Foto: George Achaves
Es gab schon immer eine enge Verbindung zwischen Country-Musikern und dem Country-Radio. Heute scheint die Trennlinie zwischen ihnen zu verschwimmen, da viele Künstler als Moderatoren tätig werden.

Kix Brooks beherrscht den Äther nicht nur als eine Hälfte des Erfolgsduos Brooks & Dunn, sondern ist auch als Moderator von “American Country Countdown” auf ABC Radio zu hören. Cledus T. Judd und Chad Brock haben sich zusammengetan und leiten die Morgenshow auf WQYK in Tampa (Florida). Jim Ed Brown, ein Veteran der Grand Ole Opry, der ältesten Country-Sendung im amerikanischen Radio, moderiert die Show “The Country Music Greats Radio Hour”, die auf verschiedenen Sendern ausgestrahlt wird. Außerdem haben verschiedene Künstler Sendungen auf XM und SIRIUS Satellite Radio, darunter Bill Anderson, Cowboy Jack Clement, Shooter Jennings, Willie Nelson und John McEuen von der Nitty Gritty Dirt Band.

Was war der Beweggrund für Brooks, einem viel beschäftigten und sehr bekannten Künstler mit Plattenvertrag, Moderator von “American Country Countdown” bei ABC Radio zu werden? “Ich liebe es, mich selbst reden zu hören”, sagt Brooks lachend.

Ein Teil des Anreizes für Brooks besteht in der Möglichkeit, einige Insidergeschichten mit den Fans zu teilen.

“Ich erinnere mich daran, wie ich, als ich nach Nashville kam, beim Verlag von Don Gant war. Er war ein großartiger Geschichtenerzähler”, so Brooks. “Sonny Throckmorton, Mickey Newbury, Rafe van Hoy, Don Cook und all die anderen trafen sich immer dort und erzählten Geschichten über die Leute in der Branche.”

Brooks erklärt, dass er die Countdown-Shows schon immer geliebt hat, da “sie eine wirklich tolle Möglichkeit bieten, Musik zu hören und Geschichten über den Menschen hinter der Musik zu hören. Ich hätte mich nie für diesen Job beworben, aber als ABC an mich herantrat, dachte ich mir: "Wow, das würde mir Spaß machen.´”

Laut Tim Howard von ABC Radio, dem Produzenten von “American Country Countdown”, sorgt ein Musiker als Moderator von Radiosendungen für eine “sofortige Glaubwürdigkeit und einen sofortigen Wiedererkennungswert”. Er äußerte, Brooks übernahme von “ACC” sei ein großartiger Schachzug gewesen.

“Wenn Sie jemanden wie Kix Brooks haben, der seit 15 Jahren an der Spitze der Country-Musik steht, weiß jeder, wer er ist”, so Howard. “Es verleiht einer Sendung sofortige Glaubwürdigkeit und ich denke, man wird noch eine Menge mehr davon zu sehen bekommen. Insbesondere wenn man bedenkt, was sich bei SIRIUS und XM Radio tut.”

Howard erzählt, es sei ein besonderes Vergnügen, mit Brooks zusammenzuarbeiten. “Er ist so bodenständig und es liegt ihm wirklich daran, dass die Show ein Erfolg wird. Es ist unglaublich, wie viel Energie er jede Woche in diese Sache steckt. Er ist ein großartiger Moderator.”

Viele in der Branche glauben, dass die Künstler heute besser denn je wissen, wie sie sich im Radio verkaufen müssen. “Die Künstler besuchen die verschiedenen Radiostationen, so dass heutige Musiker im Vergleich zu Künstlern in der Vergangenheit ein besseres Gespür dafür haben, was es heißt, auf Sendung zu sein,” erklärt Lon Helton, Eigentümer der neuen Veröffentlichung “Country Air Check”. In den letzten 14 Jahren hat Helton zudem “CMT´s Country Countdown USA” von Westwood One moderiert. Bei dieser Show treten jede Woche Künstler als Gastmoderatoren gemeinsam mit Helton auf.

“Es gibt einen enormen Zuwachs an Interviewsendungen, ob es nun die Countdown-Show ist, die ich mache, oder die Satellite Tours, die sie machen”, so Helton. “Ich habe den Eindruck, dass es mehr Interaktion zwischen Country-Musikern und Radioleuten gibt als je zuvor. Wenn Sie Leute mit einer großartigen Persönlichkeit bekommen, wie Chad Brock oder Cledus T. Judd, wird der übergang leichter.”

Holly Dunn war 1997 eine Vorreiterin des aktuellen Kults um die Künstler am Radiomikrophon, als sie für ein Jahr die Morning-Show auf WWWW in Detroit moderierte.

“Soweit ich weiß, ist sie der erste Country-Star, der ans Mikro trat, um eine Sendung zu moderieren, und nach allem, was ich gehört habe, hat sie ihre Sache hervorragend gemacht”, meint Blair Garner, Moderator der von Premiere Radio produzierten und auch von anderen Sendern ausgestrahlten Sendung “After MidNite with Blair Garner”. “Ich halte es für ganz natürlich, dass Country-Musiker, die für ihre enge Beziehung zu ihren Fans bekannt sind, nach weiteren Möglichkeiten Ausschau halten, um ihre Beziehung zu den Fans auszubauen. Das Radio ist eine weitere Möglichkeit, mit den Fans in Kontakt zu treten und dieses besondere Band zu knüpfen, das sie haben.”

Wie Helton hat auch Garner bei “After MidNite” Country-Musiker zu Besuch. “Kenny Chesney ist fantastisch”, so Garner. “Ein anderer der im Radio gut rüberkommt ist Tracy Lawrence. Wäre er nicht Country-Musiker geworden, hätte er einen fantastischen Radiomoderator abgegeben.”

Helton warnt, dass Künstler und die Radiosender die Beziehung vorsichtig überdenken sollten, bevor ein Künstler im Radio ans Mikrophon tritt. “Bei den Radiosendern geht man eine ungeheure Verpflichtung ein, wenn man eine Morgenshow hat”, erklärt Helton. “Man macht dafür im Fernsehen Werbung. Man bringt ihre Gesichter auf Reklametafeln und in deinem Kopf heißt es immer: "Einmal Künstler, immer Künstler.´ Sie möchten vielleicht wieder auf Tour gehen oder einen Plattenvertrag bekommen. Man kann nicht wirklich in eine Morgenshow investieren, nur damit sie einen ein paar Jahre später im Stich lassen.”

Das Radio stellt eine stärker strukturierte Umgebung dar als einige Artisten gewohnt sind. Das kann eine Anpassung erforderlich machen. “Letztlich muss man Einsatz zeigen”, fügte Garner hinzu. “Wenn es als die "Chad Brock Show´ vermarktet wird, muss Chad Brock auch da sein.”

Helton meint, dass es viele Vorteile gibt, wenn ein Künstler für einen Radiosender arbeitet. “Sie wissen, mit Fans umzugehen. Sie können mit Kunden plaudern. Sie wissen, wie man sich im Radio gut präsentiert.”

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Einige Künstler waren beim Radio tätig, bevor sie einen Plattenvertrag hatten. Zu diesen zählt John Conlee, der sieben Jahre lang bei WLAC in Nashville arbeitete, bevor er einen Plattenvertrag bekam.

“Bill Anderson, Jim Reeves, Willie Nelson und Waylon Jennings waren beim Rundfunk”, sagt Conlee. “Es gibt viele Leute, die eine Weile am Radiomikrophon arbeiteten, bevor sie im Musikgeschäft landeten. In Nashville zu sein, half mir, die Verleger, die Leute von den Plattenfirmen und andere in der Musikbranche kennen zu lernen. Ich schreibe den Klang meines Gesangs dem Radio zu. Ich hatte eine Art sanften Folksound, aber nach meiner Zeit beim Radio hat sich mein Gesangsstil zu dem gewandelt, was er heute ist, nämlich mit sehr viel mehr Biss.”

Die heutige Technologie macht es Künstlern, die nicht in Vollzeit beim Radio einsteigen, aber eine auf mehreren Sendern ausgestrahlte Sendung machen möchten, leichter, im Rundfunk tätig zu werden.

“Der Grund für das häufigere Vorkommen liegt darin, dass die Technologie es möglich macht”, so Howard. “Kix kann diese Sendung von der ganzen Welt aus moderieren.”

Howard ist der Meinung, dass der Trend der Künstler am Radiomikrophon weiter zunehmen wird. “Ich finde es großartig, dass die Künstler auf die Seite des DJs hinüberwechseln, denn sie haben Geschichten zu erzählen. Die Zuhörer möchten wissen, was im Leben dieser Leute passiert. Ich denke, wir werden in Zukunft mehr davon sehen.”
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