John Mayer - Born and Raised

CD Cover: John Mayer - Born and Raised

"Born And Raised" ist das fünfte Studioalbum des 35jährigen Amerikaners. Schon die verschnörkelte, ganz auf Vintage und Nostalgie getrimmte Coveroptik deutet an: mehr Folk, mehr Akustikklänge; weniger Jazz und Pop. Und: der Eindruck trügt keineswegs.

 

Das ist eine höchst erfreuliche Entwicklung. Denn es hätte schließlich auch anders kommen können. Schließlich gewann der aus Connecticut stammende Berkley-Absolvent bereits in 2003 einen Grammy (für den Hit "Your Body Is A Wonderland"), seine ersten beiden Alben ("Room for Squares", "Heavier Things") erreichten Multi-Platin-Status. Keine Frage, ein echter Überflieger ...

Aber einer, dem offenbar Qualität vor Kommerz geht. Denn anstatt die poppige, nette Masche weiter zu spinnen, setzte der smarte Sänger, Songwriter und Gitarrist kompromisslos auf anspruchsvolle Songs und Arrangements. Auch wenn sich die nachfolgenden Alben nicht mehr in Millionenhöhe verkauften, avancierte er zu einem respektierten Musiker - mit dem sich Eric Clapton, Buddy Guy oder auch B.B. King gerne die Bühne teilten.

Nun also "Born And Raised". Um es kurz zu machen: Es ist John Mayers vielleicht beste, reifste, ausgefeilteste und rundeste Arbeit. Recht schnörkellos geht der Mann mit der leicht angerauten, charismatischen Stimme dabei zu Werke und vertraut dabei ganz auf die pure Schönheit seiner Lieder. Völlig zu Recht. Ganz im Stile eines Routiniers, eines alten Meisters serviert er herrlich eingängige Songs, denen es dennoch zu keinem Ton an Tiefgang mangelt. Man nehme nur den Titeltrack: Wer sich Neil Young gemeinsam mit zugekifften Little Feat vorstellen kann, bekommt eine Ahnung von dem extrem entspannten Titel.

Das Schöne dabei ist, dass  sich diese tiefenentspannte Grundhaltung wie ein roter Faden durch die Songs zieht: Ob im lupenreinen Folk ("Speak For Me"), im rührseligen Blues ("Something Like Olivia") oder in soulig eingefärbten Tracks (das an "People Get Ready" erinnernde "Love Is A Verb"). Wie kräftig das Singer/Songwriter-Talent in den letzten Jahren an künstlerischer Klasse zugelegt hat, belegt vor allem auch die Säufer-Ballade "Whiskey, Whiskey, Whiskey". Wie ein hellstimmiger Randy Newman beschreibt er in blumigen, niemals kitschigen Worten ein Trinkerschicksal; eingebettet in Harmonien, wie sie Van Morrison, Eric Clapton oder eben Randy Newman auch nicht besser erfinden könnten. Keine Frage, der Singer-Songwriter-Olymp ist um einen Gott reicher.

Fazit: Noch jung - aber reif an Erfahrung und reich an Talent. John Mayers neues Album ist zweifellos sein Bestes.

Label: Columbia (Sony) VÖ: 18. Mai 2012
01 Queen of California
02 The Age of Worry
03 Shadow Days
04 Speak For Me
05 Something Like Olivia
06 Born and Raised (mit David Crosby & Graham Nash)
07 If I Ever Get Around to Living
08 Love Is A Verb
09 Walt Grace's Submarine Test, January 1967
10 Whiskey, Whiskey, Whiskey
11 A Face to Call Home (mit Sara Watkins)
12 Born and Raised (Reprise)
vgw
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