Jeff Bates - Me And Conway

CD Cover: Jeff Bates - Me And Conway

Immer wieder musste sich Country Music Sänger Jeff Bates im Laufe seiner Karriere anhören, dass seine Stimme der vom legendären Conway Twitty zum verwechseln ähnlich sei. Das ist auf der einen Seite natürlich ein schönes Kompliment, andererseits raubt es dem eigenen musikalischen Schaffen ein wenig die Energie. Doch wer krampfhaft versucht, sich einem von der Öffentlichkeit geprägten Image zu widersetzen, führt einen Kampf gegen Windmühlen. Und so tritt Bates nun die Flucht nach vorne an. Sein erstes Studio-Album seit sechs Jahren trägt den vielsagenden Titel "Conway and Me", und beinhaltet neben sechs eigenen Songs auch ein halbes Dutzend Titel aus dem Repertoire des Altmeisters.

Den passenden Auftakt serviert Bates mit dem Titelsong, der sich als eine standesgemäße Hommage an Twitty entpuppt. "Er sang jedes Wort, das ich sagen wollte", singt Bates im Refrain, und meint damit eine Romanze mit einer Frau. Gemeinsam hört er sich mit ihr die großen Stücke Conways an, von "Hello Darling" bis "I Wanna Lay You Down". Letztendlich verliebt sich seine Angebetete nicht nur in ihn, sondern auch in die zeitlose Musik des 1993 verstorbenen Superstars. Ein fast schon rührendes Bild, das Bates hier zeichnet. Die lockere und muntere musikalische Untermalung tut ihr übriges, um "Conway and Me" zu einem echten Anspieltipp zu machen.

Zu den weiteren Songs, die der 51-jährige aus seinem eigenen Köcher zaubert, zählt auch die verträumte Nummer "Sleepin' In". Die tiefe Reibeisen-Stimme des Country-Sängers kommt hier voll zur Geltung und sorgt für eine wohlige Stimmung. Auch "If Heaven Had a Phone" ist von der langsameren Gangart, und weiß mit einem sehr emotionalen Text zu überzeugen (Wie wäre es, mit geliebten Personen zu sprechen, die verstorben sind?). Aber es sind nicht nur die schweren Thematiken, die Bates liegen. "That Thing We Do" ist ein flotter Gute-Laune-Track, der Spaß macht. "Slow Burn" fällt in die Kategorie druckvolle Midtempo-Nummer und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Letztlich wäre da noch "Heaven Is a Hell of a Woman", das ebenfalls gefällt und ein wenig soulig angehaucht ist.

Die eigenen Songs wissen also zu überzeugen, doch kann Bates auch Conway das Wasser reichen? Diese Frage wird sich wohl jeder Fan selbst beantworten müssen, doch eines kann man getrost feststellen: Bates macht mit seinen Interpretation der Hits von "Mr. T" eine sehr gute Figur. "Don't Take It Away" zeigt bereits, welch enorme Variationen in der Stimme des Mannes aus Bunker Hill, Mississippi, stecken. Tief wie der Ozean und donnernd wie ein Unwetter walzt Bates' Stimme durch den Klassiker. Auch "She's Got a Single Thing On Her Mind" kommt in einer Qualität daher, die wirklich beachtlich ist. Es gehört immer eine Menge Mut dazu, die Titel einer musikalischen Legende zu covern. Für Bates zahlt sich dieses Wagnis aus. Selbst der Über-Hit "I'd Love to Lay You Down" fließt ihm butterweich von den Lippen, genauso wie "That's My Job" und "Lost in the Feeling". Wer jetzt schon aus dem Häuschen ist, dürfte beim letzten Song des Albums kaum noch zu halten sein, denn der hat eine ganz besondere Überraschung parat.

Bei "After the Fire is Gone" gibt sich keine Geringere als Loretta Lynn die Ehre, die 1971 diesen zeitlosen Song mit Conway auf Platz 1 der Charts katapultierte. Welch ein Ritterschlag für Bates! Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ähnlich magisch wie das Original, das einst die Massen verzauberte. Klar, Traditionalisten werden wahrscheinlich das Original bevorzugen, doch was Bates und Lynn hier zusammen fabrizieren, ruft pure Nostalgie hervor. Ein mehr als gelungener Schlusspunkt unter ein Album, das qualitativ wirklich hochwertig ist.

Fazit: Ob und in welchem Ausmaß Bates' Stimme nun der von Twitty gleicht, ist eine Frage der Interpretation. Unstrittig ist jedoch, dass Bates über außergewöhnliche Stimmbänder voller Farbe und Klangvielfalt verfügt. Sowohl mit seinen eigenen Songs als auch mit Conway’s unvergessenen Klassikern überzeugt er auf ganzer Linie.

Label: Red River (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 10. November 2014

  • Titelliste

01 Me and Conway 07 That Thing We Do
02 Don't Take It Away 08 That's My Job
03 Sleepin' In 09 Slow Burn
04 She's Got a Single Thing in Mind 10 Lost in the Feeling
05 If Heaven Had a Phone 11 Heavan Is a Hell of a Woman
06 I'd Love to Lay You Down 12 After the Fire Is Gone


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