Warren Zeiders - Pretty Little Poison

CD Cover: Warren Zeiders - Pretty Little Poison

Social-Media-Star Warren Zeiders legt mit "Pretty Little Poison" jetzt sein mit Spannung erwartetes Debüt-Album vor

Warren Zeiders ist ein typisches Beispiel für einen Country-Stars im Jahre 2023. Während seines BWL-Studiums an der Frostburg State University hat der aus Pennsylvania stammende Sänger und Songschreiber immer wieder Song-Videos auf der Platform TikTok gepostet - mit großer Resonanz. Seinen Song "Ride The Lightning" wollten - unglaublich, aber wahr - über 500 Millionen User sehen. Tja, und nachdem Klickzahlen heute Währung im Musikbusiness sind, dauerte es nicht lange, bis er einen Vertrag bei der Major-Company Warner unterschrieb.

Warren Zeiders: über Social Media zum Major Deal

Im Jahr 2021 wurde der Song dann auch noch konventionell veröffentlicht - und er schlug sich wacker: Platz 30 in den US Country Songs-Charts inklusive zwei "Platinum"-Awards. Nicht schlecht für einen Rookie. Doch ganz so glorreich ging es anschließend nicht weiter für den schlaksigen Lacrosse-Spieler. Seine weiteren Single-Veröffentlichungen tauchten in keiner Bestenliste mehr auf. Auch nicht "West Texas Weather", das sich auch auf seinem jetzt erschienenen Full-Length-Album "Pretty Little Poison" findet. Schade natürlich. Zumal der (zumindest zunächst) sehr gefühlvolle, sehr traditionell mit Pedal-Steel-Guitar und romantischen Akkorden angelegte Song einer der stärkeren Tracks seines reinen Major-Label-Debüt-Albums ist.

Der Titel ist typisch für ihn. Für ihn und seinen Gesangsstil. Der zeichnet sich durch schon eine fast übertrieben hingebungsvolle, überschwänglich gefühlsbetonte und leidensbereite Stimme aus, in der alles gleich auf einmal mitschwingt: Wut, Schmerz, Leidenschaft, Sehnsucht, Melancholie. Einige Nu-Metal-Sänger, wie Fred Durst von Limp Bizkit oder Chester Bennington, der verstorbene Shouter von Linkin Park, haben diese Herangehensweise in harten Rock-Balladen kultiviert und zu einem Erfolgsrezept gemacht. Im Country hat dieser Vortrag etliche Nachahmer gefunden, Warren Zeiders ist einer von ihnen.

Auch musikalisch baut Zeiders Brücken zu seinen Kollegen aus der Metal-Abteilung. Harte, mitunter superheftige Gitarren-Riffs sind im Verlauf der 14 Tracks von "Pretty Little Poison" keine Seltenheit. Sie prägen den Sound, selbst bei den diversen Balladen - wie der düsteren, anfangs noch mit gediegenen Americana-Klängen versehenen "God Only Knows" und den ganz und gar dem Liebesleid gewidmeten Songs "Love's a Leavin'" und "Tell Me Like It Is". Vor allem letzterer Track kann mit einer schönen Harmonieführung punkten: eine Power-Ballade, in der dramatische Moll-Akkorde mitschwingen und ein Gefühl der Wehmut aufbauen. Lässt sich gut hören.

Bis dahin, es ist Song Nummer vier, wünscht man sich aber so langsam etwas mehr Variationsreichtum im Gesangsvortrag. Niemand kann schließlich die ganze Zeit nur leiden und alles an Emotionen geben. Die Welt geht nicht ständig unter und es geht auch nicht immer gleich ums Ganze.

Nicht nur Balladen auf Pretty Little Poison

Mit "Black and Blue" schlägt er - zumindest musikalisch - andere Töne an: Der flotte Uptempo-Country-Rocker gefällt mit fröhlicheren Pop-Melodien, die er dann auch etwas weniger angestrengt vorträgt. Das gilt erfreulicherweise auch für die anschließenden Songs "Weeping Willow" und "Pain Killer" - zwei ordentliche Country-Balladen. Noch besser, da auch Abwechslung bringend, schlägt sich in der CD-Setlist das nachfolgende "Inside Your Head". Hier serviert eine Akustik-Gitarre eine an den Led Zeppelin-Jahrhundertsong "Stairway To Heaven" erinnernde Melodie, eine später dazu kommende Pedal Steel Guitar vermählt die Harmonien mit Country-Vibes. Auch wenn der Track nach dem zweiten Refrain wieder Härte zeigt, gehört er zu den Highlights seines Debüts.

Eine gänzlich andere musikalische Seite präsentiert Warren Zeiders zum Ausklang von "Pretty Little Poison": die letzten vier Tracks - "Drive You Crazy", (das bereits erwähnte) "West Texas Weather", "Pittsburgh Steel" und, als letzter Song, "Cowboys Ride Away" - bieten ein kurzes, aber starkes Traditional-Set. Mit vielen Akustik- und Roots-Elementen, sehr gefälligen Harmonien und erfreulich lässiger Interpretation. Wie so oft: je abgespeckter, desto besser klingts.

Fazit: Warren Zeiders ist ein Rocker - aber mit dem Herz eines Country-Sängers. Mit seinem Debüt "Pretty Little Poison" will er beide Lager für sich gewinnen.

Label: Warner Bros. Nashville (Warner) VÖ: 25. August 2023
Disk 1
01 Some Whiskey
02 Love's A Leavin'
03 Tell Me Like It Is
04 Black and Blue
05 Weeping Willow
06 Pain Killer
07 God Only Knows
08 Drive You Crazy
09 Pittsburgh Steel
10 Cowboys Ride Away
11 Drive You Crazy
12 Pittsburgh Steel
13 Cowboys Ride Away
vgw
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