CD Cover Pam Tillis - RhinestonedGroße Labels beherrschen nicht länger die Country-Musik. Jetzt ist Platz für unabhängige Labels ("Independents", kurz: "Indies") und so klingen die Dinge nun anders.

Pam Tillis wusste, dass sie in unbekannte Gefilde eindrang, als sie ihr neues Album "Rhinestoned" aufnahm.

"Es gab einige Songs, die ich in der Vergangenheit über die Labels aufnehmen lassen wollte, doch sie waren nicht daran interessiert, hauptsächlich deshalb, weil viele der großen Labels 10 Singles zusammenschneiden wollen, und ich mag keine Alben, die sich anhören wie 10 Singles", so Tillis. "Mir gefällt nicht einmal wie das klingt."

Jedoch liebte sie es, diese Songs für ihr eigenes Start-up-Label Stellar Cat und AGR Television Records aufzunehmen.

Und sie ist nicht die Einzige.

ImageTillis gehört zu einer wachsenden Anzahl von Künstlern, sowohl etablierte als auch Newcomer, die in den letzten Jahren entschieden haben, die großen Labels zu umgehen und sich an unabhängige Labels zu wenden. Somit genießen sie kreative Freiheit und kommen in den Genuss von faireren finanziellen Vereinbarungen.

Überraschend an diesem Trend ist, dass Nashville und Country Radio diese Indie-Newcomer offenbar akzeptieren, da sie den jahrzehntealten Würgegriff lösen, mit dem die großen Labels die Playlisten fest in der Hand hielten und den Hörern mehr Wahlmöglichkeiten bieten.

Unter den Namen befinden sich neue Talente, wie Taylor Swift (der bei Big Machine unter Vertrag ist) und Jason Aldean (Broken Bow), Künstler, die sich mit großen Labels herumschlugen, bevor sie von ihnen nicht mehr weiter engagiert wurden - Jack Ingram (Big Machine) und Little Big Town (Equity Music Group), zum Beispiel - und Hit-Acts, die beschlossen, ihr eigenes Ding zu machen, wie Toby Keith (Show Dog Nashville). Diese und andere Künstler sind mit ihren Indie-Singles bis in die Top 20 aufgestiegen, sammeln Gold- und Platinplatten und erzielen Nominierungen für bedeutende Auszeichnungen.

Image Das sind große Neuigkeiten für ein Musikgenre, das an alten Gewohnheiten festhält.

"Es gibt immer wieder jemanden, der den Durchbruch schafft, jedoch nicht in dem Maße, wie es derzeit in den Top 20 der Fall ist, und, je nach Woche, eine große Vielzahl unabhängiger Künstler vertreten ist", so Ken Tucker, Country-Sprecher von Billboard.

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Billboard Country-Musik-Charts den atemberaubenden Durchbruch der unabhängigen Labels, da mehr als 20 Prozent der Top-75-Alben und nahezu 30 Prozent der Top-60-Songs von Künstlern dieser Labels sind.

Das heißt also, als Alison Krauss, die bei dem unabhängigen Label Rounder Records mit Sitz in Burlington unter Vertrag ist, mit ihrer Hitsammlung "Now That I've Found You" aus dem Jahre 1995 auf Platz Nr. 6 schoss, handelte es sich um das erste unabhängig veröffentlichte Album, das seit 16 Jahren Einzug in die Top 10 der Countrymusik hielt.

Image Was dies bedeutete, war nicht schön, sagte Clint Black, der RCA Nashville 2003 verlassen musste und einer der Mitbegründer der Equity Musik Group wurde - seine Heimat und die Heimat von Little Big Town und anderen. Black, der 20 Millionen Tonträger verkaufte und zwei Dutzend Top-10-Countryhits in seiner 20-jährigen Karriere erzielte, sagt, dass die Leute dachten, dass "er seine eigenen Platten aus seinem Koffer verkauft und aus dem Koffer eines jeden, den er dazu bringen kann, bei seinem kleinen Aufnahmeunternehmen vorbeizukommen."

Und das dachten sie wahrscheinlich. Im Gegensatz zu der Rock- und Hip-Hop-Welt wurde "Indie" in Nashville niemals mit Konnotationen wie "neumodisch" oder "angesagt" in Verbindung gebracht. Das Stigma, ein unabhängiger Künstler zu sein, bedeutete unter eine der folgenden drei Kategorien zu fallen: gescheitert, ein gänzlich alternativer Act mit einem Außenseiter- oder meist nicht-Country-Auftreten oder nicht gut genug für die großen Jungs.

Dieser Eindruck wurde von den großen Labels selbst hervorgebracht, die, wie Ed Salamon, Geschäftsführer von Country Radio Broadcasters, sagt "recht gut darin waren, jeden an den Rand zu drängen, der bei einem unabhängigen Label war und behaupteten, dass ein wirklich guter Künstler auch bei einem großen Label sei." (Sicherlich gab es Ausnahmen, einschließlich der wegweisenden und erfolgreichen Sun- und Curb-Labels.)

Wie ist also das Radio, das nach wie vor wichtigste Medium für die Förderung kommerzieller Acts, von seiner Phobie gegen CDs geheilt worden, deren Rückseite ein unbekanntes Logo aufweisen?

Image Ein Wort: Konsolidierung. Die Musikindustrie wurde im letzten Jahrzehnt mit straffer Hand geführt, und da die großen Labels von Fusionen und Reduzierungsmaßnahmen betroffen waren, rollten Köfe. Viele der Entlassenen entschieden sich, mit ihrem Know-how ihr eigenes Ding durchzuziehen. Also hat diese neu gegründete Einstellung der ausgebreiteten Arme teilweise weniger mit der Musik zu tun als viel mehr mit dem, der das Geschäft führt.

"Nachdem sich die großen Labels konsolidiert hatten, standen nicht nur einige der großen Künstler ohne großes Label da, sondern, fast noch wichtiger in der Musikindustrie, viele der großen Führungskräfte, die bei den großen Labels angestellt waren, arbeiteten plötzlich für unabhängige Labels", so Salamon.

Anders ausgedrückt: viele der Gesichter, auf die die Verantwortlichen für das Country-Programm lange vertrauten, finden nun einfach Einzug in die Sender mit neu gemischten Unternehmenskarten.

Mike Kraski, Präsident der Equity Music Group, gehört zu diesen vertrauten Veteranen, die, zusammen mit anderen, wie Scott Borchetta, Präsident/CEO von Big Machine Records, Sony und Universal sowie ihre ehemaligen Vorgesetzten bei diesen Labels mit dem schnellen Angriff wahrscheinlich überrascht haben.

"Als ich bei Equity anfing, war es noch nicht der Fall, dass unabhängige Labels genauso große Erfolge erzielen konnten wie große Labels, deshalb denke ich, ist "überrascht" vielleicht noch sehr milde ausgedrückt, so Kraski, der während seiner Zeit bei Sony mit den Dixie Chicks und Little Big Town zusammenarbeitete. "Schock wäre die vielleicht angemessenere Bezeichnung".

Image "Ich denke, dass sie uns auf alle Fälle Aufmerksamkeit schenken", so Borchetta, der beim Aufbau der Karriere von Reba McEntire und Keith beteiligt war, bevor er eigene Wege beschritt und mit Ingram seinen ersten Nummer-1-Hit landete, und das gerade einmal acht Monate nachdem er bei Big Machine im September 2005 begann. "Ich glaube, sie blicken auf das Geschäftsmodell und auf die Unkosten und wie schnell wir uns bewegen können."

Leichte, einfachere Aufnahmemethoden, solide Vertriebskanäle und die verstärkte Zunahme der Vermarktung über das Internet haben alle auf eine schöne Art und Weise die neuen Nashville Indies verbunden. Dies alles führt zu schnelleren Erträgen sowohl für das Label als auch für den Künstler, und erfreulicher Gewinnalarm - ein höheres Maß an kreativer Freiheit.

"Wir waren eine Band, die ausschließlich auf der Suche nach natürlichen Klängen war, und es war offensichtlich so, dass man, sobald man bei einem großen Label ist, keinerlei Spielraum mehr innerhalb des Systems hat", so Phil Sweet, Sänger von Little Big Town. "Was wir machen wird niemals Durchschnittsmusik für Country Radio sein. Wenn man bei einem unabhängigen Label ist, schafft man viele Zweifel aus der Welt und muss nicht mehr so viel hinterfragen und man fällt eine klare kreative Entscheidung anhand des Bauchgefühls.

Das sind gute Neuigkeiten für Fans von Country-Musik. Mit der wachsenden Bedeutung der unabhängigen Labels können sie nach wie vor Künstlern zuhören, die sie schon seit Jahren lieben, wie Black und Tillis, während sie neue mit anderer Musik entdecken.

"Der nächste große Hit kann überall entstehen", so Salamon. "Dafür ist nicht mehr der Vorteil nötig, über den normalerweise ein großes Label verfügte."

Image "Das passiert sogar noch schneller als es das Radio eingesteht", so Borchetta. "Die Menschen bewegen sich schneller. . . . Das Internet bewegt sich schneller. Doch im Großen und Ganzen ist es wahr, dass das Radio noch etwas zurück ist, was die aktuelle Leidenschaft angeht. Jedoch wird das Radio aufholen.

Diese Veränderungen bedeuten jedoch nicht, dass "wir jeden Tag gegen den Strom schwimmen", so Kraksi.

Es ist sicherlich härter für mich, eine Platte immer höher in den Charts zu platzieren als es für die großen Labels ist. Dies ist jedoch nicht länger auf eingefahrene Vorurteile, Glaubensmangel oder den Wunsch nicht erfolgreich zu sein zurückzuführen."

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