Collin Raye; Foto: Christoph Volkmer

"Nach dem Konzert in Dublin kamen 19 Leute zu mir und fragten mich, warum ich 'One Boy, One Girl' nicht gespielt habe. Natürlich ist der Song seit dem wieder fest im Programm", erklärt Collin Raye- ein Countrystar mit Herz für seine Fans.

Mehr als 6.500 Kilometer trennen den Sänger, der seine größten Erfolge im Business vor gut 15 Jahren mit Hits wie "Love, Me", "I Can Still Feel You", "Little Rock" oder "Every Second" feierte, von zu Hause. Doch Heimweh kennt der 48-Jährige nicht. Nicht hier. Schon zum zweiten Mal ist er in Irland zu Gast und tourt bis Ende Mai quer über die Grüne Insel. "Das Publikum ist hier ganz anders als in den Staaten. Die Leute gröhlen nicht einfach irgendwelche Sachen, sondern sind sehr textsicher und lassen dann von sich hören, wenn es darauf ankommt", ist er begeistert.

Insgesamt 13 Shows - von Großstädten á la Dublin oder Belfast bis zu kleinen Orten wie Castleblaney oder Enniskillen - standen auf der Reiseroute. Im Gepäck hatte der Sänger neben vielen alten Hits auch sein neues Werk "Never Going Back". Eine Platte, die fast klingt wie eine Live-Aufnahme - nur eben ohne Zuschauer. "Ich wollte, dass die CD das repräsentiert, was die Leute bekommen, wenn sie meine Konzerte besuchen", erklärt der Sänger.

So gibt es mit "Mid-Life Chrysler" oder "Where It Leads" lautere und lustige Stücke, aber auch die emotionale Seite kommt mit Nummern wie "She's With Me" und "The Cross" nicht zu kurz. Raye sagt: "Für mich ist das die authentischste Platte, die ich je gemacht habe. Niemand hat versucht, auf die Entstehung einzuwirken und das tat im Vergleich zu den früheren Zeiten bei einem Major Label wirklich gut."

Nicht nur zu finalen Phase im Dienste seiner ehemaligen Plattenfirma hat Raye keine gute Meinung - auch das Country-Radio in den Staaten ist seiner Auffassung nach nicht mehr wie es einmal war. "Früher hattest du dort Leute sitzen, die Musik gespielt haben, die ihren gefallen hat. Heute kommen die großen Plattenfirmen und geben den Sendern vor, was sie zu spielen haben. Dabei hat der Hörer dann gar keine Chance mehr, Musik für sich zu entdecken. Leider steht bei dem überwiegenden Teil der Radios nur noch der Kommerz im Vordergrund. Dadurch geht die Vielfalt leider immer mehr verloren."

Collin Raye; Foto: Christoph Volkmer

Auch wenn er nicht wirklich häufig das US-Radio nutzt, über die aktuelle Country-Szene ist er durch seine Tochter Brittany ganz gut informiert. Aktuelle CDs finden sich aber nicht in seiner Sammlung. "Wenn ich eine CD für mich kaufe, sind das primär die Alben, die ich schon auf Vinyl besessen habe. So habe ich mir kürzlich "Strangers" von Merle Haggard zugelegt, dass ja schon 1965 auf den Markt kam. In dieser Beziehung bin ich eben ein Dinosaurier", schmunzelt der Country-Sänger aus Arizona.

Die Zeit im Scheinwerferlicht der Country-Szene in Nashville vermisst er nicht. "Kenny Chesney oder Faith Hill gehören zu den Personen, die es echt gern haben, 24 Stunden am Tag ein Star zu sein. Mir hat das nie so gefallen - denn letztlich sind wir doch alle nur Menschen. Ich bin daher mit meiner Karriere nach der Karriere vollauf zufrieden. Ich bewundere die alten Haudegen wie Neil Young oder Bob Dylan, die die Freiheit besitzen, so zu sein, wie sie sind - und das auch ohne eine Hit-Single in den Charts."

In Irland präsentierte sich Collin Raye erstmals mit seiner neuen, Band die über hervorragende Musiker verfügt. Schlagzeuger und Manager in Personalunion ist Matthew Stevens, am Bass zupft Kevin Guest und der von Brooks & Dunn bekannte Charlie Crowe agiert an der Gitarre. Musikalische Chefin und Keyboarderin ist die süße Melanie Shore, die auch die Background Vocals beisteuert. Gerne würde Raye mit genau diesen Musikern auch nach Deutschland kommen. "Es wäre toll, wenn das klappen würde. Ich habe mal auf einem Festival vor den Toren Münchens und in Stuttgart gespielt", erinnert sich der Sänger und fügt hinzu: "aber das ist schon sehr lange her".

Dabei sind seine Erinnerungen an Deutschland noch frisch: "1998 haben wir Urlaub in München gemacht und dabei den Schwarzwald besucht. Doch nicht nur die Natur, sondern vor allen Dingen die geschichtliche Seite finde ich interessant. Deshalb will ich auf jeden Fall einmal nach Berlin." Auch kulinarische Leckerbissen sind offensichtlich unvergessen: „Ich habe in einem kleinen Restaurant in München das beste Essen meines Lebens gehabt - einen Schweinebraten".

Im Juni 2009 kehrt Collin Raye aber zunächst nach langer Pause wieder zur Fan Fair, die schon seit einigen Jahren CMA Music Festival genannt wird, zurück. Neben seinem Auftritt am 14. Juni 2009 auf der Bühne am Riverfront Park in Nashville möchte er den üblichen Autogrammstunden am liebsten aus dem Wege gehen. "Es ist nicht so, dass ich das nicht machen möchte, aber wenn sich da die Leute für dich stundenlang anstellen, finde ich es unfair, wenn du ihnen nur eine Unterschrift gibst und sie dann schon wieder weiter geschickt werden. Ich habe in Irland wieder gemerkt, wie schön es ist, wenn man mit den Fans auch mal ein paar Minuten in Ruhe unterhalten kann. Dazu finde ich es schlimm, wenn die Leute lange anstehen und dann doch nicht drankommen, weil ich schon wieder zum nächsten Termin muss. Mehr Zeit für seine Anhänger wird Collin Raye mit Sicherheit bei seiner Fan Club Party haben, die bereits am 13. Juni 2009 - natürlich in einem Irish Pub (Dan McGuiness) - stattfindet.

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