Daryle Singletary - There's Still a Little Country Left

CD Cover: Daryle Singletary - There's Still a Little Country Left

Was tut das doch gut! Bei all den Kontroversen um Bro-Country und Ameripolitan Music kommt völlig entspannt Daryle Singletary mit seinem neuen Album daher und schafft mit diesem irgendwie, wenngleich vielleicht ungeahnt, wieder klare Struktur. Denn unter Anwendung der Klarheit muss man sagen, er ist wahrscheinlich wirklich einer der wenigen letzten Retter der "guten alten Zeiten" für solche, die diese einfach lieben und ihre Musik im heute noch hören möchten.

Ein weiteres umfassendes Werk, wie bereits seine vorherigen fünf Alben. Nichts Wesentliches wurde verändert. Warum auch? Das Konzept passt. Der Inhalt vieler Begegnungen und Geschichten. Der mittlerweile vierfache Vater baut auf Beständigkeit. Im Leben und in seiner Arbeit.

Was in den 90ern perfekt klang, wird auch weiter in seiner ganzen Schönheit genutzt. Eine Steel Guitar in ihrer Klarheit, eine Fiddle muss sein, Technik wird zurück geschraubt. Country Music muss anwendbar bleiben, tanzbar, fühlbar. Erfolg kann man ein Stück weit auch lernen, indem man auf Berater hört. Die nämlich hatten dem Künstler ebenfalls geraten, keine Veränderungen herbeizuzwingen. So auch sein deutsches Plattenlabel AGR Television Records.

Es werden alte Strategien nicht gebrochen und auch bei ""There's Still A Little Country Left" eigentlich nicht nur ein bisschen Country belassen, sondern die volle Dosis, wie es die Gewohnheit hergibt. Gezielt werden auch textlich alle Werte, wie Familie und Ehre, in die Songtexte einbezogen. Brav, amerikanisch und den Gedanken der Beständigkeit stets aktivierend. Der Anteil der Balladen ist perfekt gemischt mit den etwas flotteren und leichten Melodien. Jedoch immer gediegen, denn wir wissen ja, dass Daryle Singletary niemals zum Showman mutieren würde. Posthum enthält das Album als Bonus-Track ein Duett mit dem 2003 verstorbenen Johnny Paycheck. "I'm The Only Hell My Mama Ever Raised" ist ein Meisterstück, welches aufzeigt, wie Country Music im Stil der alten Schule zu klingen hat. Mit Fiddle-Gewalt und zwei Stimmen, die keinen Zweifel daran lassen, dass hier Männer und keine Jungs dahinter stehen.

Eigentlich kann man getrost alle Lieder dieser Scheibe mit sämtlichen anderen Daryl Singletarys zuvor in Endlosschleife hören. Seine Ausorientierung ist klar immer die, den Hörer mitzunehmen in eine noch heile Welt ohne Spannungen.

Schon die ausgekoppelte Single "There's Still A Little Country Left" ist eine klare Stellungnahme für das, was am Ende damit repräsentiert wird. Geschrieben wurde dieser Song im Übrigen von Trent Willmon, selbst erfolgreicher Musiker und Songwriter unter anderem für Little Big Town, Brad Paisley, Eric Church oder Randy Houser.

Der Stellenwert Daryle Singletarys lässt sich des Weiteren daran messen, dass bereits in der Vergangenheit Größen wie Rhonda Vincent als Duett-Partner an seiner Seite standen und nun Weltstar Vince Gill scheinbar mal eben so als Background Vocalist aufscheint. "Say Hello to Heaven" ist vielleicht der ergreifendste Song des Gesamtwerks. Er erzählt von Vergebung, Trauer und dem Glauben an Jesus.

Irgendwie ist "There's Still A Little Country Left" ein kleiner Hoffnungsträger in dieser doch verrockten Musikwelt. Denn auch wenn man sich mit den modernen Klängen inzischen arrangiert hat, kommt beim Hören dieses Albums doch mit der Sekunde das Gefühl des "Echten" zurück.

Fazit: Wer alle anderen Alben des Sängers bereits im Schrank bzw. immer wieder im Player hat, kann dieses ohne vorheriges Prüfen bedenkenlos kaufen. Er wird damit nichts falsch machen.

Label: AGR Television (Soulfood) VÖ: 27. März 2015

  • Titelliste

01 Get Out of My Country 07 Enough to Lie to Me
02 Say Hello to Heaven 08 Wanna Be That Feeling
03 Sunday Mornin' Kind of Town 09 Too Late to Save the World
04 Spilled Whiskey 10 There's Still a Little Country Left
05 Like Family 11 The Only Hell My Mama Ever Raised (Bonus Track) (mit Johnny Paycheck)
06 So Much Different Than Before


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