Mark Wills; Foto: AGR Television Records

"Familiar Stranger" heißt das neue Album. Eine bescheidene Untertreibung, denn ein Fremder ist der 35-jährige Countrystar seit langem nicht mehr - wie zahlreiche Awards, Hits, Platin- und Gold-Auszeichnungen belegen. Mit seinem neuen, von Top-Songschreiber Brett James produzierten Album unterstreicht der zweifache Vater seinen musikalischen Stellenwert - und präsentiert eine CD wie aus einem Guss. Der Clou: jeder einzelne Song klingt gleichzeitig modern und traditionell. CountryMusicNews.de stand der sympathische Sänger Rede und Antwort.

CountryMusicNews.de (CMN): Hallo Mark, erstmal Glückwunsch zum neuen Album!
Mark Wills: Vielen Dank! Wir haben ziemlich lange daran gearbeitet. Es sollte einfach perfekt werden, deshalb mussten wir sogar den Veröffentlichungstermin ein paar Mal verschieben. Aber jetzt ist es endlich auf dem Markt, und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis - und natürlich auch sehr gespannt.

CMN: Wie lange habt ihr an "Familiar Stranger" gearbeitet?
Mark Wills: Alles in allem circa eineinhalb Jahre. Das ist ziemlich lange. Wir haben ein paar Songs aufgenommen, sind dann auf Tournee gegangen, dann wieder zurück ins Studio, um weitere Songs zu produzieren, und so weiter. Dadurch hat es sich in die Länge gezogen. Insgesamt haben wir aber 18 Songs aufgenommen. Natürlich konnten wir nicht alle verwenden, aber die meisten haben einen Platz auf dem Album gefunden.

CMN: Wird es eine Tour geben?
Mark Wills: Wir waren den ganzen Sommer auf Tour durch Amerika, das hat super Spaß gemacht. Die Resonanz auf die Show war auch hervorragend. Vielleicht kommen wir in den nächsten Monaten sogar für ein paar Konzerte nach Deutschland. Ich wollte nämlich schon immer einmal in Deutschland spielen. Jetzt, wo das Album auch in Europa auf den Markt kommt, erfüllt sich dieser Traum vielleicht.

CMN: Days of Thunder war kein sehr großer Radio-Erfolg in den Staaten - in Deutschland dagegen lief die Single sehr gut. Woran liegt das Deiner Meinung nach?
Mark Wills: Tja, wer weiß das schon ... Bei vielen Songs geht es gar nicht um die Musik, sondern darum, wie die Radio-Industrie funktioniert. Ich denke, wenn wir den Song stärker gepusht hätten wäre er ein größerer Erfolg geworden. Wir waren gerade mitten in den Verhandlungen mit unserem neuen Label, deshalb hat es uns nicht allzu hart getroffen. So oder so bin ich überzeugt, dass Days of Thunder ein fantastischer Song ist und ich freue mich, dass er in Deutschland so gut ankommt.

CMN: Du hast gerade das Label gewechselt und bei AGR Television Records unterschrieben. Warum?
Mark Wills: Es war eine Möglichkeit für uns, unsere Musik auch in Europa auf den Markt zu bringen. Die großen Plattenlabels hier in den Staaten konzentrieren sich nur auf den amerikanischen Markt. Der Vertrag mit AGR gibt uns die Möglichkeit, unsere Musik auch in Europa und dem Rest der Welt unter die Leute zu bringen - schließlich wollen wir, dass unsere Fans uns überall erreichen. Außerdem sind die europäischen Fans extrem offen für Musik, die nicht unbedingt dem Mainstream entspricht.

CMN: Was ist der Unterschied zwischen einem Independet-Label und einer Major-Company?
Mark Wills: Ich muss ehrlich sagen, dass die Independent Labels mehr Wert auf den Künstler legen. Es geht nicht nur darum, einen Song herauszubringen und zu hoffen, dass er erfolgreich wird. Bei einem Indie muss man ein bisschen härter arbeiten. Genau das mag ich. Ich ziehe es wirklich vor, am Erfolg zu arbeiten anstatt alles auf sich zukommen zu lassen und einfach nur zu hoffen, dass es funktioniert: "throwing it up against the wall and seeing if it sticks" sagt der Amerikaner dazu.

CMN: Was genau braucht man zum Erfolg, auch und gerade in Nashville?
Mark Wills: Meiner Meinung nach vor allem eines: ein gutes Produkt. Man muss es wirklich wollen, man muss rausgehen und dafür arbeiten. Genau das versuchen wir zu erreichen. Ich habe seit Beginn meiner Karriere hart gearbeitet und bin sehr glücklich mit dem Verlauf. Besonders mit dem neuen Album und der Tatsache, dass es jetzt auch in Deutschland auf den Markt kommt. Hoffentlich wird es auch in Europa ein Erfolg. Ich drücke mir jedenfalls selbst die Daumen.

CMN: Hat sich die Countryszene sehr verändert seit Beginn Deiner Karriere?
Mark Wills: Total! Wie beschreibe ich das am besten? Wir bewegen uns wieder zurück zu den Wurzeln der Countrymusik, werden wieder traditioneller. Mit "traditioneller" meine ich nicht unbedingt traditionelle Roots-Countrymusik. Ich meine vielmehr, dass die Künstler jetzt wieder die Songs und die Art Musik machen, die sie wirklich machen wollen. Viel zu lange hieß es in der Musikindustrie einfach nur: "Hier sind Eure Songs, nehmt sie auf, produziert sie, und wir sorgen dafür, dass sie auch im Radio gespielt werden." So tickte die Musikindustrie. Jetzt können die Künstler Gott sei Dank wieder mitreden und die Art von Musik machen, an der ihnen wirklich etwas liegt. Das ist auch gut so. Denn genau darum geht es, genau das verkörpert einen Künstler am besten.

CMN: Also geht es bei Country immer noch nur um die Musik?
Mark Wills: Absolut.

Mark Wills
CMN: Anders als bei Pop, wo das Aussehen ja oft wichtiger ist...
Mark Wills: Okay, klar spielt das Aussehen immer eine Rolle, auch in der Countrymusik. Aber ich glaube einfach an Qualität. Das ist das wirklich Wichtige. Gerade Countrymusik legt viel mehr Wert auf Herz und Gefühl eines Songs als darauf, die richtige Jeans zu tragen und die angesagte Frisur zu haben.

CMN: Woran liegt es dann, dass viele der alten Country-Legenden heute keinen Plattendeal mehr bekommen? An der mangelnden Qualität kann es wohl kaum liegen ...
Mark Wills: Nein, sicher nicht. Es ist wie bei allem - man schielt immer nur auf das Nächste, das Beste, das Neueste. Das ist nicht immer eine gute Idee. Und die Größen des Country verdienen unseren Respekt, schließlich haben sie uns den Weg geebnet. Ich zum Beispiel spiele am liebsten in der Grand Ole Opry. Dort hat man Gelegenheit, mit jungen Nachwuchskünstlern zu spielen, aber auch mit Größen, die seit 30 oder 40 Jahren Countrymusic machen. Das sind meine liebsten Auftritte, weil ich so die Musik einfach genießen kann. Und zwar guten alten Country genauso wie modernen neuen Country.

CMN: Welche Musik hörst Du sonst?
Mark Wills: Ich höre viele verschiedene Sachen, ich bin zum Beispiel immer noch ein großer Fan von 80ies Rock. Aufgewachsen bin ich mit Alabama und George Jones, aber auch mit Bon Jovi. Zurzeit höre ich zum Beispiel auch Nickelback.

CMN: Du hast gerade für ein weiteres Jahr für die TV-Show "The Year" auf GAC unterschrieben.
Mark Wills: Ja, das mache ich auch noch. Für die nächste Staffel planen wir Special Guests, ich denke, die Show kann uns noch viele Türen öffnen. Ich freue mich schon darauf. Es ist wie ein kleiner Geschichtsunterricht, man kann sich ansehen, was zu einer ganz bestimmten Zeit passiert ist. Ziemlich cool.

CMN: Was hast Du sonst noch geplant?
Mark Wills: Wir haben gerade mit einem neuen Projekt angefangen: wir werden einige unserer Hits neu aufnehmen - "19 Somethin´" zum Beispiel war ein großer Hit, er war sieben Wochen auf Nummer Eins. Es wird toll, denn wir wollen auch verschiedene Versionen der Songs aufnehmen. Es wird also hoffentlich bald ein neues Album geben.

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