Charles Esten: Ich bin zu 100 Prozent Deacon Claybourne

Charles Esten

Nach etlichen Single-Vorboten veröffentlich "Nashville"-Star Charles Esten jetzt sein Debüt-Album "Love Ain't Pretty", das er im Mai auch auf deutschen Bühnen vorstellen wird. Grund genug, für ein Zoom-Interview mit dem singenden Schauspieler. Pünktlich auf die Minute ist der sympathische Star auf dem Bildschirm zu sehen, im Hintergrund die Kulisse des Times Square von New York.

Charles Esten im Interview mit CountryMusicNews.de über sein Debüt-Album und seine anstehende Tournee

Charles, Du veröffentlichst mit 58 Jahren Dein Debüt-Album "Love Ain't Pretty". Könnte man sagen: besser spät als nie?

Du triffst den Nagel auf den Kopf, genauso ist es. Ich habe zwar im Laufe der Jahre eine Menge Musik gemacht, aber "Love Ain't Pretty" ist tatsächlich mein erstes Album. Viele Leute fragen mich, warum das so lange gedauert hat. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in Nashville und es heißt immer, Nashville sei eine Zehn-Jahres-Stadt. Es dauert eine Dekade, bis sich was tut, für mich gilt das offenbar auch. Mit dem Album bin ich aber jetzt so richtig glücklich: Ich bin der Künstler, der ich sein wollte, ich sage die Dinge, die ich sagen wollte. Also es stimmt voll und ganz: lieber spät als nie.

Herzlichen Glückwunsch! Es muss ein tolles Gefühl für Dich zu sein. Es heißt ja immer, eine Albumveröffentlichung die die Geburt eines Kindes. Geht es Dir ähnlich?

Ja, das geht hin. Es sind aber 14 Babys. Jeder einzelne Song von "Love Ain't Pretty" ist ein Baby für mich. Deshalb kann ich auch nicht sagen, welcher Song mir am wichtigsten ist. Alle liegen sie mir - genau wie meine drei Kinder - gleich stark am Herzen.

Wie lange hast Du an dem Album gearbeitet?

Eigentlich begann ich damit, als ich vor zehn Jahren nach Nashville gekommen bin. Aber der älteste Song des Albums ist vier Jahre alt. Damals hätte ich schon loslegen wollen und hatte ein paar Songs fertig, aber dann kam COVID-19. Und das änderte alles. Die Songs haben sich irgendwie nicht mehr richtig für mich angefühlt. Deshalb habe ich mich mit neuen Leuten umgeben und noch einmal von vorne angefangen.

Habt Ihr für die Songs eine Vorproduktion gemacht?

Ja, das haben wir. Denn wenn Du im Studio sitzt und noch an Songs arbeitest, dann tickt die Uhr - und das bedeutet, dass es Geld kostet. Deshalb haben wir von allen Tracks eine Vorproduktion gemacht, wo wir Tempo, Akkorde und Arrangement festgelegt haben. Damit sind wir dann ins Studio und die Musiker haben das dann umgesetzt - und zwar perfekt.

Du bist von allen 14 Titeln Co-Autor. Wie verhält sich der Writing-Process mit den anderen Co-Autoren?

Das war meist unterschiedlich. Bei "Somewhere in the Sunshine" kam beispielsweise Jon Nite mit einer Idee an. Er ist ein unglaublicher Songschreiber. Aber ich habe dann meinen Teil dazu beigetragen. Jon hatte die Idee für einen richtigen Gute-Laune-Sonne-Strand-Meer-Song - doch ich war während der Zeit gerade viel mit einem guten Freund zusammen, der gerade mit Krebs zu kämpfen hatte. Deshalb brachte ich diese nachdenkliche Note ein, was die Stimmung des Songs natürlich veränderte. Oder nehmen wir "Down the Road". Der Track ist im Studio entstanden, als ich mit Eric Paslay und Dylan Altman eine Session gemacht habe. Oder "In a Bar Somewhere". Der entstand während COVID, als ich auf Barbados in einem Hotelzimmer unter Quarantäne stand. Ich war dort wegen der Outer Banks-Drehaufnahmen und habe mit den Songschreibern Jason Gantt und Neil Medley eine Video-Konferenz gemacht. Eine ganze Woche musste ich in diesem kleinen Hotelzimmer bleiben und das Beste, was ich tun konnte, war an diesem Song zu arbeiten. Nach dieser Quarantäne-Zeit war er schließlich fertig. Du siehst, jeder Track hat seine eigene Geschichte.

Was fällt Dir leichter: die Texte schreiben oder die Musik komponieren?

Hm, das ist nicht so leicht zu beantworten. Für mich ist das wie Einatmen und Ausatmen. Du machst besser beides, Brother (lacht).

Verstehe. Doch was geht Dir leichter von der Hand: ein Uptempo-Rock-Track oder eine Ballade? Von beiden bietest Du Songs auf "Love Ain't Pretty" an.

Auch da muss ich sagen, dass es mir gar nicht so wichtig ist. Lustig aber ist, dass uns irgendwann mal aufgefallen ist, dass wir eine ganze Reihe von Balladen auf dem Album haben, aber alle meine Balladen rocken! Sogar "Candlelight", das ich mit Kenny Alphin und Eric Paslay geschrieben habe und nun wirklich eine waschechte Ballade ist. Trotzdem rockt auch dieser Song. Also ganz egal was ich mache, so ganz kann man mir den Rock nicht austreiben (lacht).

Das ist nicht zu überhören. In einigen Songs erinnerst Du mich sogar an Bruce Springsteen.

Danke, das höre ich gerne. Denn Bruce hat mich in vielerlei Hinsicht sehr stark beeinflusst. Vielleicht so sehr, wie ich es gar nicht sagen kann. Er ist mir ein Vorbild im Songwriting und auch wie er singt, wie er mit seiner Stimme umgeht. Ich habe Springsteen am Broadway bei einer Solo-Show gesehen und ich war hin und weg. Das hat mich dazu inspiriert, dass ich bei meiner Deutschland-Tournee nur mit einem Klavier-Spieler komme und die Band zu Hause lasse. Klar, man hat zwar dann nicht diesen wuchtigen Sound, aber man gewinnt eine neue Unmittelbarkeit und Intimität. Ich freue mich schon riesig darauf.

Welche Sänger gehören noch zu Deinen Lieblingen?

Ich mag Bono, ich liebe die Band Squeeze und auch Buddy Holly. Und natürlich die Beatles, Paul McCartney und John Lennon waren einfach fabelhaft.

Die Welt spielt gerade verrückt. Doch Deine Musik ist voller Optimismus und Liebe. Wie hast Du das hinbekommen?

Ich bin Dir dankbar, dass du das sagst. Okay, nehmen wir nur mal den Titelsong, er heißt "Love Ain't Pretty". Ja, es stimmt, Liebe kann hart sein, sie kann dich in die Knie zwingen und dir das Herz brechen. Aber die andere Wahrheit ist, dass sie wunderschön ist. Darum geht es mir: Den tieferen Sinn in den Dingen zu sehen und für jemanden anderen da zu sein - wie in dem Titel "Make You Happy" thematisiert. Ja, das Leben ist manchmal hart, aber die Liebe ist immer da und damit auch die Freude.

Musik ist mächtig, sie kann deine Stimmung verändern und dich auf neue Gedanken bringen...

Richtig. Das habe ich gelernt, als ich Deacon in der Serie "Nashville" spielte. Da kamen plötzlich Leute zu mir und sagten mir, wie viel ihnen dieser oder jener Song bedeutete. Wenn du das einmal gehört hast, verändert das dein Songwriting.

Danke für das Stichwort, es bringt mich zu meiner nächsten Frage: Wie viel von Charles Esten steckt in Deacon Claybourne?

Ha, gute Frage! Hier meine Antwort: Deacon Claybourne ist zu 100 Prozent Charles Esten. Er ist aus mir gemacht. Er ist ein Teil, eine Facette von mir. Was ich an der Figur so liebte ist, dass er so viele Eigenschaften hatte. Er konnte liebevoll sein, er konnte wütend und gewalttätig sein, er konnte untröstlich sein. Er konnte lachen, er konnte trauern. Ich habe in diesen Charakter so viel von mir hineingesteckt, wie ich nur konnte und am Ende war er ein Teil von mir.

Hast Du noch Kontakt mit Deinen Kollegen und Kolleginnen vom Nashville-Cast?

Oh ja. Wir schreiben uns und telefonieren gelegentlich. Nicht mit allen, aber mit einigen. Beispielsweise mit Sam Palladio der Gunner und Clare Bowen, die meine Nichte gespielt hat. Und mit Jonathan Jackson und Chris Carmack bin ich auch noch in Kontakt. Wenn wir abhängen, ist es noch genauso wie damals beim Nashville-Dreh, die Wellenlänge stimmt mit ihnen einfach. Vor kurzem habe ich auch mit den beiden Stella-Mädchen, mit Maisy und Lennon gefrühstückt. Ich liebe sie von ganzem Herzen und bin so stolz auf sie.

Nashville verändert sich, die Stadt wächst und wächst. Wie siehst Du das?

Stimmt. Wer sich die Hubschrauber-Aufnahmen von den ersten Nashville-Folgen ansieht, wird die Stadt heute kaum mehr erkennen. Überall wird gebaut. Überall entstehen neue Hochhäuser. Nicht umsonst nennt man Nashville längst "Crane-City" wegen der vielen Kräne auf den Bauplätzen. Die Serie hat natürlich zu dem Boom beigetragen. Andererseits gibt es immer noch die Kultstätten: das Bluebird-Café, das Ryman Auditorium, die Grand Ole Opry, die Clubs vom Broadway. Man baut diese pulsierende große Stadt, aber man versucht, das zu bewahren, was sie so besonders macht.

Du kommst im Mai für vier Termine nach Deutschland. Was können deine Fans erwarten?

Es ist die "Love Ain't Pretty"-Tournee, also werde ich etliche Songs von dem Album spielen. Aber ich werde auch Deacon mit einbringen und etliche Nashville-Songs performen - genau wie einige meiner alten Songs und etliche, vielleicht überraschende Cover-Versionen. Was ich versprechen kann ist, dass ich alles dafür tun werde, um diesen Abend für meine Fans unvergesslich zu machen.

Charles, vielen Dank für das Interview!

Ich danke Dir! Und ich hoffe, wir sehen uns bei einer meiner Shows im Mai in Deutschland.

vgw
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