Granger Smith - Remington

CD Cover: Granger Smith - Remington

"Remington" ist das bereits achte Album von Granger Smith und enthält seinen ersten Top 10 Hit "Backroad Song".

Ein Hit kann alles verändern. Das durfte jetzt auch Granger Smith erfahren. Schließlich werkelt der aus dem texanischen Dallas stammende Sänger und Songschreiber schon seit knapp 20 Jahren an seiner Karriere. Bis zu seinem im letzten Jahr erschienenen Top-10-Hit "Backroad Song" allerdings weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jetzt aber gilt es, sein Album "Remington" soll Granger Smith endgültig auf Erfolgskurs bringen.

Eines steht fest: ist kein Mann, der sich schnell entmutigen lässt. Andernfalls hätte er längst die Flinte - kein hinkender Vergleich in seinem Falle - ins berühmte Korn geworfen. Schließlich debütierte der optisch ganz auf All-American-Boy getrimmte Sänger und Songschreiber bereits 1998 mit dem Album "Waiting On Forever". Man könnte ihm mit dem Albumtitel fast prophetische Fähigkeiten unterstellen, hätte er 17 Jahre und sieben Alben später nicht diesen musikalischen Türöffner präsentiert: "Backroad Song". Ein Titel, dem man im letzten Jahr schlichtweg nicht auskam. Der Song war geradezu omnipräsent im Radio, landete in den Top 10.

Mit "Backroad Song" landete Granger Smith seinen ersten Top-Hit

Eine völlig neue Erfahrung für den musikalischen Sturkopf, der mit seinen selbst produzierten Alben bisher nur Flops einfuhr. Das ist umso erstaunlicher, da Granger Smith schon mit 19 Jahren nach Nashville ging und da auch recht schnell erste Erfolge feiern konnte. Nun ja, irgendwann aber machen sich Hartnäckigkeit, Kontakte, Erfahrung und Talent offenbar bezahlt. In seinem Fall war das seine EP "4x4", die er zusammen mit Hit-Nase Frank Rogers produzierte, und darauf war - richtig! - jener "Backroad Song". Rogers, der den Hit mit komponierte, stellte Smith für die Sessions ein Top-Studio-Team zu Seite, darunter: Drummer Shannon Forrest, Keyboarder Tim Lauer, Bassist Michael Rhodes und Gitarrist Kenny Greenberg. Und schon bekommen die Songs des Texaners eine neue Qualität. Zumindest klangtechnisch.

Natürlich will Granger Smith jetzt den Schwung, das Momentum des Hits in das neue Album überführen. Da ist es auch nur zu verständlich, dass er die mit elf Titeln (plus vier Bonus Tracks) ausgestattete CD "Remington" mit "Backroad Song" eröffnet. Der Song ist längst so etwas wie die persönliche Visitenkarte des späten Newcomers. Aber auch die Messlatte, mit der der geneigte Hörer die anderen 14 Tracks von "Remington" vergleicht.

Schon nach dem ersten Durchhören von "Remington" muss man zwei Dinge feststellen. Erstens: Es findet sich kein zweiter "Backroad Song" drauf. Zweitens: dafür aber etliche, die ähnlich (gut) klingen. Jedenfalls sind gleich mehrere Titel nach dem gleichen, unbeschwerten Hit-Strickmuster gefertigt. Songs, die zum Mitsingen einladen und sich hervorragend fürs Autoradio eignen. Songs wie "Tonight", "If The Boot Fits", "Blue Collar Dollars", "Echo" oder "Likin’ Love Songs".

"Remington" - starke, vorhersehbare, aber auch irritierende Songs

Die fröhlichen, aber auch vorhersehbaren Melodiestrukturen übernimmt Granger Smith sogar dann, wenn er das Tempo auf "Remington" drosselt und die Stimmung für eine Ballade wie "Tonight" dämpft. Diese fehlende Abwechslung - vielleicht müsste man auch sagen: der fehlende Mut zur Kreativität - ist ein Manko von "Remington". Ein weiteres machen die Texte aus, die nahezu durch und durch gängige Country-Klischees - PickUps, Bier und Waffen - bedienen.

Manchmal aber führen ausgetretene Pfade dennoch zu einem tiefer gehenden Song - wie "Tailgate Town" und das wirklich vollauf gelungene "Tractor" belegen. Recht ordentlich fällt auf "Remington" auch "Crazy As Me" aus, das Duett mit der blonden Nashville-Sirene Brooke Eden. Das gilt leider nicht für die Vorstellung seines Redneck-Alter-Egos "Earl Dibbles, Jr.". Mit dergleichen schizophrenen Experimenten hat schon einst Garth Brooks Schiffbruch erlitten, als er als Rocker Chris Gaines ins Rampenlicht trat und für reichlich Verwirrung sorgte. Warum nun Smith in eine andere Haut schlüpft, um in Titeln wie "City Boy Stuck" und "Merica" lärmigen Bro-Country zu machen, bleibt jedenfalls ein Rätsel.

Fazit: Gutes, aber kein überragendes Album, des spät gestarteten Granger Smith. Wer "Backroad Song" mag, wird aber allemal auch Gefallen an "Remington" finden.

Label: Wheelhouse (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 4. März 2016
01 Backroad Song
02 Tonight
03 Remington
04 If the Boot Fits
05 Tailgate Town
06 Blue Collar Dollars
07 Crazy as Me (mit Brooke Eden)
08 Likin' Love Songs
09 Tractor
10 Echo
11 Around the Sun
12 More Minutes (GS Reloaded Bonustrack)
13 Country Boy Love (EDJ Reloaded Bonustrack)
14 City Boy Stuck (als Earl Dibbles, Jr.)
15 Merica (als Earl Dibbles, Jr.)

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