Mit seinem bei Koch Universal erschienen Debüt “Freiheit" schlägt der 37jährige Dirk Daniels neue Country-Töne an: Pop- und Rock-orientiert, mit persönlichen, teilweise kritischen deutschen Texten. Wie die ersten Reaktionen belegen, liegt der ehemalige Entertainer-Profi damit goldrichtig. Grund genug für CountryMusicNews.de, um mit der neuen deutschen Country-Hoffnung auf Tuchfühlung zu gehen.

CMN: In der Biografie steht, dass sie 20 Jahre in der Entertainer-Branche tätig waren oder auch noch immer sind. Wie muss man sich das dann vorstellen? Was haben Sie da gemacht?

Dirk Daniels: Da muss ich mal weiter ausholen: Also ... Mit acht Jahren habe ich angefangen Gitarre zu spielen, habe privaten Musikunterricht bekommen, bin auf eine Musikschule gegangen. Später hab ich dann angefangen, in Bands zu spielen. Da war ich 14 und habe Tanzmusik gemacht. Das war recht ungewöhnlich, weil damals alle meine Kumpels Rockmusik gemacht haben. Der Grund war, dass man damals mit Tanzmusik schon richtig gut Geld verdienen konnte. Aber es war auch sehr lustig und hat Spaß gemacht. Wir haben alles gemacht - auf Geburtstagen, Parties und Hochzeiten gespielt. Später haben wir uns immer mehr in Richtung Top 40 verlegt. Als ich 17 war, kamen die ersten Auslands-Gigs: in der Schweiz, in österreich, in Spanien. Wir waren wirklich gut im Geschäft, doch mit 20 habe ich mich von der Band getrennt, weil ich mein eigenes Ding durchziehen wollte. Ich habe eine Entertainment-Show auf die Beine gestellt, eine Show, mit Comedy, Gesang, Parodien, Kostümierungen, Bauchrednerparodien und so weiter. Das war vor allem die ersten drei Jahre ein sehr schwerer Weg, da habe ich von der Hand in den Mund gelebt - aber das Durchhalten hat sich gelohnt. Denn immer mehr Agenturen wurden auf mich aufmerksam, es häuften sich die Auftritte und die Gagen wurden immer höher. Die Krönung war dann 1999, als ich mich gegen 600 Teilnehmer durchsetzen konnte, und vom Verband deutscher Musikschaffender zum Entertainer des Jahres gewählt wurde. Im Jahr darauf habe ich den Wettbewerb noch mal gewonnen. Das hat es noch nie gegeben in der Geschichte des VdM. Die zwei Siege haben meiner Karriere natürlich einen ordentlichen Schub gegeben.

CMN:Seit wann sind sie dann letztendlich Profi?
Dirk Daniels: Profi bin ich seit meinem 20. Lebensjahr.

Dirk Daniels legt mit Freiheit sein Country Debüt vor

Dirk Daniels Freiheit CMN: Da liegt schon eine lange Karriere hinter Ihnen, aber auch noch vor Ihnen.Freiheit ist sozusagen Ihr Debüt-Album? Kann man das so sagen?
Dirk Daniels: Ja, in diesem Bereich auf jeden Fall. Dass ich Countrymusik mache, ist für mich nicht gerade neu. Neu ist aber, Countrymusik mit eigenen Songs und in deutscher Sprache zu machen.

CMN: Wie sind sie denn an Koch Universal gekommen?
Dirk Daniels: Das ist auch eine lustige Geschichte. Die EMI ist eigentlich auf mich aufmerksam geworden durch ein anderes Projekt. Ich habe mir vor drei Jahren etwas einfallen lassen: Das Projekt hieß “One Night Of Eagles - The Hotel California Tour”. Und das war bis zu diesem Zeitpunkt - und ist es bis heute - die weltweit größte Eagles-Tribut-Show.

Im letzten Jahr wurde sie auf der Loreley aufgeführt, sowie in Giessen und auch Spanien. Die EMI wollte dann, dass ich Eagles-Titel mit deutschen Texten mache. Für die Arbeit haben sie mich für zwei Wochen nach Spanien geschickt. Als ich mit den fertigen Songs zurückkam, fanden das alle sehr gut, nur: Es gab vom Verlag keine Freigabe für die Titel. Das hat mich im Nachhinein natürlich ziemlich geärgert, das hätte man ja auch im Vorfeld abklären können.

CMN:Haben sie dann wenigstens ein Ausfallhonorar bekommen?
Dirk Daniels: Ja, das hat schon alles gepasst, aber schade war das trotzdem. Nun, dann ist man an mich herangetreten, ob ich nicht eigene Songs schreiben könnte. “Klar”, habe ich gesagt und gemeinsam mit einem Freund Martin Pfeiffer fünf Titel geschrieben. Dem zuständigen A&R der EMI haben die Songs so gut gefallen, dass er uns einen Studioaufenthalt finanziert hat. Als wir mit den Titeln schließlich fertig waren, war aber auch der A&R von der EMI weg - und mit dem Nachfolger hat das nicht funktioniert. Also haben wir es bleiben lassen. Martin kennt zum Glück Ralf Schedler von Koch Universal und hat ihm die Aufnahmen geschickt. Eine Woche später saß er im Flieger und ist zu uns nach Frankfurt geflogen und drei Wochen später hatte ich meinen Plattenvertrag.

ImageCMN: Wenn ich ehrlich sein soll: Das Versprechen, das auf dem Cover gemacht wird mit Pickup und Cowboyhut, wird nicht ganz eingelöst. Denn eindeutig Country-Musik ist das Album auf keinem Fall.
Dirk Daniels: Nein, es ist definitiv keine Country-Musik im klassischen Sinne. Da haben sie vollkommen Recht. Aber es ist eine Art moderne Country-Musik, die teilweise sehr rockig angehaucht ist. Das zweite Album wird, das kann ich jetzt schon sagen, noch mehr in Country-Richtung gehen.

CMN:Es ist ja auch nichts Unübliches in Amerika, dass sie die Country-Elemente per Steelgitarre und Fiddle oder Banjo zum großen Teil begrenzen. Das ist auf Ihrem Album ähnlich. Wer waren Ihre musikalischen Vorbilder?
Dirk Daniels: Also, wen ich unwahrscheinlich mag ist Keith Urban. Ich find den Mann sensationell. Wen ich auch sehr gut finde ist Rascal Flatts - allein stimmlich sind die sensationell. Dann stehe ich noch auf Brad Paisley und natürlich auch auf Garth Brooks, der bleibt einfach unvergessen.

CMN: Was zeichnet diese Vorbilder aus?
Dirk Daniels: Diese Jungs geben schon richtig Gas. Doch ich glaube, etwas ähnliches kann auch in Deutschland funktionieren, ich glaube, da ist ein Markt da. So wie es in den USA einen Kenny Rogers seit Ewigkeiten gibt und der immer noch voll da ist, sind jetzt auch Acts wie Rascal Flatts und Big & Rich am Start. Die Szene ist einfach lebendig.

CMN: Sie haben auf der CD auch einen Keith Urban-Song, den sie zu “Sonst keine nur du” eingedeutscht haben. Die Schürzenjäger haben den Song auch aufgenommen - und textliche ähnlichkeiten sind unübersehbar. Was sagen Sie dazu?
Das liegt daran, dass der Produzent der Schürzenjäger Rudi Müssig den Song getextet hat und mir freundlicherweise erlaubt hat, diesen Song auf mein neues Album zu bringen.

CMN:Was glauben sie denn macht Country-Musik generell aus und was kann deutschsprachige Country-Musik im Speziellen ausmachen?
Dirk Daniels: Die Country-Musik generell ist, denke ich, eine Erzählung. Eine melodiöse Erzählung. Und deswegen glaube ich funktionieren solche Sachen wie Keith Urban oder Rascal Flatts in Deutschland nur begrenzt. Ich war als Kind sehr oft in Amerika und Kanada, weil mein Onkel dort lebte, und von daher kann ich sehr gut Englisch. Wenn man sich mal die Texte anhört und die Sätze versteht und versteht, was damit gemeint ist, dann merkt man schon , dass das sehr tief gehende Texte sind. Und ich glaube, dass in Deutschland es eben so ist, dass einige vielleicht gut Englisch reden, aber vielleicht doch nicht alles so verstehen. Und da denke ich, dass man da mit deutschen Texten, mit etwas tiefer gehenden Texten, die Chance hat, die Leute zu berühren. Ich nenne nur ein Beispiel: Es gibt einen Song auf der CD, der heißt “Mein Sohn”. Ich habe vor drei Jahren das große Glück gehabt, nach zwei gescheiterten Ehen eine Partnerin kennen zu lernen. Sie hat einen damals fünfjährigen Sohn mit in die Beziehung gebracht. Und das war für mich von heute auf morgen eine komplette Umstellung meines Lebens. Mittlerweile hat es sich für mich entwickelt, dass ich sagen kann: Das ist mein Sohn. Das ist ein super schönes Gefühl, genauso aber bedeutet das auch eine enorme Umstellung. Das ganze Leben ändert sich. Es ist nicht mehr Party, High-Life. Wenn niemand für den Kleinen da ist, dann bleibt man einfach zu Hause. Darüber habe ich ein Lied geschrieben. Es fiel mir einfach so ein. Auch, weil ich gemerkt habe, dass ich zuwenig Zeit habe für ihn. Das ist ein Lied, das ich mit 20 definitiv hätte nicht schreiben können. Oder zum Beispiel “Nie Ein Freund”. Ich hab nicht nur schöne Tage in meinem Leben gehabt. Das ist eigentlich ein ziemlich selbstkritisches und offenes, biografisches Lied.

CMN: Ganz schön mutig, muss ich sagen. Ist auch nicht ganz typisch für diese Musik und für diese Branche natürlich auch.
Dirk Daniels: Ich bin aber immer jemand gewesen, der, wenn er Scheiße gebaut hat, auch dazu gestanden hat. Und ich denke, in der heutigen Zeit, was die Medien betrifft, kommt das immer irgendwann raus. Sodass ich mir doch einfach denke: sei ehrlich. Entweder mögen dich die Leute so, wie du bist, oder ... Ich muss und will mich nicht verstellen, dafür bin ich auch zu alt.

CMN: Wie wichtig ist denn das Persönliche in ihrer Musik? Sie schreiben ja auch die meisten Texte. Ist es für sie entscheidend, dass sie zu diesen Songs auch stehen können? Macht es den Unterscheid aus, dass sie denn Text oder Martin Pfeiffer bzw. Andreas Becker den Text geschrieben haben?
Dirk Daniels: Also Andreas Becker und Martin Pfeiffer haben größtenteils die Musik gemacht, wobei ich bei einigen Songs auch komponiert habe. Natürlich ist es so, dass ein Lied, das ich selbst schreibe, mir immer näher geht, als wenn mir jemand ein Lied vorgibt. Was ich klasse finde ist, dass man das, was man erlebt hat, schöne und auch nicht schöne Dinge, versucht in ein Lied zu packen. Und wenn das auch noch gelingt, macht das unwahrscheinlich Spaß.

CMN: Wäre es für Sie ein Ziel, mal in Nashville aufzunehmen?
Dirk Daniels: Unbedingt. Das ist ein riesengroßes Ziel von mir, weil es da drüben einfach ganz anders ist. Das kann man nicht vergleichen. Also, ich kenne einige gute Leute, die ihre Instrumente sehr gut beherrschen. Aber ich glaube, dass da drüben noch mal ein Schäufelchen nachgelegt wird.

ImageIch fliege am 18.10. rüber nach Florida, wo ich mich auch mit Musikern treffen werde.

Ich bin ja ganz, ganz eng mit der Harley-Szene verbunden. Und da gibt es ja auch sehr gute Leute, die vor allem Southern Rock machen. Einige von denen kenne ich ganz gut. Ich habe mir jedenfalls schon vorgenommen, in Amerika mal etwas aufzunehmen - und wenn es nur eine Single ist.

CMN: Wie reagiert das Publikum auf Ihre Musik?
Dirk Daniels: Ein Beispiel: In Interlaken gibt es ja immer dieses große Country-Festival. Da durften wir dieses Jahr zwei Tage spielen. Mit kompletter Band wäre es zu teuer gewesen, also bin ich nur mit meinem aus Hawaii stammenden Gitarristen David Domini hingefahren. Da haben wir zum ersten Mal unsere neuen Songs live vor Publikum präsentiert. Und: Es hätte nicht besser sein können. Viele der 600, 700 Zuschauer haben beim zweiten Refrain schon mitgesungen, nach nach der Show haben mich unheimlich viele Leute nach der CD gefragt - die zu dem Zeitpunkt leider noch nicht fertig war. Doch was viel wichtiger war: Wir haben die Begeisterung der Leute gespürt, und wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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