Boland, Jason & The Stranglers Rancho Alto

CD Cover:  Jason Boland & The Stranglers - Rancho Alto
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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
Userwertung

In Schubladen stecken lassen sich (wahre) Künstler in der Regel alles andere als gern. Das mag damit zusammenhängen, dass eine Kategorisierung selten das gesamte musikalische Spektrum erfasst. Deshalb sind Acts hin und wieder bemüht, sich gleich einen eigenen Stempel aufzudrücken. Im Falle von Jason Boland & The Stragglers wäre dies dann die Einordnung "Twangy, Genuine Hardcore Texas Country". Das ist nah dran, doch auf dem neuen Rundling "Rancho Alto" lässt sich durchaus noch mehr finden.

Erfreute die Gruppe um den Sänger, Gitarristen und Hauptsongschreiber Jason Boland im zurückliegenden Jahr schon mit ihrer zweiten Live-Platte, gibt es jetzt wieder elf neue Stücke aus dem Studio, die in Austin, Texas, unter der bewährten Regie von Lloyd Maines eingespielt wurden. Dass es sich bei der 1999 gegründeten Band um ein eingespieltes Team handelt, wird schon beim Auftakt "Down Here In The Hole" deutlich. Hier passen Stimme und Musik inklusive eines ausgiebigen Fiddle-Solo einfach sehr gut zusammen.

Während der Opener noch flott-fröhlich und tanzbar daher galoppiert, kommen Freunde der Pedal Steel Guitar schon bei der zweiten Nummer, dem bedächtigen Waltz "Every Moment I'm Gone", zu ihrem Recht. Roger Ray schafft es, dem Song eine traurige Note zu verleihen - kein Wunder, dass der Pedal Steel-Spieler der Stragglers zu den Besten der Szene gezählt wird. Eine weinende Pedal Steel gibt es dazu noch einmal bei der Ballade "Obsessed", zu hören, bei der der ehemalige Alkoholiker Boland die Angst vor der Einsamkeit eindrucksvoll besingt.

Die Stimme von Boland kann sich dazu sehr gut hören lassen. Die Stücke wirken durch die Reihe sehr entspannt und klingen alles andere als angestrengt. Trotzdem sind Nummern wie "Between 11 and 2" oder das liebevolle "Mary Ellen's Greenhouse" trotz aller Relaxtheit weit davon entfernt, in der Belanglosigkeit unterzugehen. Grund dafür ist das Songwriting alter Schule, das den Hörer mitten in die kleinen Geschichten versetzt.

Doch zurück zu Bolands Stimme, die klingt in manchen Momenten - ganz besonders beim swamp-rockigen "Pushing Luck"-nach Johnny Van Zant, dem Frontmann von Lynyrd Skynyrd. Deshalb müsste der erfolgten Kategorisierung spätestens an dieser Stelle eine ordentliche Prise an Southernrock mit klassischem Outlaw-Flair hinzugefügt werden. Damit nicht genug - beim politischen und überaus gelungenen Finale "Farmer's Luck" erinnert sein temporärer Sprachgesang an eine saloppe Version von Charlie Daniels. Zudem dürfte sich mancher bei den Balladen an Merle Haggard erinnert fühlen.

Einer der einprägsamsten Songs der Platte ist von der im Jahr 1959 geschriebenen Ballade "Long Black Veil" beeinflusst. "False Accuser's Lament" bringt den Klassiker, der unter anderem von Johnny Cash oder der Dave Matthews Band interpretiert wurde, zu einem neuen Ende. Dabei wird die Geschichte nicht wie beim Original aus der Sicht des für einen Mord fälschlicherweise Angeklagten erzählt, sondern aus der Perspektive der Person, die vor Gericht die Falschaussage getätigt hat. Das zeugt nicht nur von viel Kreativität, sondern ist zugleich eine Referenz an die Country Music vergangener Tage. Im Gegensatz zur ernsten Thematik ist der Song einer der musikalisch heitersten der CD geworden. Gewagt und gewonnen!

Fazit: Viel mehr Country in knapp 50 Minuten geht kaum - abseits der oberen Chartregionen legen Boland und Co. ein bodenständiges und liebenswertes Album mit fast greifbarer Western-Atmosphäre hin.

Jason Boland
Label: Apex (in Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 4. Oktober 2011

  • Titelliste


01 Down Here In the Hole 07 Mary Ellen's Greenhouse
02 Every Moment I'm Gone 08 Obsessed
03 False Accuser's Lament 09 Woody's Road
04 Between 11-2 10 Forever Together Again
05 Pushing Luck 11 Farmer's Luck
06 Fences

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