Glenn Frey - After Hours

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Redaktionswertung Bewertung: 2,5 Sterne = OK
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Der Kreis schließt sich: Glenn Frey ist im "Hotel California" angekommen. Doch nicht als versnobter, verkokster Gast - wie 1976 von den Eagles großartig besungen, sondern als gediegener Barmusiker. Glenn Frey, Sänger, Gitarrist und Schöpfer von so zeitlosen Rock- und Pop-Hymnen wie "Lyin' Eyes" und "New Kid In Town" sitzt bei "After Hours" - zumindest auf einem Bookletfoto - hinterm Klavier und schwelgt in Barmusik. In traurig-schöner - vor allem aber deprimierend langweiliger Barmusik. Meine Güte, muss das sein, Herr Frey?

Selbstverständlich macht der Ober-Eagle das alles sehr, sehr gut. Er singt wie Sinatra, Bublé oder Connick, er phrasiert wie ein Weltmeister; interpretiert die Klassiker der Blauen Stunde perfekt. Kurz: aalglatt das alles. Aber das ist nicht mal der entscheidende Kritikpunkt. Glenn Frey ist schließlich alles andere als ein ausgebrannter, abgehalfterter Superstar. Er hat unter Garantie noch einiges zu bieten. Warum also auch noch von ihm eine Bar-Klassiker-Kollektion, die doch wirklich nun schon jeder - von Rod Stewart bis Diana Krall - eingesungen hat. Deshalb ist "After Hours" auch in etwa so notwendig, wie ein vierter Eagles-Gitarrist. Und, noch schlimmer, so kribbelnd, wie ein Synchron-Schwimm-Wettbewerb im Altersheim.

Okay, so mancher Track ist originell. Seine Interpretation von "Route 66" hat fast schon Schmackes. Nicht zuletzt, weil das zumeist agierende Jazz-Quartett hier von Pedal-Steel-Ass Greg Leisz verstärkt wird. Auch "Caroline, No", geschrieben von Beach-Boy und Songwriter-Genie Brian Wilson, überzeugt mit wunderbaren Melodiebögen, die Frey mit reichlich Resi-Schmelz in der Stimme butterweich ausschmückt. Ein Treffer ist immerhin auch das vergleichsweise sparsam arrangierte und einfach wirklich kreuztraurige "Same Girl", geschrieben vom großartigen Randy Newman. Nur Piano (Michael Thompson), Bass (Reggie McBride) und - das ist bei dieser CD obligat - jede Menge Streicher.

Neben weniger bekannten Jazz-Titel wie "My Buddy", "Here's to Life" und "I'm Getting Old Before My Time" (alleine diese Titel lassen auf eine massive Midlife Crisis schließen) streut Frey auch echte Evergreens des Genres ein. "The Shadow of Your Smile" (von Johnny Mandel) und, bei einer Bar- und Easy-Listening-CD unverzichtbar, "The Look of Love" vom großen Burt Bacharach. Klar, klasse Songs. Klasse interpretiert, doch...das wurde ja schon angesprochen.

Mit dem letzten Song und Titeltrack deutet der frischgebackene Barmusiker und Teilzeit-Adler Glenn Frey an, dass er nach wie vor zum Songschreiben taugt. Schade nur, dass er so wenig davon gebraucht macht.

Fazit: Ein Album, das vor allem eines schafft: es weckt die Sehnsucht nach einer neuen Eagles CD. Seine Spezis Joe Walsh und Don Henley werden sich über sein neues Album bestimmt köstlich amüsieren. Vielleicht schwofen sie ja dazu im "Hotel California"?

Label: Concorde (Universal) VÖ: 22. Juni 2012

  • Titelliste

01 For Sentimental Reasons 08 Caroline, No
02 My Buddy 09 The Look of Love
03 The Good Life 10 I'm Getting Old Before My Time
04 Route 66 11 Worried Mind
05 The Shadow of Your Smile 12 I Wanna Be Around
06 Here's to Life 13 Same Girl
07 It's Too Soon to Know 14 After Hours

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