Country-Ikone Brad Paisley erfüllte beim Münchener Tollwood-Festival alle Erwartungen
Nach Veröffentlichung seines Debütalbums "Who Needs Pictures" 1999 und danach steilem Verlauf seiner Karriere bis an die Spitze der Country-Welt, gehörte Brad Paisley für viele Jahre unabdingbar dort hin. Wer in dieser Zeit aufwuchs oder lebte, weiß, dass seine Hits, wie "Mud on the Tires" oder "Me Neither" das Radio füllten und einfach zum Leben gehörten.
Ab 2008 sah man Brad Paisley als Co-Host der CMA Awards an der Seite von Carrie Underwood oder später auch als Schauspieler in der Serie "Nashville".
Leben mit der Notlösung
Mit dem ursprünglich angekündigten Jake Worthington hätte man einen Opener gehabt, der dem Anlass entsprochen hätte. Einen derzeit angesagten Songschreiber aus Texas, der sich eben am klassischen Sound der 80er und 90er Jahre orientiert. Dass dieser nun aus persönlichen Gründen für eine bestimmte Zeit alle Auftritte abgesagt hat und darunter leider auch das aktuelle Konzert fällt, ist absolutes Pech. Bestimmt war Jake Worthington für einige wirkliche Country-Kenner ein Anreiz, sich ein Ticket für München zu kaufen.
Der deutsche Sänger, Gitarrist und Songschreiber T.G. Copperfield aus der Oberpfalz sprang kurzfristig ein. Seine Blues-, Rock- und Americana-Darbietung war astrein. Doch eben kein Country.
Womit überzeugte Brad Paisley in München?
Schon immer zeigte sich Brad Paisley voller Hingabe auch als außergewöhnlicher Country-Rock-Gitarrist. Diesen hohen Standard durfte auch das Publikum beim Tollwood Sommerfestival erleben.
Irgendwie ist der Sänger ja auch der "typische" Amerikaner. Sein Patriotismus spiegelt sich ohne Aufdringlichkeit in seinen Songs.
Seine Telecaster-Künste und die blitzschnellen Soli, die unglaubliche Beherrschung seines Instruments lassen immer wieder staunen, strengen jedoch irgendwann auch an.
Die Menschen, die gekommen waren, um die Hits des US-Stars zu hören, wurden in der Reihe bedient, niemand darf sagen, Brad Paisley beherrscht nicht sein Geschäft. Dazu gehört auch, auf das Publikum einzugehen, zu plaudern, Hüte zu signieren und am Ende – natürlich – zwei Zugaben ("Mona Lisa" und "Alcohol") zu spielen.
Der eigentliche Star des Abends kommt aus Franken
Für alle, die bewusst gekommen waren, um Brad Paisley bei seinem einzigen Deutschland-Konzert zu hören, dürfte es bestimmt ein gutes Erlebnis gewesen sein. Für einen davon jedoch, wurde es zum Ereignis seines Lebens. Denn er wurde gestern Abend selbst zum Star. Ralf Lohnert aus Forchheim traute sich etwas, das zeigt, dass es sich manchmal lohnen kann, verrückte Dinge zu wagen.
Gemeinsam mit seiner Partnerin Alexandra Gößwein spielt er im Country-Duo High Risk. Gestern waren beide zunächst "einfach nur" als Fans beim Konzert von Brad Paisley und dachten sich, so erzählte er hinterher, wenn sie es in die erste Reihe schaffen würden, könne man sich vielleicht doch vorher mal Schilder mit der Aufschrift "I Want to Sing a Song with You" machen. Was soll schon passieren? Naja, es kann passieren, dass Brad Paisley das wörtlich nimmt, fragt, welchen Song er singen möchte, man sich auf "We Danced" einigt und ein Sänger aus Franken mit Selbstsicherheit und fehlerfrei einen Sound hinlegt, der dem Publikum in der Arena den Atem stocken lässt. Damit hatte niemand gerechnet und es sind die Momente, die ein Live-Konzert ausmachen.
Brad Paisley zeigte im Rahmen seiner "Truck Still Works World Tour" auf dem Tollwood-Festival, dass der Country-Sound der späten 80er und 90er Jahre heute noch immer oder vielmehr wieder präsent ist. Wer möchte kann ihn noch in der Schweiz erleben. Der Termin und viele Konzerte weiterer Künstler findet man in unseren Terminkalender.









