Ray Stevens - Here We Go Again

CD Cover: Ray Stevens - Here We Go Again

Harald Ray Ragsdale, wie Ray Stevens bürgerlich heißt, ist ein echter Spaßvogel. Ein begnadeter, singender, lästernder Witzbold. Eine echte Legende ist der bereits 76jährige Graubart aus Georgia darüber hinaus. Bereits 1957 unterschrieb der Singer/Songwriter, Arrangeur, Komiker und Multiinstrumentalist seinen ersten Plattenvertrag. Er schrieb Hits für andere und auch er selbst eroberte immer wieder die Charts - wie beispielsweise mit dem immer noch regelmäßig im Radio gespielten Evergreen "Turn Your Radio On". Seit den späten 70ern tritt Stevens vermehrt als Scherzkeks in Erscheinung. Später auch als eine Art Protestsänger. Im Jahr 2010 veröffentlichte der eher dem politisch rechten Rand zugeordnete Barde das Album "We The People", mit 22 politischen Songs - witzigerweise zog er damit in die Top 10 der Billboard Comedy Album-Charts ein. Nun ja, wo Ray Stevens drauf steht, ist Witz drin.

Das gilt natürlich auch für sein neues Album "Here We Go Again". Gleich mit dem Auftakt-Song landete der scharfzüngige Opi einen Volltreffer: "Taylor Swift Is Stalking Me". In dem Titel beschreibt er die Nöte eines Mannes, der sich eigentlich völlig zurückziehen wollte - der sich aber der Omnipräsenz von Taylor Swift nicht entziehen kann und daran so langsam verzweifelt. Egal wo er hinsieht, welche Zeitung er aufschlägt, welchen TV- und Radiosender er einschaltet - immer lacht und singt ihm die Blondine entgegen. Ein genauso witziger wie kritischer Beitrag zum völlig überdrehten Superstar-Hype, verpackt in schmissige, nostalgische Country-Rock 'n' Roll-Klänge. Dass der rüstige Country-Rentner immer noch über genügend Energiereserven verfügt, belegt er im nachfolgenden "What'd I Say". Den zeitlosen Ray Charles-Klassiker steckt Stevens in ein opulentes Soundkostüm, Country-Ornamente und vielstimmiger Frauenchor inklusive. Vollauf gelungen ist ihm auch die swingende, fingerschnippende Version von "Walkin' The Dog". Bei dem legendären Track mit dem einst Rufus Thomas einen Hit landete, wird Stevens von einer veritablen Bigband unterstützt. Guter Arrangement-Einfall: Das vielhörnige Gebläse setzt einen jazzigen Kontrapunkt zum betont lässigen Gesangsvortrag von Stevens.

Keine Frage, er kann Musik. Auch so richtig ernsthaft. Aber letztendlich geht es dem Schelm dann doch mehr um die Inhalte: Um seine mit Wortspielen und Anspielungen gespickten Texten - wie bei "There Must Be A Pill For This", "Come to the U.S.A." oder "Knock Him Out John". Gute Englischkenntnisse erhöhen den Hörgenuss der CD deshalb deutlich. Wer im Englischunterricht aber nicht immer aufgepasst hat oder sich einfach nicht die Mühe des genauen Hinhörens machen möchte, hat trotzdem seinen Spaß mit dem Album. Zum Beispiel mit der Guten-Laune-Nummer "A Handshake Will Do", bei der sich der Frechdachs ziemlich ungeniert bei dem Jimmy Soul-Klassiker "If You Wanna Be Happy" bedient hat. Oder bei dem mit jede Menge Gegacker und Trompeten-Stakkato ausgestatteten "Pickin' On The Chicken"; hier erinnert Stevens schon fast an den frühen Musik-Revoluzzer und Frank-Zappa-Einfluss Spike Jones. Bestens gelungen ist ihm aber vor allem der schmalzige Country-Rock 'n' Roll von "Hearts Made of Stone"; hier gibt der Veteran souverän den schmachtenden Elvis - ohne natürlich auf ein zwinkerndes Auge verzichten zu können.

Fazit: Ein Witzbold durch und durch - doch auch der revuehafte, nostalgische Country-Rock 'n' Roll des Oldtimers macht Laune.

Label: MRI / Player (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 31. März 2015

  • Titelliste

01 Taylor Swift Is Stalkin' Me 07 The Baptism of Stumpy Brown
02 What'd I Say 08 Little by Little
03 There Must Be a Pill for This 09 You Didn't Build That
04 Walkin' the Dog 10 Come to the U.S.A
05 Hearts Made of Stone 11 A Handshake Will Do
06 Pickin' on the Chicken 12 Knock Him out John


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