Jordan Davis - Jordan Davis (EP)

CD Cover: Jordan Davis - Jordan Davis

Jordan Davis steht beispielhaft für das heutige Nashville und den Country-Sound Anno 2020. Das beweist er auch auf seiner aktuellen EP "Almost Maybes".

Zu lange sollte man nicht von der Bildfläche verschwinden. Das weiß natürlich auch Jordan Davis, der 32-jährige Sänger und Songschreiber aus Shreveport, Louisiana. 2018 betrat der Mann mit dem imposanten Wuschelbart die Bühne, "Home State" hieß sein Debüt-Album, das es aus dem Stand bis auf Platz sechs der US-Country-Charts schaffte (Platz 47 der Pop-Hitparade). Der Longplayer war nicht nur Jordan Davis' Eintrittskarte in den erlauchten Zirkel der Country-Stars, die CD warf dazu auch noch drei Singles ab, die es alle in die Top 10 der Country-Charts schafften. Kurzum: Der Start in die Country-Karriere ist ihm geglückt.

Starke Melodien, schlaue Texte: "Almost Maybes"

Jetzt heißt es, die nächste Sprosse der berühmten Erfolgsleiter zu erklimmen. Anstatt eines Albums bedient er sich, wie derzeit so viele seiner Kollegen und Kolleginnen, einer EP: "Almost Maybes" heißt die Kollektion von sechs neuen Songs - und sie bieten erneut jenen Sound, der Nashville zum Hotspot der amerikanischen Musikindustrie macht: ein Crossover verschiedener Stilrichtungen - einschmeichelnde Melodien und gute Laune inklusive.

Doch was hilft die beste Komposition, der geistreichste Text, wenn es an der Interpretation mangelt? Richtig, nichts. Es steht und fällt nun einmal mit dem Sänger oder der Sängerin. Im Falle von Jordan Davis, dessen Onkel Stan Paul Davis übrigens ein paar Hits für Tracey Lawrence schrieb, sieht es in dieser Beziehung gut aus. Sehr gut sogar. Der bullige Kerl mit der Waldschrat-Gesichtsbehaarung verfügt über eine erstaunlich sanfte und einschmeichelnde Stimme. Ein Organ, wie geschaffen für Schmusebären oder - wahlweise - liebeskranke Kater. Aber auch für Songs, die vor allem unterhalten und für gute Laune sorgen wollen. Titel wie der Opener, Titeltrack und Single-Auskopplung "Almost Maybes".

Jordan Davis gelingt ein perfektes Country-Pop-Crossover

Davis hat den mit Retro-Touch und Karibik-Flair aufgeladenen Track gemeinsam mit Hillary Lindsey und Jesse Frasure geschrieben und behandelt eine interessante Frage: Was wäre, wenn ich bei meiner Ex (oder meinem Ex) geblieben wäre? Wie wäre mein Leben mit diesem anderen Menschen verlaufen? Eine schon fast existenzialistische Betrachtung - in bekömmliche Klänge verpackt.

Auch in den weiteren Tracks überrascht Davis mit originellen Songtiteln und Inhalten. Oder anders gesagt: Er findet neue und ungewöhnliche Bilder, um die eher üblichen Geschichten zu erzählen. Das gilt sowohl für das gemächlich nachdenkliche "Church in a Chevy", für das witzige, mit einem schönen Slide-Gitarren-Solo versehenen "Ruin My Weekend" und auch für "A Little Lime" - die kleine Zitrone gehört natürlich zu einem Drink und der Drink zu einer hübschen Lady. Ein Flirt-Song, aber mal etwas anders.

Musikalisch hat Jordan Davis bei den meisten der sechs Songs von "Almost Maybes" eine ausgewogene Mischung aus hippen Sounds und bodenständigem Feeling gefunden. Eine hitverdächtige Mixtur, auf die er nur bei dem Track "Detours" nicht setzt. Der persönlichste Titel der EP ist gleichzeitig auch der ruhigste. Im Intro und in der ersten Strophe ist Jordan Davis sogar nur gemeinsam mit einer Akustik-Gitarre zu hören. Eine musikalische Umgebung, die die zu seiner Lagerfeuer-tauglichen Stimme ausgezeichnet passt. Ab dem Refrain nimmt der Song, in dem er davon erzählt, sich zu verlieren, mehr Fahrt auf und mausert sich zu einem gemäßigten Folk-Rock-Track.

Für den Ausklang der EP sorgt "Cool Anymore", bei dem er wieder auf das bewährte Country-Pop-Rezept schwört - und bei dem er mit Julia Michaels einen zugkräftigen Pop-Star als Gast präsentiert. Cleverer Schachzug. Somit dürften Top-Platzierungen sowohl in den Country- als auch in den Pop-Charts so gut wie sicher sein.

Fazit:Jordan Davis gelingt mit der EP "Almost Maybe" erneut ein ziemlich perfektes Crossover aus Pop und modernem Country.

Label: MCA Nashville (Universal) VÖ: 22. Mai 2020
01 Almost Maybes
02 Church In A Chevy
03 Ruin My Weekend
04 A Little Lime
05 Detours
06 Cool Anymore (mit Julia Michaels)

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