The Boxmasters, Foto: Sandrine Lee

Wenn man Billy Bob Thornton als Künstler richtig würdigen möchte, beginnt man am besten bei seiner Band, The Boxmasters, um dann tiefer vorzudringen zu den Wurzeln, die ihn sein Leben lang mit der Countrymusik verbinden.

"Die heutige Countrymusic vermittelt mir eine Menge Gefühle - Betroffenheit, Traurigkeit, Wut", erklärt der der aus Arkansas stammende Musiker per Telefon aus "The Cave", dem Aufnahmestudio im Keller seines Hauses in Los Angeles, Kalifornien. "In meiner Jugendzeit hörte ich viel Rock 'n' Roll und Country, die großen Namen des Country waren zu jener Zeit Ray Price, Jim Reeves, Del Reeves, Johnny Cash, Merle Haggard, es war einfach großartig. Heute scheint Country eher aus '80er Pop-Balladen mit Steel Guitars und Musikvideos zu bestehen, vorgetragen von gutaussehenden jungen Leuten, wie man sie aus der Fitness-Werbung kennt. Die Leute mochten damals Hank Williams, weil er einer von ihnen war und über ihre Probleme sang."

Thornton sieht seine Mission darin, mit der Musik von The Boxmasters den Sound und die wirklich nicht leichten Lebensgeschichten der Countrymusiker aus den 50er und 60er Jahren einer neuen Generation nahe zu bringen. Seit ihrer Gründung 2007 mit Gitarrist/Engineers J. D. Andrew und Mike Butler und Thornton als Sänger und Drummer, stellte das Trio bisher auf zwei Doppelalben sein Programm vor - "The Boxmasters" von 2008 und "Modbilly" im April 2009 - hinzu kommt noch die Weihnachts-CD des letzten Jahres "Christmas Cheer".

Diese handwerklich hervorragenden, durch und durch authentischen Alben erschienen bei Vanguard/Sawmill Records und sind ein weiterer Pfeiler ihres Fundaments, das fest im Rock der 60er Jahre gegründet ist. Diese einmalige Verschmelzung der Genres ist es auch, die dem neuesten Album des Trios "Modbilly" seinen Namen gab.

The Boxmasters - ModbillyThe Boxmasters "Modbilly" wurde produziert von Andrew und Thornton und enthält eine CD mit Originaltiteln sowie eine weitere, die alte Hits und Raritäten aus vergangenen Zeiten des Country und Rock vorstellt. In dieser Auswahl findet sich Hank Thompsons Barroom-Klassiker "Lord Knows I'm Drinking", John Hartfords "Gentle On My Mind", aufgenommen von Glen Campbell, Roger Millers "Half a Mind", aufgenommen von Ernest Tubb, der Rolling Stones Titel "As Tears Go By" und der bewegende Nachruf der Tin Pan Alley an den Schauspieler "Errol Flynn", alle neu bearbeitet und interpretiert von The Boxmasters in dieser einzigartigen Mischung aus typischem, leicht näselnden Country-Gesang und dumpfem Beat.

Die Songs wurden geschrieben und arrangiert von Andrew, Butler, Thornton und Billy Bob Thorntons Koautor Brad Davis, der an der Mandoline und Gitarre mitwirkt, wenn die Gruppe in erweiterter Live-Konzertbesetzung auftritt. Sie sind randvoll gefüllt mit Humor, Traurigkeit und Romantik, perfekt zum Ausdruck gebracht durch Thorntons rauhe Stimme und unterlegt von heulenden, tremolo-triefenden Gitarrenklängen. Einige Songs, wie z.B. "You Crossed the Line" und "That's Why Tammy Has My Car" haben die Ausgelassenheit alter Trink- und Sauflieder, während andere, wie z.B. "New Mexico" und "Goin' Home" den dunklen Geist der gesetzlosen Zeit früherer Generationen in sich tragen.

Originale wie diese markieren den rasanten Aufstieg von The Boxmasters, von Album zu Album. "Jeden Abend, an dem Billy nicht auf einem Film-Set sein muss, sind wir im Studio, schreiben Songs und nehmen sie auf", sagt Andrew. "Wir haben schon fast wieder ein weiteres Doppelalbum beisammen".

Während "The Boxmasters" laut Thornton eher als ein "Hillbilly"-Album bezeichnet werden kann, ist" Modbilly" deutlich aggressiver, mit rhythmischem Vortrieb und scharfen Gitarrenattacken ähnlich denen, wie sie von Buck Owens and His Buckaroos in den Clubs und Restaurants von Bakersfield perfektioniert wurden. Diese Elemente der Band wurden im letzten Jahr während mehrerer Tourneen weiter entwickelt, so auch bei einigen Auftrittsterminen mit Willie Nelson.

Das nächste Album wird die Band laut Thornton wieder einen großen Schritt zu ihren Vorbildern aus der Zeit der Britischen Invasion hin führen.

Wie seine Freunde und gelegentlichen Mitstreiter Kris Kristofferson und Dwight Yoakam, genießt auch Thornton ein hohes Ansehen als Künstler, seine Leidenschaft für die Musik ist jedoch genauso groß wie seine Leidenschaft als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor.

"Wenn Sie Billy kennen, dann wissen Sie, dass seine Leidenschaft für die Musik mindestens so stark ist wie für den Film," sagt Stephen Brower, Direktor für Marketing und A&R Development bei Vanguard Records. "Wenn man Billy sieht und die eigenen Songs der Band The Boxmasters hört und die großen Nummern, die sie wieder zum Leben erweckt haben, wie z.B. 'Lord Knows I'm Drinking', dann erkennt man sofort seine Ehrlichkeit und ist von seiner reichen Erfahrung als Musiker beeindruckt, denn er trägt mit großer Überzeugungskraft diese großen alten Songs vor, um sie dem Vergessen zu entreißen und die Tugenden der traditionellen Countrymusik zu verbreiten"

"Als ich in den Achtzigern zum ersten Mal nach Los Angeles zog" erzählt Thornton, "hatte ich vor, eine passende Band zu finden. Als ich dann in der Schauspielerei Fuß fasste, entschied ich mich dafür, denn nur so konnte ich meine Rechnungen bezahlen".

The Boxmasters, Foto: Sandrine LeeEinige Jahre vor der Produktion seines ersten Soloalbums, "Private Radio", produziert von Marty Stuart und erschienen 2001, schrieb Thornton jede Menge Songs auf Lager und nahm mit Freunden in Nashville Demos auf. Er produzierte drei weitere Alben selbst, bevor er die Band The Boxmasters gründete, sagt aber trotzdem, dass er immer noch "in Sachen Musik einiges auf sich nimmt, um Schauspieler sein zu können".

"Die meisten Leute erkennen, was dahinter steckt, wenn sie die Band live erleben" sagt Butler. "Sie sehen, wie viel Billy in die Show steckt und verstehen, dass dies mehr ist als einfach nur etwas Neues"

Laut Andrew bringt die Band genau diese Arbeitshaltung auch mit ins Studio. "Die Liedtexte fliegen Billy einfach so zu" meint er. "Wenn er einen neuen Song schreibt, nimmt zuerst die Melodie in seinem Kopf Form an. Oft ist es so, dass wir nach Fertigstellung der Liedtexte den Song einmal grob mit Gitarre und Gesang durchspielen, dann setzt er sich ans Schlagzeug und wir bearbeiten den Song von dort aus weiter".

"Wir zeichnen Gitarre und Bass gerne in eigenen Spuren auf" fügt Butler hinzu "und gehen dann zurück, um den Gesang, einschließlich der Harmonien, in seiner Endfassung aufzunehmen - wobei Billy viele der Harmonien selbst singt - so früh wie möglich, um die gleiche Energie und Freude einzufangen wie bei einem Live-Auftritt."

Die Band, die inzwischen über eine erfolgreiche Podcast-Serie auf iTunes verfügt, ist bereits sehr weit in den Countrymusik-Mainstream vorgedrungen. Sie hatten ein einstündiges Interview in Bill Codys "Master Series" auf GAC, das bereits mehrmals gesendet wurde. Außerdem waren sie in vier aufeinander folgenden Wochen bei GAC in der Show "Edge of Country" zu sehen - was bisher noch niemand geschafft hat. Das Trio trat bereits zwei Mal gemeinsam mit der Musiklegende und Vanguard-Künstlerkollegen Levon Helm in Helms intimer Serie "Midnight Ramble" in Woodstock, N.Y., auf und ein weiteres Mal in seiner Show "Ramble at the Ryman" in Nashville, Tennessee. Sie waren Gastgeber und spielten bei der zweiten jährlichen "All for the Hall" Fundraising-Show für die Country Music Hall of Fame and Museum in New York und traten unter anderem in folgenden Fernsehshows auf "The Late Late Show with Craig Ferguson", "Live with Regis and Kelly" und "Rock Honors", der auf VH1 ausgestrahlten Reverenz an The Who.

Thornton, der 2007 bei einem Auftritt der Porter Wagoner Band The Wagonmasters am Schlagzeug saß, versteht sich in jedem Auftritt als Bannerträger des klassischen Country.

"Es gibt einige Künstler mit großem Namen, die diese Fackel weitertragen, zu ihnen gehört Brad Paisley, Alan Jackson, Dwight Yoakam und Brooks & Dunn - Ich bin durch und durch überzeugt von dem, was sie tun" unterstreicht er. "Ich für mein Teil versuche zu schreiben, was direkt vom Herzen kommt und so zu sein wie ich bin. Solange mir dies vergönnt ist und ich die schöpferische Energie nutzen kann, die einem als Mitglied einer Band zur Verfügung steht, was übrigens sehr wichtig für mich ist, bin ich glücklich mit meiner Musik".

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