Cameran Nelson - Good Thing Going

CD Cover: Cameran Nelson - Good Thing Going

Ein neuer Name, ein neues Gesicht im Country-Zirkus: Cameran Nelson heißt der smarte Texaner, der mit "Good Things Goin'" das Nachfolge-Album für sein 2013 erschienenes Debüt "Happy to Beer" ins Rennen schickt. Seine Chancen? Na ja, nicht richtig schlecht. Aber wohl auch nicht so richtig super. Dafür fehlt es dem gutaussehenden, drahtigen, dreitagebärtigen Sänger vielleicht doch an der besonderen Note. Vielleicht auch ganz lapidar an richtig zwingenden Songs. Was aber nicht heißen soll, dass das Album schlecht ist. Ganz im Gegenteil.

Der aus Haskell, Texas, stammende Sänger bietet allemal grundsolide Hausmannskost: Strammen, geradlinigen Country-Rock, mit hübschen Hooklines und gelegentlich rabiaten Gitarren-Riffs; eine Fiddle sorgt immer wieder für Roots-Erdung und seine Stimme kann Ballade wie Party-Kracher. Kurzum: gute Voraussetzungen für ein ordentliches Album. Solide, ordentlich - so fallen auch die zwölf Titel der CD aus. Songs wie das flotte "The Little What We're Livin On", der gefühlvoll-lässige, an Kenny Chesney erinnernde Country-Rocker "Nothing's Gonna Nothin" sind schon mal aus robustem Country-Holz geschnitzt. Guter Stoff fürs Autoradio.

Doch natürlich lotet auch Cameran Nelson die emotionale Bandbreite im Verlauf der CD aus: Mit dem vorwurfsvollen "Look At What You've Done", dem eher provokanten "You Can Still Wear White" und dem aufgedonnerten "This'll Be A Memory" wartet er gleich mit mehreren Balladen auf. Nicht schlecht. Aber so richtige Rührung will sich trotz großer Sound-Kulisse nicht einstellen - vielleicht sogar genau wegen dieser großen Kulisse. Gerade bei Balladen kommt es, sollen sie den Hörer bewegen, vor allem auf Harmonien und Inhalte an. Sind diese zu dürftig, müssen, beziehungsweise sollen es meist meterdicke Arrangements richten. Doch das haut nur in den seltensten Fällen hin. Vielleicht ein Trost für den Newcomer.

Neben den Tränen fließt in heutigen Country-Songs natürlich stets auch reichlich Bier. Dass der Mann kein Kostverächter ist, hat er mit seiner "Happy to Beer" betitelten Vorgänger-CD bereits mehr als klar gemacht. Mit "Beer Lease" huldigt er dem Gerstensaft auch auf seinem neuen Album - und siehe da: ein buchstäblich süffiger Track. Bei dem typischen Drinkin' Song bekommt Nelson gesangliche Unterstützung seines texanischen Buddies Kevin Fowler. Das Duo macht allemal Laune.

Weniger gut fällt dagegen das vermutlich ironisch gemeinte und in biedere 80ies-Rock-Klamotten gesteckte "Lady's Man" aus. Und auch das auf Pathos und Klavier-Geklimper setzende "Rubbin It In" gehört nicht zu den Glanzlichtern der CD. Das setzt schon eher der rotzig-rockende Opener "Shotgun"; ein kraftstrotzender, testosteron-geschwängerter Country-Rocker mit erstklassigen Melodien und starken solistischen Elementen. Mehr davon- und das Album wäre nicht nur ordentlich, sondern vielleicht sogar außerordentlich. Vielleicht ja beim nächsten Mal...

Fazit: Grundsolider Country-Rock, mit den üblichen Partysongs und Balladen. Man würde den Sänger gerne mit noch besseren Songs hören. Denn Potential hat der Mann.

Label: Miles Power (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 4. Dezember 2015
01 Shotgun
02 Nothings Got Nothin'
03 That Little We're Livin' On
04 Look At What You've Done
05 You Can Still Wear White
06 Lady's Man
07 Beer Lease (mit Kevin Fowler)
08 This'll Be A Memory
09 Good Thing Going
10 Almost You
11 Rubbin It In
12 Whiskey #5

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