Josh Thompson - Way Out Here

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Redaktionswertung Bewertung: 3 Sterne = OK
Userwertung

Bei den ersten Takten des Openers (und Single-Auskopplung) "Beer On The Table" fühlt man sich an Tim McGraw erinnert. An dessen frühen Hit "All I Want (Is A Life)". Wer den Song kennt (wer nicht?), kann damit erahnen, dass der Josh Thompson-Opener ein rockiger, melodiöser, energiegeladener Song sein dürfte. Stimmt. Und ähnlich wie die berühmte Vorlage gelingt es dem Newcomer mit seinem Major-Label-Debüt eine ähnlich emphatische, dennoch glaubwürdige Haltung einzunehmen. Alle Achtung, dieses Debüt-Album könnte interessant sein ...

Ist es auch. Leider aber erfüllt sich die hohe Erwartungshaltung, die der erste Song verspricht, nicht so ganz. Das liegt weniger an den ordentlichen Songs. Auch nicht an der soliden, rockigen Produktion von Michael Knox. Und schon gar nicht an der etwas näselnden, dafür aber höchst leidenschaftlichen Interpretationskunst des Country-Debütanten. Es ist mehr die Message, die der dunkelhaarige Pferdeschwanzträger unters Country-Volk bringen möchte. Die des verdammt lange und hart und ohne zu murrenden Arbeiters. Des mal etwas wilden, meist aber handzahmen Landeis - in der Linken das Bud, in der Rechten die Bibel. Das klingt etwas zu gewollt. Oder - wie im Titeltrack - einfach nur dämlich, wenn er da Weisheiten wie diese zum Besten gibt: "Our houses are protected by the good Lord and a gun. And you might meet 'em both if you show up here not welcome son." Aha ... Später dann, im gleichen Track, schmettert er im Refrain: "We're about John Wayne, Johnny Cash and John Deere." Auch wenn der von Thompson gemeinsam mit Casey Beathard und David Lee Murphy geschriebene Titel musikalisch mit erdigem Country-Rock zu punkten weiß, würde sich Johnny Cash bestimmt im Grabe umdrehen.

Dieser simple Redneck-Provinzdepp-Patriotismus zieht sich leider durch mehrere der zehn Titel. Das in akustischen, durchaus gefälligen Folk-Harmonien gehaltene "Sinner" ist davon genauso eingefärbt, wie das robuste "You Ain't Seen Country Yet". Immer diese Betonung auf: toughe Country-Boys und verweichlichte Städter. Wir gegen die. Während bei Merle Haggards dergleichen Statements - man denke nur an "Okie From Muskogee" - Charme und vieldeutigen Witz haben, wirkt das Weltbild von Josh Thompson oft genug nur verbittert.

Angeblich ist die ehemalige Sportskanone seinem Vater schon als Zwölfjähriger bei seinem harten Job als Betongießer zur Hand gegangen. Und auch als er nach Nashville zog, um es als Sänger und Songschreiber zu schaffen, habe er drei Tage die Woche noch im Beton-Business geschuftet. "Some nights I'd write songs until 2:30, get up at 6, splash some water on my face and do it again", steht es stolz in seiner Biografie. Man könnte jetzt böse sagen: Und so klingen diese Titel auch. Nach einem Mann, der sich erschöpft noch Harmonien und Textzeilen aus dem geschundenen Leib quält. Doch dem ist nicht so. Gemeinsam mit erfahrenen Co-Autoren, allen voran: David Lee Murphy, bietet er immerhin solide Country-Rock-Kost an.

Wenn er auch, wie schon erwähnt, in rockigen Songs als stimmlicher Widergänger von Tim McGraw durch geht ("Back Around"), hat er seine stärksten Momente in den ruhigen Titeln. In Songs wie in der finalen Ballade "I Won't Go Crazy". Da vergisst man glatt, dass er leider ein ziemlicher Betonkopf ist ...

Fazit: Josh Thompson gibt bei seinem Debüt den Macho, den Patrioten, das Arbeitstier, den Country-Rocker, den einfühlsamen Gutmenschen. Musikalisch okay, aber inhaltlich zu dick aufgetragen.

Label: Columbia (Sony) VÖ: 30. Juli 2010

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01 Beer On The Table 06 A Name In This Town
02 Blamit It On Waylon 07 Way Out Here
03 Sinner 08 You Ain't Seen Country Yet
04 Won't Be Lonely Long 09 Back Around
05 Always Been Me 10 I Won't Go Crazy


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