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Nehmen wir an, Sie wohnen beispielsweise in Fürth, sind Country-Fan und erfahren, dass Sie im 170 Kilometer entfernten München endlich die Chance haben, Keith Urban live zu sehen. Sie kaufen sich und einigen ähnlich begeisterten Freunden über´s Internet Eintrittstickets, buchen vielleicht sogar ein Hotelzimmer und fiebern dem großen Tag entgegen. Doch nach langer Zug- oder Auto­fahrt steht statt dem Genuss das Chaos auf dem Spielplan: Trauben von Menschen versuchen sich ins Innere der Halle zu quetschen, ebensoviele wollen wieder raus. Der Saal ist rettungslos überfüllt, die Enge beängstigend. Beim Versuch, sich ins Konzert zu kämpfen, werden Sie von der entgegen drängenden Menge nach draußen gedrückt, wo schon dutzende frustrierter Konzertbesucher mit ähnlichem Schicksal stehen, die teilweise sogar aus österreich und der Schweiz angereist sind. Viele werfen ihre Eintritts-Tickets weg und machen sich sauer auf den Heimweg. Einige versuchen wenigstens noch von draußen den Geräuschfetzen eines Konzerts zu lauschen, das kaum jemanden - ob drinnen oder draussen - zufrieden stellen kann. Unglaublich? Aber leider wahr, denn geschehen am 22. Oktober 2005 im Münchner "Backstage".

Schon am Morgen danach meldeten sich reihenweise Keith-Urban-Fans bei CountryMusicNews.de, um ihrer Wut und Enttäuschung Luft zu machen. Selbst viele, die das Konzert sahen, waren schockiert und nicht wenige, wie eine Familie aus Erfurt, fürchteten sogar um ihr Leben. Denn Toiletten geschweige denn Notausgänge waren im Gedränge weder ort- noch erreichbar und das, obwohl auch das verbotene Rauchen nicht unterbunden wurde. Ein Ehepaar aus Neumarkt, das satte 90 Minuten benötigte um überhaupt in die Halle zu gelangen, bezeichnete das Konzert als "Zumutung" und wurde Zeuge wie ein Ordner seinem Kollegen zurief: "Da waren die heute wohl beim Kartenverkauf einfach ein wenig zu gierig."

Skandalöse Vorgänge also, die weder eines Keith Urban noch der Countrymusic-Fans würdig sind. Dass CountryMusicNews.de das Geschehen zunächst mit der eher zurückhaltenden Schlagzeile "Zu viele Keith Urban Fans in München" kommentierte, lag an der scheinbaren Einsicht des Veranstalters: Die "Promoters Group Munich KA GmbH - kurz "PGM" - räumte durch ihre Mitarbeiterin Roth-Wiehler ein, dass "die Abwicklung nicht optimal gelaufen" sei und stellte eine Wiedergutmachung für alle Betroffenen in Aussicht. Voraussetzung sei der Besitz eines nicht entwerteten Tickets sowie eine ausführliche, schriftliche Darlegung des Sachverhalts, für den wir ein entsprechendes Kontaktformular auf unserer Page einrichteten.

Doch mittlerweile zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das vermeintliche Einlenken eine Mogelpackung ist, die sich nahtlos an den Charakter der gesamten Veranstaltung anschließt. Denn wie uns drei Betroffene bestätigten, entwerteten die Ordner viele der Eintrittstickets bereits draußen vor der Halle und betrieben damit - ob vorsätzlich oder unbewusst - Beweismittel-Vernichtung. Zudem haben sich die Ansprechpartner auf eine Art Pingpong-Spiel mit Hinhaltetaktik verlegt. So riet uns Frau Roth-Wiehler zwar schon bei der ersten, sofortigen Kontaktaufnahme, die Beschwerde-Mails gebündelt an PGM zu schicken. Doch nachdem dies erfolgte, scheint Frau Roth-Wiehler wie vom Erdboden verschluckt. Als wir dann endlich PGM-Pressesprecherin Mittermeier an die Strippe kriegen konnten, wurde uns plötzlich eine völlig neue Version präsentiert: Sammel-Mails, so Frau Mittermeier, könnten grundsätzlich nicht akzeptiert werden. Jeder, der sich beschweren wolle, müsse sich schon selber an die Geschäftsleitung wenden…

Da passt´s ins Bild, dass auch die Konzertagentur Marek Lieberberg keinen klaren Standpunkt bezieht. Zwar fungieren die Frankfurter als Dach­Veranstalter, die Keith Urban überhaupt erst nach Deutschland holten. Da die Konzert-Abwicklung dann aber an örtliche Veranstalter - wie PGM - weitergegeben wird, seien die auch Ansprechpartner bei Pannen. Meint jedenfalls Lieberberg-Mitarbeiter Matt, der sogar bestätigte, dass ein geprellter Fan das Recht auf Geld-Rückgabe, Ersatzkonzert und vielleicht sogar ein Gratis-Poster habe. Auf unser Drängen hin erklärte er sich sogar bereit, dies nochmal unverzüglich bei Frau Mittermeier anzumahnen. Doch nach seinen netten Worten verschwand Matt ebenso in der Weite der deutschen Service-Wüste, wie die PGM-Pressesprecherin und Frau Roth-Wiehler.

Pikanter Weise war er aber auch - vorbeugend? - auf ein Problem zu sprechen gekommen, das weitere Sprengkraft birgt. So legen die Ordnungsämter bei allen Hallen ja Besuchergrenzen fest, die aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden dürfen. Weil aber nach Auskunft der Münchner Behörde erst nachgeprüft wird, wenn sich Beschwerden häufen oder gar etwas passiert ist - was spätestens nach den Bad Reichenhaller Vorkommnissen überdenkenswürdig ist - fällt der Verkauf zu vieler Tickets bestensfalls gestressten Konzerbesuchern auf. Entsprechend eilig hatte es Matt jedenfalls, auch ungefragt darauf hinzuweisen, dass das Gedränge nur entstanden war, weil Keith Urban großen Wert auf einen perfekten Sound lege und seine Musikanlage deshalb wesentlich mehr Raum benötigte, als erwartet.

Nun ja. Wenn´s denn stimmt, hätte dies ein professioneller Veranstalter durchaus vorher wissen können. Und ob´s korrekt ist, den guten Keith Urban nun als Mitverantwortlichen aus dem Hut zu zaubern, wollen wir hier lieber mal nicht kommentieren. So oder so kann´s nicht angehen, dass ein Country-Fan der Dumme ist, der eine unzureichende Planung ausbaden um am Ende dafür auch noch die Zeche zahlen muss.

Ohnehin müssen sich geprellte Country-Music-Fans keinesfalls abspeisen lassen wie kleine, unmündige Kinder. Dr. Claudia Rossbach, eine renommierte Münchner Medienanwältin, sieht gute Chancen für private Klagen, denn es gibt genügend Gerichtsurteile, in denen die Betroffenen ihr Eintrittsgeld bis hin zu den Reisekosten zurückerstattet bekamen. Nach deutscher Rechtsprechung ist ein Veranstalter durch den Verkauf eines Konzerttickets nämlich auch verpflichtet, einen angemessenen Gegenwert zu bieten. Der ist aber noch lange nicht dadurch erreicht, dass ein Besucher den Haupteingang einer Halle passiert. Wer wegen überfüllung nur an den Rand des Geschehens dringen konnte oder gar umkehren musste, hat deshalb selbst mit abgerissenem Ticket gute Karten. "Ein entwertetes Einstrittsticket", so Claudia Rossbach, "ist lediglich ein Indiz weniger." Glaubhafte Zeugen machen dies allemal wett und davon gibt es unter den uns vorliegenden Mails jede Menge.

Auch mit Blick auf zukünftige Country-Konzerte wird es CountryMusicNews.de jedenfalls nicht zulassen, dass die skandalösen Vorgänge im Münchner Backstage-Club allmählich totgeschwiegen werden. Sie können sich in dieser Sache weiterhin bei uns melden und selbstverständlich werden wir Sie auch über weitere Maßnahmen, Feedbacks und Vorgehensweisen auf dem Laufenden halten. Bis die Leidtragenden des Keith-Urban-Konzertes vom 22. Oktober 2005 im Münchner "Backstage" zu ihrem Recht gekommen sind, können wir uns nur der Meinung eines Betroffenen anschließen, der in seiner Mail riet "Konzerte nicht mehr an diesen Veranstalter und seinen Schweinestall zu vergeben…"

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