Seit ihrer Veröffentlichung im September 2005 wurde die DVD "Livin' Right Now" von Keith Urban mehr als 130.000 mal verkauft. Aber hohe Herstellungskosten, begrenzte Werbemittel und unsichere Verkaufsaussichten tragen weiterhin dazu bei, dass die Anzahl der Konzert-DVDs, welche Plattenfirmen den Countryfans anbieten, beschränkt bleibt. Üblicher - und weniger kostenintensiv - sind DVDs mit Zusammenstellungen aus bereits veröffentlichten Musikvideos des Künstlers.

Innerhalb von zwei Monaten nach der Veröffentlichung im April 2004 wurde "You Do Your Thing: The DVD" von Montgomery Gentry , auf der sich sechs Videos des Duos befinden, mit Gold ausgezeichnet (für den Verkauf von 50.000 Stück). Die "Video Hits"-DVD von Urban - ebenso ein Sechserpack - wurde 20 Monate nach ihrem Debüt im Februar 2004 mit Platin ausgezeichnet (100.000 Stück).

ImageDer Vizepräsident für den Verkauf bei Capitol Records Nashville, Bill Kennedy, erklärte, dass die Konzert-DVD von Keith Urban, die im Wiltern Theatre in Los Angeles aufgenommen wurde, nur eine dieser Art sei, die die Firma in der letzten Zeit gemacht habe. "Wir haben damit alle unsere Erwartungen bezüglich des Verkaufs und unserer Absichten bei der Vermarktung von Keith erreicht", kommentierte er.

"Man kann diese Aufnahmen nicht nur dazu nutzen, den Kern der Fans zu erreichen", erklärte Kennedy weiter. "In Keiths Fall, wo wir einen großen Künstler, den 2005 CMA Entertainer des Jahres, haben, wollen wir diese Tatsache einfangen und den Fans die Möglichkeit geben, etwas Visuelles zu kaufen, so dass sie das nicht auf anderem Wege, z.B. auf dem Schwarzmarkt, besorgen müssen." (Die Technik ist inzwischen so weit, dass Fans ganze Konzerte aufnehmen und verkaufen können.)

Kennedy erklärte, dass er der Meinung sei, die Künstler von Capitol, Trace Adkins und Dierks Bentley, seien "fast soweit", dass man auch von ihren Konzerten DVDs erstellen könne. "Da gehört viel dazu," erklärte er. "Im Endeffekt dreht man mehr als eine Veranstaltung und es dauert ein Weilchen." Obwohl die Herstellungs-, Bearbeitungs- und Lizenzkosten für Konzert-DVDs sehr unterschiedlich sind, schätzt Kennedy "als allgemeine Regel kann man sagen, wenn man eine Konzert-DVD macht, muss man mindestens 50.000 bis 100.000 Stück verkaufen."

ImageSeit 2004 hat Capitol zwei Musikvideo-DVDs über Adkins veröffentlicht. Nach Angaben der Recording Industry Association of America wurde die Erste zur Platinum-DVD (100.000 Stück) und die Zweite hat Goldstatus erreicht (50.000 Stück).

Urban, Sänger des Jahres 2006 bei der CMA, ist einer der angesagten Akteure in der Countrymusikszene, also wird sich eine DVD von ihm auch gut verkaufen. Aber gibt es eine Begründung für die Herstellung einer solchen DVD mit einen neuen, unbekannten oder einem gar älteren Künstler, der schon seit längerem aus den Charts verschwunden ist? Und wie wird die DVD finanziert?

Image Die PovertyNeck Hillbillies sind eine Siebenmannband aus der Gegend von Pittsburgh.

Seit 2002 haben sie eine so große regionale Fangemeinde aufgebaut, dass sie sich eine Reihe wohlhabender Sponsoren sichern konnten, vor allem 84 Lumber, Cricket-Mobiltelefone und Coors Light-Bier. Letztes Jahr hat der öffentliche Fernsehsender von Pittsburgh WQED die Hillbillies in sein Studio geholt und eine Liveaufführung mitgeschnitten. Die Veranstaltung wurde zu einem Teil des Programms von WQED, einer Spezialsendung, die anderen öffentlichen Sendern angeboten wurde, und zu einer Verkaufs-DVD für Fans.

1997 hat der Sänger Don Williams eine Fernsehcrew mit zur Aufnahme eines seiner Konzerte in Zimbabwe, einem Land, in dem er eine große und sehr hingebungsvolle Anhängerschaft hat, genommen. Anfangs hat Williams, der 1992 am Ende der Chartsliste stand, bei seinen Auftritten VHS-Kasetten von "Into Africa" verkauft. 2004 hat sein Label Intersound Compendia "Into Africa" als DVD herausgegeben. Danach hat Robert Pratt, der Manager von Williams Verträge ausgehandelt, um die Veranstaltung landesweit an verschiedene öffentliche Fernsehsender zu verkaufen.

Image In den letzten Monaten hat WNPT, die Verkaufsstelle von Nashvilles öffentlichem Fernsehen, sowohl "PovertyNeck Hillbillies Live" als auch "Into Africa" gesendet. Dies zeigt deutlich, dass Konzert-DVDs auch außerhalb ihrer üblichen Fangemeinde Zuschauer für Künstler finden können, wenn sie ordnungsgemäß für die Übertragung lizenziert sind.

Der Programmdirektor von WNPT Harmon MrBride erklärte, dass WQED ihm eine Kopie der Hillbillies-DVD geschickt und ihn darum gebeten hatte, deren Sendemöglichkeiten zu überprüfen. "Ich war der Meinung, dass Programm sei gut und die Gruppe sei gut", erinnert er sich.

"PovertyNeck Hillbillies Live" wurde von NETA auch an andere öffentliche Fernsehsender verkauft.

Das Label der Band, Rust Records, lizenzierte die DVD von WQED so, dass sie zusammen mit dem Debütalbum der Band verkauft wurde. Die Show von Don Williams wurde bei WNPT zu einem Teil eines größeren Programmpakets, das WLIW/Long Island mehreren Sendern anbot.

Image "Das Ziel der Übertragung von "Into Africa" in öffentlichen Fernsehsendern war, den Amerikanern zu zeigen, dass sie hier einen Künstler haben, der so eine gewaltige Anhängerschaft in einem anderen Land hat", beschrieb Pratt. "Wir machen über das Jahr verteilt eine Reihe von Projekten mit öffentlichen Fernsehsendern - einige Konzerte mit Don in verschiedenen Teilen von Amerika. Das "Into Africa"-Video wird vor dem Konzert in der jeweiligen Region gesendet werden."

Die DVD wird im Rahmen der Gemeinschaftswerbung der öffentlichen Sender zum Verkauf angeboten.

"Die DVD von Rhonda Vincent & The Rage "Ragin' Live" wurde auf eine Stunde zusammengeschnitten und an mehrere Sender verkauft", erklärte McBride. Die gemeinsam von dem Vincents Label, Rounder Records und Marha White Flour finanzierte DVD wurde während einer Liveveranstaltung in der Sheldon Concert Hall in St. Louis aufgenommen.

Image Der Hauptzweck einer DVD, egal ob es sich dabei um ein Konzert oder eine Zusammenstellung handelt, ist es, ein Gefühl der Vertrautheit zwischen dem Künstler und den Fans zu erzeugen. Eins der besten, aktuellen Beispiele dafür ist "Gretchen Wilson undressed", eine Aufnahme von einer simulierten Jamsession nach dem Konzert im Charleston Civic Center in Charleston, West Virginia. Man sollte außerdem bedenken, dass die DVD "Rascal Flatts Live", die im September 2003 veröffentlicht wurde, bis März 2004 zweimal Platin holte. Toby Keith hat zwei Gold- und eine Platin-Auszeichnungen für DVDs, die alle aus Videozusammenstellungen bestehen, erreicht.

Es gibt mehrere Bluegrass-Konzert-DVDs darunter das "Telluride Bluegrass Festival" (aufgenommen auf der Veranstaltung 2003), Dolly Partons "Live and Well" (aufgenommen 2002 in Dollywood), Ricky Skaggs & Kentucky Thunder's "Soldier of The Cross: The Concert" (aufgenommen 2003 im Gibson Bluegrass Café in Nashville), das Platin-Album "Alison Krauss & Union Station Live" (aufgenommen 2003 in Louisville Palace), "A Gospel Bluegrass Homecoming" (aufgenommen 2003 an der Fisk University in Nashville) und "Bluegrass journey: a documentary" (veröffentlicht 2005).

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