Sam Hunt - Southside

CD Cover: Sam Hunt - Southside

Glaskugel und Kaffeesatzleserei sind nicht notwendig: Sam Hunts neues Album "Southside" wird Nummer eins in den amerikanischen Country-Charts! Wetten, dass...?

Die Quote für eine Wette, dass Sam Hunt auch mit seinem zweiten Album "Southside" den Country-Thron erklimmen wird, dürfte bei Buchmachern mäßig ausfallen. Zu groß sind schließlich seine Chancen fürs Gelingen, zu gut die Voraussetzungen. Und beliebt ist der Mann aus Cedartown, Georgia, sowieso. Außerdem ist es Sam Hunt geglückt - trotz langer Album-Pause - nicht in Vergessenheit zu geraten.

Riskant aber war dies dennoch: Schließlich sind seit seinem umjubelten Nummer-eins-Debüt "Montevallo" ganze sechs Jahre verstrichen. Eine kleine Ewigkeit im schnelllebigen Musik-Business. Doch Sam Hunt, der ehemalige Quarterback an verschiedenen Uni-Football-Teams, ist ein cleverer Knabe. Er streute immer wieder kleine Appetithappen aus: das 2015 veröffentlichte "Between the Pines: Acoustic Mixtape" beispielsweise oder Singles wie "Make You Miss Me" und "Kinfolks".

Sam Hunt trifft mit "Southside" den Nerv der Zeit

Letzter Track findet sich auch unter dem Song-Dutzend von "Southside" - und bietet genau jene Klänge und Vibes, die Sam Hunt zum Country-Superstar machten: moderne Arrangements, solider Beat, Roots-Elemente und Rap-Anleihen plus: eine gehörige Prise Wehmut und Romantik. Ein Zwitter aus weich und hart, aus modern und traditionell, aus Stadt und Land. Neben Hunt waren an dem Single-Vorboten seiner zweiten CD noch Zach Crowell, Jerry Flowers und Josh Osborne als Autoren beteiligt.

Wie sich auf "Southside" zeigt, ist der ehemalige Football-Star ein Team-Player. So zeichnen für die meisten der zwölf Tracks - neben Hunt - die erwähnten Co-Autoren sowie, ebenfalls ein Star der Zunft, Shane McAnally verantwortlich. Alles verdiente Hit-Lieferanten. Welche Formen das Co-Writing in Nashvilles Studios bisweilen annimmt, zeigt der Track "Hard to Forget", bei dem sich gleich acht Songwriter die Credits teilen müssen (u.a. Ashley Gorley und Luke Laird).

Kann das gut gehen? Schließlich ist sich der Volksmund seit Jahrhunderten sicher, dass viele Köche den Brei verderben würden. Nun, Sam Hunt tritt mit dem Song den Gegenbeweis an: Der extrem lässige, gut gelaunte, mit Reggae- und Karibik-Flair turtelnde Titel kann gar nicht anders, als Hit. Wer die Klänge von Kenny Chesney während einem seiner Karibik-Törns mag, wird "Hard to Forget" lieben. So ist es kein Wunder, dass den Titel fast eine Million User innerhalb von nur zehn Tagen auf YouTube klickten.

Ex-Quarterback Sam Hunt spielt in seiner eigenen Liga

Doch Hunt kann auch anders. In dem geheimnisvollen Titel "Sinning With You" (Mit Dir sündigen) breitet der singende Kleiderschrank seine sensible und nachdenkliche Seite aus. Zu sparsamen, größtenteils akustischen Tönen liefert er eine großartige Performance ab. Hier zeigt er, dass er in seiner noch eher kurzen Karriere zu einem fantastischen, jederzeit glaubhaften Interpreten gereift ist - der dazu in seiner eigenen Sound-Liga spielt. Auch, weil der smarte Künstler in seinen Tracks nicht nur auf die üblichen Themen und Inhalte setzt. In dem Song "Breaking Up Was Easy In The 90s” beschreibt der 1984 geborene Musiker trefflich das Lebensgefühl zum Ausklang des letzten Jahrtausends.

Und auch das mit Tex-Mex-Feeling ausgestattete "Downtown’s Dead" hat mehr soziodemografische Einblicke zu bieten, als die üblichen Kleinstadt- und Dorf-Kamellen vieler seiner Kollegen und Kolleginnen. Erstaunlicherweise kann er sogar Sauf-Songs bisher unerhörte Facetten abringen. Mit "Drinkin' Too Much", ein Song, den er bereits 2017 veröffentlicht hat und seitdem über sechs Millionen Mal auf YouTube gestreamt wurde, beendet Sam Hunt den Songreigen von "Southside" - und wie! Anstatt das lustige Lied zünftigen Becherns anzustimmen, bittet er, nur von zaghaften Akustik-Gitarren-Akkorden begleitet, seine Liebste um Entschuldigung: Er hat zu viel getrunken. Er hat Mist gebaut. Er bereut es zutiefst und verspricht sich zu bessern. Sie hat ihm vergeben - auch darauf würde ich wetten…

Fazit: Sechs Jahre hat sich Sam Hunt mit seinem zweiten Album Zeit gelassen. Das Warten hat sich gelohnt, wie "Southside" mit einem fantastischen Song-Dutzend beweist. Klarer Fall von Hit.

Label: MCA Nashville (Universal) VÖ: 3. April 2020
01 2016
02 Hard to Forget
03 Kinfolks
04 Young Once
05 Body Like a Back Road
06 That Ain't Beautiful
07 Let It Down
08 Downtown's Dead
09 Nothing Lasts Forever
10 People Like Us
11 Breaking Up Was Easy in The 90's
12 Drinkin' Too Much

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ralffreds Avatar
ralffred antwortete auf das Thema: #58894 6 Monate 1 Woche her
Das Album habe ich angehört und leider sofort unter "nie mehr" einsortiert. Hier ist ein ordentliches Popalbum oder ein extrem schwaches Countrymusicalbum herausgekommen. Leider gar nichts für real Coutrymusic.
Haralds Avatar
Harald antwortete auf das Thema: #58895 6 Monate 1 Woche her
Hallo Gunther,
auch auf SRF 1 ist dieses Album am Sonntag Abend als das Maß aller Dinge vorgestellt worden.
Ich habe jetzt nicht das ganze Album gehört, sondern nur drei Songs.
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass Musik immer Geschmackssache ist und von jedem anders aufgenommen wird.
Aber wenn das Countrymusic, so wie ich das verstehe, sein soll, dann mag das für 15-25 jährige Rap-Fans in Amerika ideal sein. Für mich ist das nicht einmal anhörbar. Und schon gar nicht kaufbar.
Ich weiß, dass ich ein bisschen altmodisch bin. Aber ich habe Mitte der 70 iger Jahre den damaligen Pop- und Discomist schon nicht anhören können und bin dann auf die Countrymusic gestoßen. Und für mich gehören zu guter Countrymusic bestimmte Instrumente, die sich von der Pop-und Rapmusik unterscheiden. Das fehlt hier bei Sam Hunt komplett.
In der Sendung wurden auch einige Songs von John Prine vorgestellt und auch verschiedene Songs, wo von anderen Interpreten gesungen wurden. Das ist Countrymusic.
Aber jedem das Seine. Ich wünsche Sam, dass er Platz 1 der Charts erreicht und glücklich damit wird.
Das ist die Meinung von
Harald
Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #58896 6 Monate 1 Woche her
@ rallfred Ich gehe jetzt mal davon aus, das du sein letztes und erstes Album nicht gehört hast, sonst wäre dir dieser "Schock" ersparen geblieben.

@ Harald Deine Aussage " Und für mich gehören zu guter Countrymusic bestimmte Instrumente, die sich von der Pop-und Rapmusik unterscheiden. Das fehlt hier bei Sam Hunt komplett." kann ich jetzt nicht so ganz nachvollziehen.

Ich habe mir jetzt die Songs nicht komplett angehört, nur Ausschnitte bei der Internetseite mit dem großen Fluss :-) Also bei dem Song "2016" und "That ain't beautiful" hört man die Steelguitar etwas im Hintergrund, bei "Let it down" und "Downtown's dead" hört man das Banjo und bei "Nothing lasts forever" hört man eindeutig die Fiddle.

Aber es stimmt schon, das Album ist doch sehr Pop haltig, wie es eben viele Countrykünstler machen, wie Thomas Rhett, Dan + Shay, Kelsea Ballerini, Maren Morris oder Old Dominion um nur mal ein paar zu nennen.

Naja, Pop verkauft sich halt besser als Country........siehe Taylor Swift :-) :-( :-)
Haralds Avatar
Harald antwortete auf das Thema: #58897 6 Monate 1 Woche her
Hallo Joschi,
vielleicht hätte ich meine Hörgeräte einsetzen sollen. :cheer: :cheer: Aber ich möchte eine Fiddle, ein Banjo ,eine Steelguitar wirklich "hören" und nicht irgendwo durch Zufall im Hintergrund zufällig mitbekommen, damit man es noch als Countrymusic laufen lassen kann.
Es gibt auch Songs von Jürgen Drews, wo er Banjo spielt. Ist das deswegen Countrymusic??
(Kleiner Hinweis: Ich habe Jürgen 1980 einmal durch Zufall live in einer Discothek gehört. Und da hat er unter anderem Banjo gespielt. Und das war wirklich klasse.)
Aber ich habe da als großer Bluegrassfan sicher andere Ansprüche als Fans der neuen Mainstreammusic made in Nashville.
Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #58898 6 Monate 1 Woche her
Vor einiger Zeit hätte ich jetzt gesagt, da bin ich zu 100% bei dir, wenn ich Country hören will, dann soll auch Country drin sein, heißt, Fiddle, Steelguitar und/oder Banjo im Vordergrund zu hören sein.

Mittlerweile sehe ich das aber etwas anders. Früher hab ich immer gesagt, das o. g. ist richtige Countrymusik. Jetzt nenne ich sie eher "tratitionelle Countrymusik", wie sie ein Garth Brooks, George Strait oder Alan Jackson noch heute macht. Man kann die "tratitionelle Countrymusik" auch vielleicht als "texaninsche Countrymusik" bezeichnen.

Dazu gibt es für mich heute auch Country-Pop, wie Thomas Rhett oder Keith Urban, Country-Rock wie Jason Aldean oder Brandley Gilbert und noch Country-Rap wie vorallem Colt Ford.

Ich kann nur sagen, Gott sei dank ist die Countrymusik nicht wie Heavey Medal oder Hip-Hop, kennste ein Künstler, kennste alle Künstler, sondern ist sehr vielzeitig, so das sich jeder das raussuchen kann was er mag.

Ich möchte da an den leider verstorbenen Kenny Rogers erinnern, der nun auch nicht die typischen Countryinstrumente benutzte (soweit ich weiß) und niemand würde ihn wohl nicht als Countrysänger bezeichnen.

Da du Harald eher auf Bluegrass stehst, wirst du wohl mit den aktuellen Countrycharts nichts anfangen können.

Empfehlen könnte ich dir da Jon Pardi, der sehr tradionelle Countrymusik macht, er selbst ist ja ein großer George Strait Fan oder Cody Johnson, wobei er nun wieder sehr ins Rock reingeht, aber nicht so Krass wie Jason Aldean und noch krasser wie Brandley Gilbert :-) :-( :-)