James McMurtry - The Horses and the Hounds

CD Cover: James McMurtry - The Horses and the Hounds

Auf "The Horses and the Hounds" arbeitet James McMurtry wieder mit seinem Produzenten Ross Hogarth zusammen

Americana, Heartland- und erstklassigen Country-Rock präsentiert James McMurtry auf seinem neuen Album "The Horses and The Hounds". Ein staubiges Musikjuwel aus Texas, mit interessanter Biografie.

James McMurtry ist ein begnadeter Storyteller. Darüber gibt es wohl kaum Zweifel. Auch nicht, dass ihm, dem schlaksigen, langhaarigen, immer etwas kauzig wirkenden Musiker aus Fort Worth, Texas, diese Gabe in die Wiege gelegt wurde. Immerhin ist der 59-jährige Singer/Songwriter Spross des preisgekrönten Schriftstellers Larry McMurtry ("Die letzte Vorstellung", "Weg in die Wildnis") und Drehbuchautoren ("Brokeback Mountain") - und ähnlich wie sein in diesem Jahr verstorbener Daddy, versteht sich auch McMurtry-Junior trefflich auf das Geschichtenerzählen; auf das Fabulieren, das Bilderfinden, das Metaphern-Schmieden.

Bereits mit sieben Jahren bekam er von seinem Vater eine Gitarre geschenkt, seine ersten Lieder schrieb er als Teenager und die ersten Gigs folgten während des Studiums. Dennoch dauerte es eine Weile, bis der Texaner wusste, wohin die Reise gehen soll: er lebte eine Weile in Alaska, versuchte sich in San Antonio als Maler und Schauspieler. Erst als ihn ein Freund ermunterte, bei einem Folk-Nachwuchsfestival aufzutreten, kam die Geschichte wieder ins Rollen. Er gewann. Als dann noch Kollege Zufall mithalf, dass eines seiner Demos in die Hände von John Mellencamp fiel, startete James McMurtry seine Profi-Karriere - mit dem 1989 erschienenen Debüt-Album "Too Long In The Wasteland".

James McMurtry: ein Storyteller mit filmreifer Biografie

Um Haaresbreite hätte er schon in den frühen 90ern so etwas wie ein größerer Star werden können. Immerhin war er Teil einer All-Star-Band, die sich für den Soundtrack des Films "Falling in Grace" formierte (mit John Mellencamp, seinem Produzenten, sowie John Prine, Joe Ely und Dwight Yoakam). Nicht schlecht. Leider blieben Film und Soundtrack weitgehen unter dem Radar und so führt James McMurtry bis heute ein Musiker-Leben, für das die Betroffenen eine ganz besondere Hass-Liebe pflegen: als Geheim-Tipp.

Doch es ist auch ein Leben, das ihm viele, wer weiß, vielleicht sogar alle künstlerischen Freiheiten gewährt. Er kann es sich erlauben, auf seinem 2005 erschienen Album "Childish Things" den damaligen Präsidenten George W. Bush für dessen Irak-Politik zu kritisieren und er meckerte über Konsum-Tempel wie Wal-Mart, was ihm überschwängliche Kritiken bescherte. Das ja. Aber keinen Hit. Näher dran an den Bestenlisten war er 2015 mit seinem Album "Complicated Game", das ihn 2017 auch nach Europa brachte. Hierzulande verfügt der wortreiche Sänger ohnehin über eine solide Fangemeinde, die nach "The Horses and The Hounds" weiter wachsen sollte. Immerhin liefert er dafür zehn wohlklingende, in Americana-, Heartland- und Folk-Rock-Klänge verpackte Song-Argumente.

Für McMurtry ist das Album in jedem Falle ein Schritt nach vorne. Gleichzeitig ist es aber auch eine Art Rückkehr. Schließlich arbeitet er auf "The Horses and The Hounds" nach langer Pause wieder mit Produzent Ross Hogarth und Gitarrist David Grissom. Wie es scheint, hat allen Beteiligten diese Wiedervereinigung gut getan. Vor allem Grissom übernimmt im Sound-Konzept von "The Horses and The Hounds" eine zentrale Rolle. Seine Riffs, drücken fast jedem der zehn Tracks ihren Stempel auf. Dass Grissom ein Bewunderer von Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page ist, ist unüberhörbar - und tut den Songs gut. Sie bringen Würze in den erdig-trockenen Mix und sie sorgen für musikalische Highlights, wenn er - wie bei dem hymnischen, im Midtempo-Bereich angesiedelten Folk-/Southern-Rocker "If It Don't Bleed" - Platz für ein großes Solo bekommt.

Musikalisch ein Schritt nach vorne: "The Horses and The Hounds"

Um welches Riff-Monster es sich bei dem Gitarristen handelt, zeigt sich im Titeltrack, bei dem die ersten Takte nur Grissom und dem Drummer gehören. Und die beiden rocken los, als wollten sie AC/DC Konkurrenz machen. Der etwas zurückgenommene Gesang von James McMurtry rückt die Dinge natürlich sofort wieder gerade, aber: ein großartiger Country-Rocker bleibt der Song über die volle Distanz von vier Minuten und 38 Sekunden. Und um welches Songwriter-Kaliber wir es mit James McMurtry zu tun haben, zeigt sich in einigen Titeln: Im würzigen, mit seinen lieblichen Refrain-Melodien glatt an die alten Byrds erinnernden Opener "Canola Fields"; beim politisch aufgeladenen Americana-Track "Operation Never Mind"; im flotten, bestens gelaunten Tex-Mex-Abstecher "Vaquero" genauso wie in dem soliden Heartland-Rocker "Decent Man" und in der gefühlvollen Sechs-Achtel-Country-Ballade "Jackie".

Gegen Ende lassen aber sogar noch die Stones grüßen: Beim temperamentvollen, "Exile On Main Street"-typischen "What's The Matter" (mit klasse Gitarrensolo) wie bei dem gefühlvoll rockenden Country-Walzer "Blackberry Winter". Großes Kino! Starke CD!

Fazit: Der Sohn eines berühmten Vaters sollte langsam den Geheimtipp-Status ablegen. Verdienen würde es sich James McMurtry jedenfalls, spätestens für sein hervorragendes Album "The Horses and The Hounds".

Label: New West / PIAS (roughTrade) VÖ: 20. August 2021
01 Canola Fields
02 If It Don't Bleed
03 Operation Never Mind
04 Jackie
05 Decent Man
06 Vaquero
07 The Horses and the Hounds
08 Ft. Walton Wake-Up Call
09 What's The Matter
10 Blackberry Winter

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