CD Cover: Darryl Worley - Sounds Like Life
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
Userwertung

Darryl Worley – ein Schönling mit Drei-Tage-Bart, der sich auf seiner Platte mal mondän mit aufgeknöpftem Hemd, mal rustikal mit kariertem Holzfäller-Hemd präsentiert. Aber was soll man von dem 44-jährigen Beau, gebürtig aus Tennessee, nun wirklich halten? 2003 wurde er mit seinem Hit "Have We Forgotten" als Kriegsbeführworter bekannt, 2007 zog er sich – um seinem Image vom braven Jungen entgegen zu steuern – für den Playboy aus. Andererseits hat er eine wohltätige Stiftung, die Darryl Worley Foundation, gegründet, unter der er beim "Tennessee River Run" Geld für Krebskranke sammelt – wie der Werbeeinleger in der CD beweist. Und dann lässt er im Booklet bei seinen Danksagungen seine starke Religiosität – immerhin ist er der Sohn eines Methodisten-Predigers – zum Vorschein kommen. Das scheint alles nicht so recht zusammenpassen zu wollen. Wovon wir aber ausgehen können: der studierte Chemiker ist bereits seit zehn Jahren erfolgreich als Sänger, Gitarrist und Songschreiber im Musikgeschäft. Und das ist es, was zählt.

Mit "Sounds Like Life" präsentiert Darryl Worley bereits sein sechstes Album – beim dritten Label. Die bisherigen Label, bei denen er unter Vertrag stand – Dream Works Records und 903 Music – mussten beide schließen. Trotzdem scheint sich nicht viel geändert zu haben; schließlich ist er jetzt wieder bei James Stroud unter Vertrag, der schon für sein erstes Album "Hard Rain Don’t Last" von 1999 verantwortlich war. Das neue Label – "Stroudavarious" – könnte also sowohl Rückbesinnung auf die Ursprünge bedeuten, als auch einen Neubeginn. Aber keines trifft wirklich zu. Musikalisch knüpft Darryl Worley dort an, wo er bei seinem letzten Album "Here and Now" von 2006 aufgehört hatte: beim Rock-Country.

Unter den Produzenten Jim "Moose" Brown und Kevin "Swine" Grantt präsentiert Worley eine gute Mischung aus Party-Songs und herzerweichenden Liedern. Die Tempi wechseln auf der Platte, ohne dass es aber wie ein Bruch klingt. Dabei stammen die elf neuen Songs fast alle aus eigener Feder. Als Co-Autoren nahm er sich noch Jim Brown, Wynn Varble, Don Poythress, Phil O’Donnell, Dan Demay und Steve Leslie mit ins Boot.

Der Opener "Honkytonk Life" gibt direkt einen Einblick auf das nachfolgende Album: Er beginnt mit einem Rock-Beat vom Bass und hat dadurch sehr viel Drive. Das passt zum Thema des Songs: auf Tour sein. Ein Ich-Erzähler berichtet vom Tour-Alltag eines Musikers – wie eine kleine Autobiographie. Dabei gesellt sich zur rockigen Musik ein Banjo und gibt dem Song die im Titel angekündigte Honkytonk-Note.

Auch im zweiten Song, "Best of Both Worlds", geht es sehr rockig mit fettem E-Gitarren-Sound weiter. Ob der Song über die perfekte Beziehung – mit einer Frau, die gleichzeitig Liebhaberin und gute Freundin ist – auch autobiographisch angedacht ist, bleibt ungeklärt. Mit dem dritten Song "Slow Dancin’ With A Memory", nimmt Worley das Tempo der vorherigen Songs raus und zeigt, dass er auch anders kann. Musikalisch ist der Titel zum langsamen Tanz optimal geeignet – nur dass der Text über einen alkoholisierten Melancholiker nicht zum Schmusetanz passt. Mit dieser Mischung von Rock-Nummern, Party-Songs und langsamen Liedern geht es auch mit den folgenden Titeln weiter. Zwei dieser Nummern gehören zu den 17 Singles von Worley, die es bereits in die Billboard Charts geschafft haben: "Tequila On Ice", ein Wohlfühl-Song über das Kennenlernen einer Frau, mit Slide-Gitarre und Hammondorgel im leichten Südsee-Feeling gehalten, war schon vor einem Jahr auf Platz 44 und der Titeltrack schaffte es sogar unter die Top 25. Diese Rock-Nummer im Mid-Tempo geht ins Ohr, auch wenn der Text eigentlich unverschämt ist: Ein Freund heult sich beim Erzähler aus, berichtet von seinen Alltags-Problemen und erhält als Antwort: "Tja, so ist das Leben." Das ist sicherlich wahr, klingt aber fast schon herablassend.

Auch "Doin’ What’s Right", "Everyday Love" und "Messed Up In Memphis" sind richtige Rock-Country-Nummern. Zwei Stücke sind sehr im traditionellen Blues gehalten: "Nothing But Money" ist mit einem fetten Riff unterlegt und "Don’t Show Up (If You Can’t Get Down)" – eine humorvolle Nummer mit Gesprächssequenzen der beiden Produzenten und einer Reihe von Gastsängern wie Jamey Johnson, Mel Tillis und Bill Anderson – kommt sehr laid-back daher. Das Album schließt mit dem fast schon schwülstigen "You Never Know" – man weiß nie, was noch kommt.

Fazit: Eine schöne ausgewogene Mischung an Country-Rock-Songs, mal schneller, mal bluesiger, mal langsamer. Teilweise passen die Texte nicht wirklich zur musikalischen Ausgestaltung, aber das Hörerlebnis bleibt, nichtsdestotrotz.

Label: Stroudavarious (In Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 9. Juni 2009

  • Titelliste

  • Links


01 Honkytonk Life 07 Everyday Love
02 Best Of Both Worlds 08 Money
03 Slow Dancing' With A Memory 09 Don't Show Up (If You Can't Get Down)
04 Sounds Like Life To Me 10 Messed Up In Memphis
05 Doin' What's Right 11 You Never Know
06 Tequila On Ice

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