Amos Lee - As The Crow Flies (EP)

CD Cover: Amos Lee - As The Crow Flies
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Redaktionswertung Bewertung: 5 Sterne = Meisterwerk
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"As The Crow Flies" ist, so könnte man sagen, Resteverwertung: Eine sechs Songs umfassende EP; Material, das während der Sessions zum vielgepriesenen, 2011 erschienenen Nummer-eins-Album "Mission Bell" entstand, es aber nicht auf jenes Album schafften. Warum eigentlich nicht? Die Songs sind erste Sahne. So viel zur "Resteverwertung"...

Eine EP ist natürlich immer irgendwie ein Kompromiss. Man bekommt, sind die paar Tracks gut, Lust auf mehr. Wird aber akustisch dann doch nicht satt. Andererseits: Wenn das halbe Dutzend Songs - wie in diesem Falle - so fein geschrieben, gesungen und eingespielt ist, dann hat das eine größere künstlerische Aussagekraft, als so manch banales Doppelalbum. Vermutlich wird sich der 1978 in Philadelphia geborene Singer/Songwriter und Americana-Star gedacht haben: Das nächste Album ist anders angelegt, da würden diese Tracks deplaziert wirken. Und andererseits sind die Songs zu gut, um nicht das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Recht hat er ...

Den kurzen Song-Reigen eröffnet das vier Minuten 40 Sekunden lange "The Darkness" - ein opulentes, an Filmmusik denken lassendes Werk. Ein mit Geigen, Klavier und fein dosiertem Pathos ausgestattetes Meisterstück an einschmeichelnden, weltentrückten Klängen und Worten. Keine Spur von Hektik stört das friedliche Miteinander. Ein Song, so wohltuend wie eine heiße Badewanne nach einem kalten Tag.
Wie sehr Amos Lee seit seinem 2005 erschienenen Debüt als Sänger an Format gewonnen hat, belegt der zweite Titel "Simple Things". Eine erneut mit ruhiger Hand vorgetragene Ballade, die neben der herrlichen Slide-Gitarre von Session-As Greg Leisz eben Amos Lees Gesang in den Mittelpunkt rückt. Rauh wie ein Joe Cocker auf Hustensaft, soulig wie der junge Van Morrison verbreitet er seine Ansichten über die leichten - und doch so schweren Dinge des Lebens. Ein Meisterwerk, das alleine schon den Kauf dieser EP rechtfertigt.

Bei dem nachfolgenden "Say Goodbye2 ziehen Lee und Mannen Tempo und Zügel etwas an. Mit nur etwas über zweieinhalb Minuten fällt dieser Abschied allerdings etwas kurz aus.
Zu kurz. Denn Amos Lee braucht für seine emphatisch vorgetragenen Werke den großen Rahmen. Und viel Zeit. Beides gilt für das anschließende "May I Remind You". Im extrem tempogedrosselten Drei-Vierteltakt spielen er und seine Begleitmusiker - neben Leisz agieren Drummer John Convertion, Geier David Mansfield und die Multiinstrumentalisten Joey Burns und Jaron Olevsky - alle ihre beachtlichen Qualitäten aus. Das spirituelle, mit leichtem Gospel-Einschlag ausgestattete "Mama Sail to Me" sowie das im Retro-Soul angesiedelte "There I Go Again" runden die EP hochkarätig ab.

Fazit: Die von Calexico-Frontman Joey Burns produzierte exzellent produzierte EP zeigt Amos Lee weiter auf künstlerischem Höhenflug. Von ihm ist noch viel Gutes zu erwarten.

Label: Blue Note (EMI) VÖ: 10. Februar 2012

  • Titelliste

01 The Darkness 04 May I Remind You
02 Simple Things 05 Mama Sail to Me
03 Say Goodbye 06 There I Go Again

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