Blaze Foley - Sittin' By The Road

CD Cover: Blaze Foley - Sittin' By The Road

Blaze Foley? Nur bei den wenigsten Country-Fans wird es da Klingeln. Kein Wunder, der Mann, der als Michael David Fuller 1949 in Arkansas zur Welt kam, und 30 Jahre später in Austin unter mysteriösen Umständen starb, war zeitlebens ein Underdog. Aber auch eine echte Kultfigur. Er repräsentierte in seiner kurzen Karriere den Prototyp des unangepassten Country- und Folksängers. Er war politisch aktiv, setzte sich für die Rechte der Schwachen ein. Er sang gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeiten an, er lieh den Unterprivilegierten und den Benachteiligten seine Stimme. Ein Protestsänger, keine Frage.

Aber auch einer, der ein Meister des Songwritings war. Mit seiner angenehmen Stimme machte der meist grimmig dreinschauende und mit einem Hut ausgestattete Schnauzbartträger seine Songs zu ungeschliffenen Perlen des Genres. Dass es zu berührender Musik wenig braucht, belegt das 1970 mit spartanischen Mitteln eingespielte Album "Sittin' By The Road": Nur Foleys Stimme, eine Akustikgitarre, ein Bandgerät mit Mikro - und ein Dutzend toller Folk- und Country-Songs. Fertig!.

Welche Wertschätzung der 1989 erschossene Musiker unter seinen Kollegen genoss - und bis heute genießt - zeigt sich in zahlreichen Cover-Versionen. Lyle Lovett nahm beispielsweise 2003 den Foley-Song "Election Day" auf, Merle Haggard und Joe Nichols "If I Could Only Fly" und John Prine machte sich an eine Interpretation von "Clay Pigeons". Gleich mehrerer Blaze Foley-Songs nahm sich Townes Van Zandt an, der ein enger Freund des früh verstorbenen Kult-Musikers war.

Alle erwähnten Tracks finden sich auf dem nun digital remasterten Album, das - Sammler wird es freuen - in einer Limited Edition Vinyl erscheint. Sie und alle weiteren Titel weisen Foley als genialen Songwriter aus. Die meisten seiner Kompositionen dauern nicht länger als zweieinhalb Minuten. Doch in diesen 150 Sekunden gelingt es dem häufig als Obdachloser lebenden Musiker, vollständige und dazu berührende Geschichten zu erzählen. Man nehme nur das immerhin dreiminütige "Slow Boat to China" - ein Meisterwerk des Country-Souls, voller skurriler Texteinfälle. Gesanglich erinnert er dabei glatt an Soul-Legende Bill Withers. Ein größeres Kompliment kann man einem Sänger kaum machen, auch keinem Country- oder Folk-Sänger.

Letztere Genres hat Foley natürlich vorwiegend im Repertoire. Häufig sogar gleichzeitig in einem Song, wie bei "Election Day" und "Clay Pigeons" - zwei Titel von zeitloser Schönheit. Als Streiter für die Unterdrückten hatte ein Kerl wie Blaze Foley natürlich auch eine Ader für den Blues. Man nehme nur den Titeltrack - ein Song, der jederzeit auch B.B. King gut zu Gesicht stehen würde. Oder "Let Me Ride In Your Big Cadillac", bei dem er das Zwölftaktschema mit einer guten Prise Gospel würzt.

Dass Blaze Foley in seinen 30 Lebensjahren nicht gerade in Saus und Braus gelebt hat, wird auch in "Big Cheesburgers & Good French Fries" deutlich. Ein köstlicher, flotter Folk-Song. Aber auch ein Indiz dafür, dass es für ihn finanziell nicht immer für einen guten Burger gereicht hat. Büßen muss das "Fat Boy", der in dem bluesigen Folksong sein Fett abbekommt.

Fazit: Ein früh verstorbener, aber längst nicht vergessener Meister des klassischen Folk und Country. Die zwölf spartanisch aufgenommenen Songs erstrahlen in digitaler Restaurierung.

Label: Eliterecords (Broken Silence) VÖ: 16. Januar 2015

  • Titelliste

01 Big Cheeseburgers & Good French Fries 07 Cold, Cold World
02 Clay Pigeons 08 The Way You Smile
03 Sittin' By The Road 09 Rainbows And Ridges
04 Slow Boat to China 10 Fat Boy
05 Election Day 11 Faded Loves And Memories
06 Let Me Ride In Your Big Cadillac 12 If I Could Only Fly


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