sache sei, was eine Menge über Paisley aussagt. Viele junge Künstler klopfen sich selbst auf die Schulter und verlangen Aufmerksamkeit für jede Leistung. Paisley dagegen lächelt höflich und lässt die Arbeit für sich selbst sprechen. Diejenigen, die herausfinden, dass er ein viel beschäftigter Künstler ist, dessen Werdegang alle Kunstebenen umfasst, tun dies ohne sein Zutun.

Es ist auch aufschlussreich zu beobachten, wo in seiner Show er den Cartoon verwendet. ""Time Warp" ist ein langes, schnelles Instrumentalstück, das ohne den Cartoon vielleicht für die Menge nicht so unterhaltsam wäre", meinte Paisley. "Es ist die Art von Song, die Musiker und Musikfreaks zu schätzen wissen, und der Cartoon macht ihn hoffentlich auch für die unterhaltsam, die sonst während eines Instrumentalstücks unruhig werden."

Auf der anderen Seite weiß Paisley, dass manche Fans den hinzugekommenen Bühnenpomp falsch auffassen könnten. Das Hinzufügen eines Instrumentalstücks ist eine seiner Arten, diese Fans zu erreichen.

"Es gibt da draußen musikalische Puristen, denen das Feuerwerk und die anderen Unterhaltungselemente vielleicht nicht gefallen, aber wir verflechten sie auf sehr spielerische und musikalische Weise mit den Songs", sagte er. "Das ist also der Trick, den wir versuchen anzuwenden. Wir hoffen, dass das Yin und Yang der Show jedem auf einer gewissen Ebene Unterhaltung bietet. Es scheint zu funktionieren, dass wir sowohl den sehr kritischen als auch den leicht zufrieden zu stellenden Fans gefallen."

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In den vergangenen sechs Jahre gelang es Brad Paisley, sich stetig in die Herzen und ins Gedächtnis der Country-Fans zu stehlen, die ihn als bescheidenen und gleichzeitig vielschichtigen Künstler schätzen, der die traditionellen Wurzeln dieser Musik liebt und respektiert, aber auch Ideen für ihre Zukunft entwickelt.

Seine Entwicklung vom viel versprechenden Start über den aufstrebenden Star bis hin zum für Schlagzeilen sorgen, führenden Künstler des Genres kann in jedem Maße nachgewiesen werden, von der Radiospielzeit über die Albumverkäufe bis hin zum Konzertpublikum und Preisverleihungen. Kein anderer Country-Künstler konnte seine vier GRAMMY-Nominierungen in diesem Jahr überbieten, ebenso wenig seine sechs Nominierungen bei den CMA Awards 2005 , darunter seine erste Nominierung in der CMA-Elitekategorie "Entertainer of the Year", was ihm zum Künstler mit den meisten Nominierungen an diesem Abend machte.

In diesem Jahr wird alles sogar noch größer. Neben seiner Hittour, dem Platinalbum "Time Well Wasted" und seinem Bild auf dem Titel der April-Ausgabe der Zeitschrift "Vintage Guitar" konnte er mit "When I Get Where I'm Going" einen weiteren großen Hit landen, einem bewegenden, spirituellen Lied mit Harmonien von Dolly Parton, welche die Verbindung des Sängers mit der Country-Vergangenheit bestätigen und gleichzeitig dem Klang von heute Tiefe verleihen. Obgleich dies sein fünfter Nummer-Ein-Hit ist, ist es doch bezeichnend, dass viele der Songs in Paisleys bisheriger Laufbahn - "Alcohol", "Celebrity", "Whiskey Lullaby", "Little Moments" und "Me Neither" - es nicht bis an die Spitze der Charts geschafft haben, auch wenn sie noch jahrzehntelang wichtige Säulen der Country-Musik bleiben werden.

"Es scheint ein erhöhtes Bewusstsein zu geben", sagte Paisley mit typischer Untertreibung. "All diese Nominierungen bringen einen irgendwie in die Offensive. Man will ihnen jeden Abend gerecht werden. Das ist eine willkommene Art von Druck."

Er bestätigt auch, dass positiver Zuspruch ihn nur noch antreibt, härter zu arbeiten, um die Dinge am Laufen zu halten. "Ich denke, wir haben jetzt schon eine wirklich großartige Show", sagte er. "Das ist der meiste Spaß, den ich je auf der Bühne hatte, mal 10. Und trotzdem vergeht kein Abend, an dem ich mir keine Sorgen mache, ob Leute kommen werden. Man kann mir erzählen, alles sei ausverkauft, und ich mache mir trotzdem Sorgen, bis ich auf der Bühne stehe und es selbst sehe. Ich denke dann "Sie haben sich geirrt, sie kommen nicht, sie haben einen Fehler gemacht. Ich weiß nicht, was da los ist, aber es treibt mich an, jeden Abend mehr zu geben."

Ihm ist auch bewusst, dass er Teil einer neuen Country-Vorhut ist, die diese Musik mit endlosen Entwicklungsaussichten und -möglichkeiten ins 21. Jahrhundert bringt. Paisley sieht sich selbst als Teamplayer in einem Kreuzzug, der von der CMA angeführt wird, um der Nation und der Welt den universellen Reiz näher zu bringen, welcher der Countrymusic inne wohnt. Paisley lobt die zukunftsorientierten Fortschritte, die in den vergangenen Jahren beim CMA Music Festival und den CMA Awards gemacht wurden, und weist darauf hin, dass durch beide größere Aufmerksamkeit auf die Musik und ihre Starts gerichtet wurde. Er ist stolz darauf, im Juni bei diesem Festival aufzutreten.

"Es scheint, als ob momentan alles irgendwie leicht von der Hand geht", sagte er. "Die Musik fühlt sich lebendig an, und das gilt auch für das Geschäft um die Musik herum. Wir beschäftigen uns mit neuen Ideen und finden neue Wege, um die Musik den Leuten näher zu bringen, und die CMA ist zweifellos an der Spitze dieser Entwicklung. Country-Musik steht wirklich gut da und das sollte der CMA zugute gehalten werden. Es werden viele Schachzügen unternommen, die wirklich gut geplant und wirklich gut durchdacht sind."

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