Cale Tyson - Careless Soul

CD Cover: Cale Tyson - Careless Soul

Mit seinem zweiten Studio-Album, "Careless Soul", meldet sich Cale Tyson zurück.

Es dauert genau 13 Sekunden, dann geht auf "Careless Soul" die Sonne auf. Denn genau so lang dauert das instrumentale Intro, bevor Cale Tyson im Opener "Staying Kind" mit seinem Gesang einsetzt. Es ist ein aufreizend lässiger Vortrag, der gleichzeitig unverbraucht und doch routiniert ist. Der junge Songwriter aus Nashville ist einer der Hoffnungsträger des Genres. Und er ist ein Grenzgänger. Sein Stil paart classic Country mit Soul und Blues. Der Titel "Careless Soul" beschreibt somit nicht nur das Gemüt des sympathischen Hutträgers, sondern auch dessen Sound.

Mit "Careless Soul" einen Sprung nach vorne

"Careless Soul" ist die zweite Veröffentlichung von Cale Tyson. Schon sein Debüt "Introducing Cale Tyson" sorgt für Aufregung. Sein neuester Streich ist jedoch ein deutlich größeres Kaliber.

Cale Tyson, der in Fort Worth aufwuchs, wo unter anderem auch Townes Van Zandt herkommt, hat nicht nur kräftig an seinem Songwriting gefeilt. Er hat sich zur Unterstützung auch die besten Musiker Nashvilles in die legendären Fame Studios geholt - darunter unter anderem Brett Resnick, Andrew Combs und Pete Lindberg an den Gitarren, Skylar Wilson an den Tasten, David Hood am Bass und Jon Radford an den Drums. Sie gießen mit ihrem Zusammenspiel auf "Careless Soul" das feste Fundament, auf dem sich Cale Tyson tänzelnd bewegt wie ein Großer. Für den Soul sorgt eine Bläsersektion und ein Streicherensemble, die dieser Platte den mitreißenden Größenwahn verschafft.

Melodien und Verzierungen

Zu den Anspieltipps einer durchweg empfehlenswerten Platte zählen vor allem das Titelstück, "Careless Soul", in dem Cale Tyson sein ungeheures Gespür für Melodien beweist und Andrew Combs ein wunderbares Akustikgitarrensolo spielt.

Auch das melodramatische "High Lonesome Hill" mit seinen sphärischen Steelguitar-Tupfern und seiner spürbaren Spielfreude nistet sich tief im Ohr ein. Musik, die sich wie selbstverständlich zwischen Gram Parsons, Townes Van Zandt und Dr. John einordnet.

Stark ist schließlich auch der balladeske Closer "Ain't It Strange", in dem Cale Tyson seine gesanglich beste Leistung auf diesem Album abliefert, verziert von einem herzerweichend schönen Streicherarrangement. Wenn der Song nach 4:09 Minuten langsam verhallt, hat die Sonne sich bereits verabschiedet. Es ist Nacht.

Erwähnt werden sollte unbedingt auch die satte Produktion von Michael Rinne, seinerseits Bassist bei Emmylou Harris und Rodney Crowell. Er setzt bei "Careless Soul" auf Transparenz, Authentizität und eine Wärme, die perfekt zu Cale Tysons leicht verspielten Geschichten passt.

Fazit: Mit "Careless Soul" übertrifft sich Cale Tyson selbst und legt die Messlatte für die Konkurrenz hoch. Spielfreude, ein Batzen großartiger Ideen und eine tighte Begleitband machen diese Platte zu einem durchgängigen Genuss. Gerne mehr davon.

Label: Clubhouse (H'Art) VÖ: 5. Mai 2017
01 Staying Kind
02 Somebody Save Me
03 Careless Soul
04 Easy
05 Traveling Man
06 Pain in My Heart
07 Railroad Blues
08 Dark Dark
09 High Lonesome Hill
10 Gonna Love a Woman
11 Pain Reprise
12 Ain't It Strange

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