Ist "Country Never Dies" eine Mogelpackung von Gavin Adcock?
Das ist es aber nicht. Zwei Cover-Songs von Gavin Adcock bilden den Rahmen für die 11 Titel umfassende Veröffentlichung – eine Interpretation von "Only Daddy That'll Walk The Line" von Waylon Jennings und eine Version von Merle Haggards "Mama Tried". Keiner der beiden wird das Original aus Ihrer Playlist verdrängen, aber ansonsten sind sie ganz ordentlich. Doch damit beginnt und endet Adcocks Beteiligung eigentlich schon. Er ist auf dem Album auch als "Executive Producer" aufgeführt, aber das kann wirklich alles Mögliche bedeuten, einschließlich der Tatsache, dass Adcock absolut nichts weiter getan hat, als die beiden Songs beizusteuern.
Noch interessanter ist, dass die Metadaten dieses Albums es wie eine Various-Artists-Compilation behandeln und nicht wie eine Veröffentlichung von Gavin Adcock, obwohl die Pressemitteilung von Warner Bros. Records Nashville verkündet: "Gavin Adcock würdigt Country-Legenden auf brandneuem Album." Als Hauptkünstler des Albums ist "Country Never Dies" aufgeführt, nicht Gavin Adcock, was Sinn ergibt, da er nur auf zwei Titeln zu hören ist.
Gavin Adock der Provokateur
Gavin Adcock ist einer der am meisten geschmähten Künstler der modernen Country-Szene. Mittlerweile könnte er sogar zu den am meisten geschmähten Künstlern in der gesamten Geschichte des Country gehören. Er provoziert Streit mit anderen Künstlern. Seine Auftritte arteten oft in ein betrunkenes Chaos aus, bei dem sich der hemdlose Adcock selbst und das Publikum mit Bier und Whiskey übergießt. Wenn überhaupt, ist die Musik das am wenigsten Anstößige an seiner Karriere.
Daher schien die Veröffentlichung eines Albums, auf dem er gemeinsam mit anderen aufstrebenden Künstlern verschiedene klassische Country-Songs covert, ein guter Weg zu sein, um Gavins Image wiederherzustellen oder sich vielleicht bei den vermeintlichen "Hütern" des Country-Genres einzuschmeicheln, während er gleichzeitig den Großen der Vergangenheit Tribut zollt. Doch so, wie sich das alles entwickelt, wirkt es wie ein falsches Versprechen oder ein Marketing-Gag, der unüberlegt umgesetzt wurde.
Ähnlich wie das Marketing, die Vermarktung und die Veröffentlichung dieses Albums ist auch die Musik dieser Veröffentlichung insgesamt gesehen einfach ein ziemliches Durcheinander. Aber das soll nicht heißen, dass es darauf keine guten Interpretationen klassischer Songs gibt. Tatsächlich gibt es einige absolut hervorragende.
Wenn diese Compilation/Tribute-Platte/was auch immer sonst nichts Positives hervorbringt, so haben wir doch eine der besten Interpretationen von "He Stopped Loving Her Today", die je von jemandem aufgenommen wurde, der nicht George Jones heißt. Jake Worthington hat sich die vielleicht schwierigste Komposition ausgesucht, die man meistern kann, hat sich das Ziel gesetzt und mit diesem Titel einen Volltreffer gelandet. Hut ab, Jake.
The Creekers sind eine junge Band aus dem Osten von Kentucky, die man unbedingt im Auge behalten sollte. Sie haben kürzlich einen Vertrag bei Warner unterschrieben und könnten in den kommenden Monaten kurz vor dem großen Durchbruch stehen. Ihre Interpretation von Keith Whitleys "Kentucky Bluebird" ist hervorragend und zeigt wirklich, wozu diese Band fähig ist, wobei sich die Bandmitglieder beim Gesang der Strophen abwechseln.
Vor einigen Cover-Versionen auf "Country Never Dies" kann man den Hut ziehen - andere sind Belanglos
Braxton Keith verdient ebenfalls Anerkennung für seine Interpretation von "Slide Off of Your Satin Sheets", ursprünglich gesungen von Johnny Paycheck. Braxton ist ein großartiger neuer Neotraditionalist, den jeder kennen sollte. Dieser Song unterstreicht allerdings, dass er in einer etwas höheren Stimmlage singt, und ist daher vielleicht nicht der beste Einstieg in Braxtons Musik.
Bei vielen der übrigen Songs auf "Country Never Dies" spielen unverfälschte Stimmen und schlechte Paarungen definitiv eine Rolle. Ashley Cookes Version von "Southern Nights" (Glen Campbell) nimmt dem Original einfach jegliche Rauheit und Kraft, während die mit Auto-Tune bearbeitete Darbietung abschreckend wirkt. Vincent Mason ist ein guter junger Künstler, bringt aber zu Hanks "You Win Again" nichts Besonderes bei. Austin Snells "Simple Man" (Lynyrd Skynyrd) ist in Ordnung, fügt dem Song aber nichts Neues oder Aufregendes hinzu.
Auf diesem Album herrscht eine Atmosphäre des "Dienst nach Vorschrift", auch bei den Stücken von Gavin Adcock. Obwohl es als Sammlung großartiger Cover-Versionen aus der Vergangenheit der Country Music vermarktet wird, würde man "Big City Blues" des verstorbenen Keith Gattis nicht wirklich als solchen Titel bezeichnen, auch wenn Shelby Stone genau diesen Song für eine Cover-Version ausgewählt hat. Hudson Westbrooks Interpretation von Conway Twittys "Slow Hand" ist eine weitere fragwürdige zeitgenössische Umsetzung auf einem Album, das eigentlich traditionell sein soll und offenbart eine weitere milde Stimme unter den heutigen Country-Hoffnungsträgern.
Ehrlich gesagt würde es durchaus Sinn ergeben, wenn Gavin Adcock als "Executive Producer" dieses Albums fungieren und seine Entscheidungen zwischen Bier-Bong-Schüssen treffen würde. Obwohl dies eine Gelegenheit für Adock hätte sein können, seinen Ruf und seine Glaubwürdigkeit in der Country Music aufzupolieren – und für die Konsumenten, eine Schar neuer Künstler und alter Songs zu entdecken –, fühlt sich "Country Never Dies" eher wie eine verpasste Chance an, die Adcocks Ruf als schlampiger, fauler Opportunist noch weiter beschmutzen könnte.
Fazit: Die Songs und Darbietungen auf "Country Never Dies" sind nicht schlecht. Es ist eines dieser Alben, bei denen man sich die Handvoll wirklich guter Songs behält und den Rest beiseite schiebt, um nie wieder daran zu denken.











