Braxton Keith liegt nicht ganz falsch, wenn er auf seinem neuen Album sagt, er sei der "Real Damn Deal"
Auf dem gesamten Album "Real Damn Deal" finden sich Anklänge an Bob Wills, das Country-Radio der 90er Jahre, Western Swing und sogar Andeutungen von Croonern der 50er und 60er Jahre, doch nichts davon wirkt gekünstelt oder übermäßig nostalgisch. Braxton Keith klingt wie ein Künstler, der diese Musik wirklich lebt, und nicht wie jemand, der sie nur aus Modegründen nachahmt. Die größte Stärke des Albums ist diese Balance zwischen Old-School-Authentizität und zeitgenössischer Zugänglichkeit, die es ihm ermöglicht, zeitlos zu klingen, ohne altmodisch zu wirken.
Braxton Keith zeigt Herzschmerz, zerbrochene Beziehungen, einsame Bars, Reue und Sehnsucht
Die unmittelbarsten Höhepunkte des Albums sind seine ausgelassenen, temporeichen Rocknummern und Dancehall-Hymnen. "I Ain't Tryin'" ist ein herrliches Stück texanischer Retro-Fröhlichkeit, das auf einem schwungvollen, von Bob Wills inspirierten Groove basiert, der wie geschaffen für eine überfüllte Honky-Tonk-Tanzfläche klingt. Keith singt Zeilen wie "Ain't looking for no fling to start girl, but tell me what would be so wrong with some two stepping round?" mit einer frechen Unschuld, die direkt aus den 1950er Jahren zu stammen scheint, und untermalt den Song sogar mit einem wunderbar altmodischen "ah-hah!"-Ruf. Der stilvolle Tempowechsel in den letzten Sekunden hebt ihn noch weiter hervor. Der Titeltrack "Real Damn Deal" hingegen legt mit hämmerndem Klavier, scharfem Gitarrenspiel und Keith, der sich stolz als "a Midland kid" bezeichnet, bevor er kühn verkündet: "I'm the real damn deal!", noch eine Schippe drauf. Der Song ist selbstbewusst und unwiderstehlich tanzbar.
Genau diese Energie treibt einige der mitreißendsten Momente des Albums an. "Little Bit by Little Bit" ist wohl das Highlight unter den schnelleren Songs, angetrieben von knalligen Retro-Gitarren und einem ausgelassenen, galoppierenden Rhythmus, der in einen gewaltigen Refrain mündet, den man einfach mitsingen muss. Hier ist ein deutlicher Drake-Milligan-Einschlag zu spüren, gemischt mit klassischem 90er-Jahre-Country und einem starken texanischen Twang. Keiths gebrochenes Herz ist unter all dem Spaß immer noch präsent, während er in "Dr. Bartender" seine Einsamkeit wegtrinkt, doch der Song ist so ein Ohrwurm, dass die Traurigkeit ihn nie belastet. "Prescription" folgt einer ähnlichen Formel und liefert einen funkigen, von Geigenklängen geprägten Bar-Rocker, der wie geschaffen ist für Line Dance und Jukeboxen zu später Stunde. Texte wie "I got a case of the missing you shakes and tonight I need my fix" fangen perfekt die Fähigkeit des Albums ein, Herzschmerz mit ausgelassenem Spaß zu verbinden.
Braxton Keith versteht es zudem meisterhaft, charismatische Midtempo-Honky-Tonk-Songs voller Selbstbewusstsein und Persönlichkeit zu schreiben. "I Own This Bar" ist wunderbar funkig und verspielt, wobei Keith die Brust herausstreckt, während er versucht, eine Frau am anderen Ende der Bar zu bezaubern und zu überlisten. Zeilen wie "I'm John Wayne and, honey? I own this bar!" werden mit einem Grinsen vorgetragen, das man förmlich durch die Lautsprecher hören kann. Selbst das verschmitzte Lachen nach "You can't BS a bs-er" verleiht dem Ganzen Charakter. "That's How Hearts Get Broken" verfolgt einen ausgefeilteren und melodischeren Ansatz und beginnt mit der klassischen Country-Anmache "On a stool at a bar, can I buy you a drink?", bevor es langsam den Aufstieg und Niedergang einer Beziehung nachzeichnet. Das üppige Klavier und die weiblichen Backing-Vocals mildern die Ecken und Kanten und bringen den Song in Richtung Mainstream-Country-Radio, ohne dabei seine texanische Seele zu opfern.
"Real Damn Deal" überrascht mit der Qualität und emotionalen Tiefe der Balladen
"Don't No More" ist einer der stärksten Songs des gesamten Albums; er beginnt als reduzierte akustische Lagerfeuer-Wehmut, bevor er sich allmählich zu einer kraftvollen Hymne des Liebeskummers steigert. Keiths Vortrag von "I felt the walls shake when she slammed that door" hat echtes Gewicht, und die kommerzielle Anziehungskraft des Songs ist unbestreitbar. "White Walls" geht klanglich noch einen Schritt weiter und verbindet arenenreife Drums und kraftvolle Gitarren mit einem zutiefst einsamen Text darüber, wie man inmitten der Trümmer einer gescheiterten Beziehung zurückbleibt. Keith singt "I'm down to a mattress on the hardwood and a bottle of no good" mit einer gequälten Erschöpfung, die dem Song echte emotionale Wucht verleiht.
Mehrere ruhigere Stücke unterstreichen zudem Keiths ausgereiften Songwriting-Instinkt und seine Liebe zu klassischen Country-Klängen. "Always Leaving Something" kehrt seine zentrale Idee geschickt um und konzentriert sich auf eine Frau, die immer etwas von sich zurücklässt, bis sie ihn schließlich ganz verlässt. Der sanfte Twang und die subtilen Einflüsse der 50er- und 60er-Jahre passen wunderbar zu Keiths zeitloser Stimme, während "I Dreamed You Dreamed of Me" fast so wirkt, als stamme es aus einer ganz anderen Ära. Mit seiner Patsy-Cline-Atmosphäre, den eleganten Klavierläufen und der melancholischen Erzählweise hätte es genauso gut 1965 aufgenommen werden können. Keith klingt hier für einen Debütkünstler bemerkenswert selbstbewusst, besonders wenn er seufzt: "I must have been out of my mind", während der Song in seinen schmerzlichen Schlussabschnitt übergeht.
Die erzählerische Qualität des Albums erreicht mit "Mrs Green" und dem Duett "Hurt by Heart" eine neue Dimension. Der vom legendären Songwriter Jim Lauderdale geschriebene Titel "Mrs Green" ist reduziert und intim, fast ausschließlich auf Akustikgitarre und Keiths eindringlichen Gesang ausgerichtet. Die ungewöhnliche Erzählung des Songs – ein jüngerer Mann tröstet eine ältere, verlassene Frau, während er sie weiterhin förmlich "Mrs Green" nennt – erzeugt eine faszinierende Spannung, wobei subtile Anklänge an "Mrs Robinson" sowohl über dem Text als auch über der Melodie schweben.
"Hurt by Heart" hingegen vereint Keith mit der aufstrebenden Traditionalistin Mae Estes zu einem traurigen, westernangehauchten Duett voller Mundharmonika, einsamer Gitarrenlinien und emotionaler Zurückhaltung. Anstatt den Zuhörern ein ordentliches romantisches Happy End zu bieten, lässt der Song seine Figuren auseinanderdriften, obwohl das Schlussbild der Frau, die "ein rotes Kleid für jemanden Neuen" anzieht, einen Funken Hoffnung bietet.
Nicht jeder Song ist vollständig in Retro-Texas-Staub getaucht, und diese breitere Anziehungskraft könnte Keith letztendlich helfen, national den Durchbruch zu schaffen. "Wind Blows" und "Baby You Do" lehnen sich viel stärker an den zeitgenössischen Nashville-Country an und ziehen Vergleiche mit Künstlern wie Dierks Bentley und Jon Pardi nach sich. "Wind Blows" greift Themen wie Freiheit, Reisen und Unruhe auf und besticht durch einen ausgefeilten, radiotauglichen Refrain, während "Baby You Do" mit einem treibenden Beat und einem glatten Produktionsstil punktet, der wie geschaffen für Mainstream-Country-Playlists wirkt. Selbst "Am I All Alone" schafft es, die Kluft zwischen Retro und Moderne zu überbrücken, indem es üppiges Klavier mit klassischem, von Einsamkeit geprägtem Songwriting auf eine Weise verbindet, die sich sowohl zeitlos als auch aktuell anfühlt.
Fazit: "Real Damn Deal" ist ein beeindruckend rundes Debüt, das Braxton Keith als einen der vielversprechendsten jungen, traditionell orientierten Künstler der modernen Country Music etabliert.










