Lisa Marie Fischer - Holding On

CD Cover: Lisa Marie Fischer - Holding On

Schon das Cover macht deutlich: Lisa Marie Fischer ist erwachsen geworden. Aus dem niedlichen Backfisch ist eine junge, selbstbewusste Lady geworden. Der Blick: cool. Das Make-Up: gerade noch dezent. Die Ausstrahlung: sexy. Und die Musik? Pop? Oder nach wie vor der Blumenmädchen-Folk der beiden Vorgänger-Alben? Gemach, gemach, so einfach ist das nicht...

Wobei ... Nimmt man den Opener "Wanna Make It Last", dann ist doch eigentlich alles klar. Frau Fischer aus Marburg, mittlerweile 23 Jahre alt, vertauscht die brave Akustik-Klampfe mit der wilden Stromgitarre - um anstatt ruhigen Folk, fetzigen Country-Rock zu machen. Was Taylor Swift kann, kann sie auch. Und so hübsch blond ist sie ja auch fast wie der amerikanische Superstar.

Ehrlich gesagt, würde man Taylor Swift fast einen so starken Country-Rocker wie den erwähnten Opener wünschen. Die Melodie ist zwingend, der Groove ziemlich unwiderstehlich. Gesanglich fehlt in manchen Zeilen vielleicht noch der letzte Wille zur Country-Rockerin, da bleibt die Stimme etwas dünn und verletzlich. Egal, Song und Auftakt gelingen. Je länger der Song aus den Boxen dröhnt, desto deutlicher wird auch die Veränderung bei Sängerin und Sound: alles größer, opulenter, druckvoller.

Doch wie gesagt, ganz so einfach ist das nicht mit Lisa Marie Fischer und ihrem neuen Album. Schon beim zweiten Titel "Just Go" macht sie deutlich, dass sie keinesfalls alle verträumten und romantischen Folk-Seile gekappt hat - auch wenn der Song mit den niedlichen Harmonien mit einem recht aufwändigen Arrangement bedacht ist. Doch kein Vergleich mit dem nachfolgenden "Long Goodbye". Schon die ersten Takte lassen mit mächtig wummernder Orgel, Gospel-Chor, schneidender Slide-Gitarre und einem träge dahin schiebenden Dreivierteltakt aufhorchen. Der Titel geht als Retro-Gospel-Soul durch. Oder als diskrete Abwandlung der Beatles-, beziehungsweise Joe-Cocker-Hymne "With A Little Help From My Friends".

Bei "Your Girl" nimmt sie wieder den Fuß vom Gas. Anstatt der E-Gitarre gibt eine Mandoline den Ton an und bereitet den Boden für einen netten Folk-Pop-Song im Stile einer Andy McDowell. Wie schwer eine ruhige Folk-Ballade zu singen ist, wird bei "Holding On" deutlich. Durch diese süße, getragene Melodie - so der Eindruck - muss sich die Sängerin quälen. Die Stimme wankt und wackelt, erstaunlich, dass dies Produzent Mark Evitts durchgehen ließ. Vielleicht aber ist die ungeschminkte und dafür umso authentischere Darbietung durchaus gewünscht. Bei zwei Titeln übernimmt Jörn Heilbut (Ex "Jeremy Days") die Produktion: bei dem bereits erwähnten "Your Girl" und dem ganz im Pop angesiedelten "On My Own". Auch hier gibt sie gesanglich nicht gerade eine Top-Performance ab. Besser macht sie es bei dem mit starker Melodie versehenen Country-Pop-Track "Stuck On My Head" und der recht konventionellen Country-Ballade "Close My Eyes" - ein Highlight der CD. Das gilt auch für das melodiös und moderat rockende "Tennessee", bei dem sich Lisa Marie Fischer und ihr Duett Partner Justin Wilson gegenseitig ihre Lebensgeschichte erzählen.

Fazit: Mit 23 Jahren riskiert Lisa Marie Fischer eine erste Karriere-Korrektur - und tendiert von früheren Folk-Songs hin zum eingängigen Country-Pop. Nicht schlecht, aber mit Luft nach oben.

Label: Stevja (Soulfood) VÖ: 26. September 2014

  • Titelliste

01 Wanna Make It 08 Time Keeps Rolling On
02 Just Go 09 On My Own (Nashville Edition)
03 Long Goodbye 10 Stuck in My Head
04 Your Girl 11 Close My Eyes
05 Holding On 12 Tennessee (mit Justin Wilson)
06 Drinkin' 13 On My Own
07 One in a Million


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